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Kanu: Mira Louen ist Europameisterin im Einercanadier

Kanu : Mira Louen ist Europameisterin im Einercanadier

Die Athletin des Kanu-Club Hilden zeigt bei den Titelkämpfen in Augsburg im Einercanadier eine tadellose Leistung. Nach dem Gewinn der Goldmedaille ist die 26-Jährige vom Erfolg überwältigt - zum Feiern bleibt ihr aber kaum Zeit.

Mira Louen erfüllte sich einen Traum, denn die Athletin des Kanu-Club Hilden setzte sich am Samstag bei der Europameisterschaft in Augsburg im Einercanadier die Krone auf. "Ich wusste, dass ich Chancen habe, wenn ich einen guten Lauf hinlege, aber ich habe nicht damit gerechnet", sprudelte es aus der 26Jährigen heraus. "Im Kanu-Slalom hat man immer Chancen, aber man braucht auch das Quäntchen Glück", weiß sie. Doch im Finale bewies Louen auch die notwendige Nervenstärke. Gerade die fehlte ihr in jüngeren Jahren allzu oft. Nun aber gesteht sie: "Nach meiner zweiten Schulteroperation bin ich mental ganz anders drauf. Ich weiß, dass es noch etwas anderes gibt als den Sport, und das macht die Sache einfacher."

Bereits im letzten Jahr wusste Louen mit dem EM-Vizetitel im Einercanadier zu überzeugen. Nun aber ist die europäische Spitze breiter. "Quantitativ und qualitativ gab es da im vergangenen Jahr eine deutliche Steigerung", betont Markus Flechtner. So lagen zwischen den zehn Booten im Halbfinale gerade einmal zwölf Sekunden. "Das Feld ist sehr eng geworden", unterstreicht der Ressortleiter Kanu-Slalom im Deutschen Kanuverband. Dazu mussten die Kanuten im Halbfinale und Finale eine schwere Strecke meistern.

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17 Athletinnen waren für die Titelkämpfe nominiert. Nach den ersten beiden Läufen belegte Mira Louen mit vier Strafsekunden Rang fünf und zog damit locker ins Halbfinale der besten zehn ein. Im Semifinale leistete sich die 26-Jährige allerdings im zweiten Teil des schwierig ausgehängten Laufs sechs Strafsekunden. Trotzdem reichte es für den dritten Platz und in den Endlauf der besten acht. Wesentlich schlimmer erwischte es Caroline Loir, denn die Titelverteidigerin kassierte gleich am dritten Tor eine 50-Sekunden-Strafe - das bedeutete das vorzeitige Aus, denn dadurch landete die Französin nur auf Rang neun vor ihrer Landsfrau Claire Jaqeut, die sogar auf 102 Strafsekunden kam.

"Normalerweise habe ich in der Qualifikation immer zwei oder drei Haken drin, im Finale aber ist es mir gelungen, meine Leistung zu zeigen - das hat gepasst", analysierte Mira Louen zufrieden. Und Markus Flechtner lobte: "Sie ist technisch am besten gefahren und hat als einzige das Tor 19 direkt angefahren, während alle anderen eine Hilfsschleife genommen habe. Da hat sie die Sekunden herausgefahren, die sie nachher vorne lag." 4.76 Sekunden trennten Louen am Ende von der Zweiten Mallory Franklin, die immerhin fehlerfrei den Parcours absolvierte, letztlich aber zu langsam war. Rang drei belegte mit Michaela Grimm (Augsburg) eine weitere Deutsche. Mit etwas mehr Abstand folgte die Leipzigerin Lena Stöcklin auf dem vierten Platz.

Auch im Teamwettbewerb wusste das deutsche Trio zu überzeugen. Bereits im Halbfinale belegten Grimm, Louen und Stöcklin den ersten Platz mit 12.91 Sekunden Vorsprung auf die Tschechien. Im Finale wussten sich dann die Französinnen in der Besetzung Caroline Loir, Claire Jacquet und Orina Rebours zu steigern, hatten aber letztlich 2.93 Sekunden Abstand auf das deutsche Team und mussten sich daher mit Silber begnügen. Bronze ging an Großbritannien. Rang vier belegten die Tschechinnen. Da nur vier statt fünf Mannschaften meldeten, geht dieser Wettkampf jedoch nicht in die offizielle EM-Wertung ein.

Das Fazit von Mira Louen ist jedenfalls eindeutig: "Das war richtig cool, vor allem weil die Europameisterschaft diesmal in Augsburg war. Im eigenen Land ist die Stimmung eine ganz besondere. Da haben viele Fans vor Ort mitgefiebert - das ist schon etwas anderes, als wenn eine EM zum Beispiel in Spanien ist." Markus Flechtner hingegen konstatiert: "Im letzten Jahr war sie noch in der Pflicht, jetzt ist es die Kür. Mira war ganz überwältigt - ich weiß nicht, ob sie es schon ganz realisiert hat." Samstagabend feierten die Deutschen auf jeden Fall schon etwas. Doch die richtige Sause erlebt die Hildenerin wohl erst in einer Woche. Denn gestern Abend reiste sie mit ihrer Nachwuchsgruppe vom KC Hilden gleich weiter nach Lofer. "Ich muss die Jungs und Mädels fit machen für die Junioren-Weltmeisterschaft", sagt sie lachend. Ihren neuen Job als Trainerin nimmt Mira Louen eben genauso ernst.