Fußball: Die Freude an der Torjagd

Fußball : Die Freude an der Torjagd

Auch bei der zweiten Auflage des Turniers für Kindergärten ist die ganze Familie im Einsatz. Während die Kinder auf dem Kunstrasen keine Ermüdungserscheinungen zeigen, feuern die Eltern am Spielfeldrand ihren Nachwuchs lautstark an.

Jubelnd reißen die Kinder vom Team Rappelkiste beide Arme in die Höhe. Eltern und Erzieher am Spielfeldrand jubeln mit. "Tor!" Es steht 1:0 für die kleinen Kicker in den gelb-blauen Trikots. Ihre Gegner schauen etwa betreten über den grünen Kunstrasenplatz am Weidenweg.

Doch Lenja, die Torhüterin der Verlach-Kicker, nimmt beherzt den Ball in beide Hände und wirft ihn mit aller Kraft in die Mitte des Kleinfeldes. Eine Traube von Kindern stürzt sich auf den Ball "Los, aufs Tor!", "Schießt!", feuern die Zuschauer die Weiß-Roten an. Doch erneut können sich die Gegner aus dem Gewühl im Mittelfeld lösen und lauf schon wieder auf das Tor von Lenja zu.

"Komm etwas weiter raus", ruft ihr Joachim Oberhauser von der Seitenlinie aus zu. Er gehört zu Gastgeber SpVg. Hilden 05/06 und hat während des Kita-Cups die Patenschaft für die Verlach-Kicker übernommen. "Wir hatten zweimal vorher Kontakt, doch es gab kein Training im eigentlichen Sinne", sagt der Betreuer in Jeans und blauem T-Shirt. Für die Fünf- und Sechsjährigen in seiner Mannschaft ist das Turnier der erste Kontakt mit dem Fußball. "Es sind auch nur zwei Jungs dabei. Alles andere sind Mädchen. Im Jahr der Frauen-Weltmeisterschaft also genau die richtige Mischung", betont Oberhauser.

Im Hintergrund sorgt die Trommelgruppe Patido Alto lautstark für Wirbel. In Deutschland-Trikots, schwarz-rot-goldenen Hüten und Blumengirlanden laufen sie am Spielfeld entlang. Dort konzentrieren sich jedoch alle auf den nächsten Angriff der Mannschaft in Blau-Gelb.

Lenja ist aus ihrem Tor herausgerückt, bewegt sich von rechts nach links, versucht vorauszuahnen, wohin der Stürmer schießt, doch er überlupft sie mit einem hohen Ball aus vollem Lauf und lässt ihr keine Chance. Die Torhüterin kann das Spielgerät nur noch aus dem Netz fischen und kraftvoll wieder ins Feld werfen.

Dennoch ist Joachim Oberhauser von der Qualität der kleinen Fußballerin überzeugt. "Sie ist die beste Torfrau des Turniers. Sie läuft nicht am Ball vorbei und das zeugt von einer guten Hand-Auge-Koordination, die in diesem Alter nicht selbstverständlich ist." Dennoch wirkt die zarte Bambini-Spielerin fast verloren in dem fünf mal zwei Meter großen Jugendtor. "Kleinere gibt es nicht. Doch deswegen zählen wir hier die Tore auch nicht und schreiben keine Ergebnisse auf. Die Kinder sollen nur Spaß am Spiel und der Bewegung haben."

Mit Feuereifer sind auch die Teams auf dem Nachbarfeld bei der Sache. Die Mannschaft der Kita Regenbogen trifft dort auf die Talente der Friedenskirche. Gemeinsam spurten die Kinder dem Ball hinterher. Schuss. Doch der Keeper im Tor der Auswahl von der Friedenskirche hat aufgepasst. Er geht in die Knie und fängt den Ball geschickt mit beiden Armen auf. "Super!", schreien die Anhänger der Mannschaft auf das Feld. Dem Einwurf folgt ein kurzes Gerangel, dann löst sich das Knäuel der Spieler — und alle laufen in die andere Richtung dem Ball hinterher.

Die kleinen Kicker sind unermüdlich, obwohl jede der 19 Mannschaften sieben Begegnungen von je 20 Minuten absolvieren muss. Angefeuert von Eltern, Verwandten und Erziehern scheinen die Kinder kaum müde zu werden. Auswechselungen sind allerdings jederzeit gestattet, und jedes Team ist mit zwölf Spielern angereist.

Lenja spielt durch. Zum Ende der zweiten Halbzeit steht die mutige Torhüterin der Verlach-Kicker noch immer in ihrem grellgrünen Trikot zwischen den Pfosten und wartet auf den nächsten Angriff der Stürmer von der Rappelkiste. Doch diesmal kann sie den Angriff abwehren und den Ball festhalten. Von allen Seiten bekommt sie Applaus und strahlt über das ganze Gesicht.

Kurz nach ihrem Erfolgserlebnis beendet der schrille Pfiff des Schiedsrichters die Partie. Jubelnd reißen die Spieler der Rappelkiste die Arme hoch. Sie wissen, dass sie gewonnen haben, auch wenn es offiziell nur Sieger gibt.

(domi)
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