Fußball: Bodenständiger Ex-Profi

Fußball: Bodenständiger Ex-Profi

Die Zeit in der Fußball-Bundesliga mag Conny Eickels nicht missen. Doch der frühere Torjäger behält den Sinn für die Realität, nennt die Familie und seinen Beruf im Finanzamt wichtig. Als Trainer ist er mit der SpVg. Hilden 05/06 Spitzenreiter.

Hilden Conny Eickels ist ein Mann der klaren Worte. "Es ist besser, wenn man etwas Langfristiges hat", sagt der Ex-Profi-Fußballer im Blick zurück. Denn der 54-Jährige ist mit seinem Job im Finanzamt Düsseldorf-Süd sehr zufrieden. Dort ist er bereits seit 23 Jahren beschäftigt. "Für mich war das wie ein Sechser im Lotto: Man hat ein geregeltes Leben und das Gehalt ist pünktlich da", bringt er die Vorteile auf den Punkt. "Das ist besser, als in der Regionalliga herumzukurven."

Unterstützung durch Sepp Weikl

Vor der Wahl stand er 1987\. Damals trat er in der Zweiten Bundesliga für Rot-Weiß Oberhausen an. Doch oft mussten die Kicker des finanzschwachen Klubs zwei bis drei Monate auf den Lohn warten. "Ich hatte Familie, musste Miete zahlen", betont Eickels, der seine Profi-Karriere deshalb am 28\. November 1987 beendete. Sepp Weikl, der früher für Fortuna spielte und seinerzeit als Trainer bei der TuRU für das Landesliga-Team verantwortlich zeichnete, holte ihn zum Düsseldorfer Traditionsklub und verschaffte ihm auch den Job beim Finanzamt. Eickels begann als Pförtner, arbeitete dann in der Poststelle und verdient heute als Verwaltungsangestellter in der Zahlstelle seine Brötchen. "Es macht mir sehr viel Spaß, mit Zahlen umzugehen", füllt ihn der Job aus.

Schönste Zeit in Saarbrücken

An die Zeit als Profi denkt Conny Eickels, der am 11\. Juni 1956 in Neuss zur Welt kam, immer noch gerne zurück. In der Saison 1976/77 feierte er mit der Fortuna die Deutsche Amateurmeisterschaft. Im Winter wechselte Düsseldorfs Trainer Manni Kraft nach Saarbrücken — im Sommer folgte ihm Eickels in die Erste Bundesliga nach. "Für mich waren die drei Jahre in Saarbrücken die schönste Zeit", bekommt er in der Erinnerung glänzende Augen. Ein Jahr spielte Eickels in der Erste Bundesliga, zwei in der Zweite Liga. Vor allem die Mentalität der Menschen in diesem Landstrich tat es ihm an. "Da wurde ich herzlich aufgenommen, war wirklich ein Star, obwohl ich erst 20 Jahre alt war", berichtet er. "Wenn ich über die Straße ging, hat mich jeder erkannt. Und die Leute haben mich eingeladen." In jener Zeit lernte er auch Fußballgrößen wie Franz Beckenbauer, "Katsche" Schwarzenbeck und Karl-Heinz Rummenigge hautnah kennen.

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Als Amateur galt Eickels als gefährlicher Angreifer, trumpfte in einer Saison mit 39 Treffern als Torschützenkönig auf. In Saarbrücken entwickelte er sich zum defensiven Mittelfeldakteur. Die Rolle des "Sechsers" füllt er noch immer im Alt-Herren-Team der Fortuna aus.

Im Klubhaus hat es gefunkt

Heute ist sein ganzer Stolz aber die Familie. Ehefrau Angelika lernte er im Fortuna-Klubhaus kennen. Sonntags trafen sie sich regelmäßig — die Oberliga-Handballerin hatte gerade ihr Spiel beendet, der Fußballer bereitete sich erst noch auf seinen sportlichen Auftritt vor. "Irgendwann hat es dann im Klubhaus gefunkt", so Eickels trocken. 28 Jahre währt die Ehe nun schon und brachte drei Söhne hervor.

Sascha lief früher ebenfalls für Rot-Weiß Oberhausen auf, versuchte den Sprung in die Zweite Liga zu schaffen. Längst aber engagiert sich der 27-Jährige im Bezirksliga-Team der Düsseldorfer TuRU und konzentriert sich auf seinen Beruf im Einzelhandel. "Das ist heutzutage sinnvoller, auch wenn ich ihn gerne in der Bundesliga gesehen hätte", sagt der Vater. Mit dem 13-jährigen Niklas hat er aber "noch ein Ass im Ärmel". Der Nachzügler läuft in der C-Jugend der TuRU auf, die Conny Eickels trainiert. "Er hat wirklich das Zeug, ist genauso ehrgeizig wie ich." Talentsucher des 1\. FC Köln bekundeten bereits Interesse.

Kein Fußball-Blut hat dagegen Sohn Dominik. Für Conny Eickels kein Problem. Stattdessen geht der 20-Jährige in seiner kaufmännischen Lehre auf, die er bei der Düsseldorfer EG absolviert. "Wir sind stolz, dass er es so weit gebracht hat", freut sich der Vater über den "super Job". Und er legt Wert darauf: "Wir sind keine Eltern, die sagen: Du musst unbedingt Fußball spielen."

(RP)