Erinnerungen an Schumi

Erinnerungen an Schumi

Während seiner Ausbildung zum Kfz-Mechaniker besuchte Michael Schumacher Ende der 80er-Jahre das Berufskolleg in Hilden. Freitags fehlte der Lehrling oft, weil er bereits in der Formel 3 startete. Doch längst sind seine einstige Lehrer stolz auf den Rennprofi.

Wenn am Sonntag Michael Schumacher auf der Rennstrecke in Bahrein sein Formel-1-Comback hat, werden auch seine ehemaligen Ausbilder Ulrich Clausdorff, Hartmut Gissel und Klaus Henrich vom Berufskolleg Hilden gespannt verfolgen, wie ihr früherer Schüler abschneidet. Im Autohaus Bergmeister in Langenfeld (heute Autohaus Schnitzler) hatte Schumi nämlich zwischen 1987 und 1990 seine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht, im Berufskolleg am Hölterhöfchen hatte der inzwischen siebenmalige Weltmeister seinen begleitenden Berufsschulunterricht. Ein großes Poster und die Kopie seines Ausbildungsvertrages zieren noch heute eine Wand im Unterrichtsraum. 528 Mark standen dem jungen Lehrling im zweiten Ausbildungsjahr als Ausbildungsvergütung zu. Eine Summe, über die er heute sicher nur müde lächeln kann.

Schumacher sei damals, obwohl er schon im Rennsport aktiv war, ein eher zurückhaltender Schüler gewesen, ohne jegliche Starallüren, aber auch sehr aufmerksam im Unterricht, erinnern sich seine Lehrer. Nur die häufigen Fehlzeiten hätten ihn geärgert, räumt Clausdorff ein, der damals als junger Lehrer gerade zum Berufskolleg gekommen war. Es habe sogar einmal überlegt, ihm eine Sechs zu geben, weil er andauernd fehlte. Nach Rücksprache mit seinen Kollegen wurden die Fehlzeiten dann aber durch Sonderaufgaben, mit denen Schumi betreut wurde, ausgeglichen. Es war der Freitag, an dem es den jungen Michael Schumacher sehr oft nicht mehr auf den Bänken der Schule hielt. Schließlich war er damals an den Wochenenden schon sehr erfolgversprechend in der Formel 3 unterwegs. Klaus Henrich, inzwischen pensioniert, hatte einen besonders guten Draht zu Schumi, ist er doch selbst seit seinem 20. Lebensjahr im Rennsport aktiv und geht heute noch in der Historischen Formel 3 an den Start. "Ich hatte ihn schon in der Formel 3 auf dem Nürburgring gesehen, bevor er hier an die Schule kam", berichtet Henrich. "Und er war damals schon ganz gut".

Schumi konnte übrigens seine dreieinhalbjährige Lehrzeit verkürzen und bereits nach drei Jahren mit Erfolg seine Gehilfenprüfung ablegen. Dies sei Voraussetzung gewesen, dass er gleich nach der Lehre bei Mercedes einen Vertrag für das Mercedes-Junior-Team erhielt, damals noch als Fahrer eines Sportprototypen. Eher durch Zufall sei Schumacher dann in die Formel 1 gekommen, berichtet Henrich, der die Karriere seines früheren Schülers immer verfolgt hat. Weil der Belgier Bertrand Gachot, Stammfahrer bei Jordan, nach einer Reizgasattacke auf einen Taxifahrer in Großbritannien ins Gefängnis musste, wurde ein Ersatzfahrer gesucht. Und Schumis Manager Willi Weber gelang es, seinem Schützling im Cockpit der Rennsport-Königsklasse einen Platz zu verschaffen.

Auch damals sei er das noch sehr bescheiden angegangen. Bei seinem ersten Rennen hätten Schumi und sein Manager in der Jugendherberge in Spa übernachtet, weil sie mit ihrem schmalen Budget haushalten mussten, weiß Klaus Henrich. Das ist heute natürlich anders, und Henrich ist sicher, dass sein früherer Schützling in der Formel 1 immer noch vorne mitfahren kann, "wenn er ein vernünftiges Auto bekommt". 41 sei doch noch kein Alter, betont er, schließlich reize ihn sogar als Pensionär der Rennsport auch immer noch. "Ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen." Und für Spannung im Formel-1-Wettbewerb dürfte Michael Schumacher allemal sorgen, da sind sich seine früheren Ausbilder einig. "Die anderen sind alle heiß darauf, ihn zu schlagen."

Sicher werden auch die angehenden Mechatroniker, die heute im Berufskolleg Hilden ausgebildet werden, das Abschneiden ihres Vorgängers auf den Schulbänken am Hölterhöfchen gespannt verfolgen. Sehen sie doch auch, dass eine gute Ausbildung in einem Lehrberuf im Kfz-Gewerbe einer späteren Karriere im Rennsport nicht im Wege steht, sondern sich bestimmt eher positiv auswirkt. Hartmut Gissel ist sich sicher, dass Schumi ihm und seinen Kollegen mit den Detailkenntnissen, die er während seiner Rennsportkarriere rund ums Auto erworben hat, heute weit überlegen ist. "Die Grundlagen aber, die wurden auch hier bei uns gelegt", sagt er nicht ohne Stolz.

(RP)