Fußball: Altherren gegen Ex-Profis

Fußball : Altherren gegen Ex-Profis

Für die Fußballer der SSVg Haan geht mit dem Duell gegen die Traditionsmannschaft von Borussia Mönchengladbach ein Traum in Erfüllung. Die Weisweiler-Elf lockt rund 600 Zuschauer auf die Anlage an der Hochdahler Straße.

Frank Haage ist einen Schritt schneller und schirmt das Leder ganz nah an der Eckfahne gegen Bachirou Salou ab. Schließlich klärt der Kicker den Ball gegen seinen bekannten Gegenspieler.

Dass er einmal einen Zweikampf gegen einen Ex-Bundesliga-Profi gewinnt, das hätte sich der Kapitän der Altherren-Mannschaft der SSVg Haan nicht zu träumen gewagt. "Hab ich das wirklich?", fragt Haage ungläubig — und bricht einen kurzen Moment später in schallendes Gelächter aus. "Das war ein absolut tolles Erlebnis. Wir hätten niemals damit gerechnet, einmal hier in Haan gegen eine solche Mannschaft anzutreten. Hut ab vor unserem Vorstand", lobt Haage.

Die Vereinsführung der SSVg stellte die Partie gegen die Traditionself von Borussia Mönchengladbach auf die Beine. "Wir sind drei eingefleischte Gladbach-Fans im Vorstand. Daher haben wir uns sehr gefreut, dass die Traditionself schnell auf unsere Anfrage geantwortet hat", berichtet Arne Hinz. Damit wollte der Geschäftsführer der SSVg auch den Altherren-Fußball in Haan fördern. Prompt erschienen statt der üblichen sieben oder acht Kicker gleich 20 Aktive beim Training, um sich für einen Einsatz zu empfehlen. Dass die Haaner mit 2:13 unterlagen, war angesichts des Duells gegen die früheren Idole zu verschmerzen.

Immerhin hatten die SSVg-Akteure einige Erfolgserlebnisse. Kurz vor dem Pausenpfiff markierte Rochus Cyrys das 1:6. Und in der zweiten Halbzeit traf Jörn Birkenheuer zum viel umjubelten 2:10. Den meisten Haanern reichte es schon, gegen gestandene Fußballgrößen wie Jörg Albertz, Karl-Heinz Pflipsen, Thomas Kastenmeier oder Bachirou Salou auf dem Platz zu stehen. Gegen die noch immer überragenden technischen Fähigkeiten der Ex-Profis war selten ein Kraut gewachsen. "Wenn Thomas Kastenmeier zum Freistoß antritt, dann möchte man nicht in der Mauer stehen", berichtete Frank Haage.

Viele der rund 600 Besucher entpuppten sich am Samstagnachmittag als verrückt nach Borussia Mönchengladbach und sorgten in schwarz-weiß-grüner Kleidung für eine tolle Stimmung. Andreas und Dora Theis sowie Sohn Marvin kamen komplett in Trikots und wollten sich nach dem Spiel Autogramme holen. Am Ende ergatterte Andreas Theis sogar ein Erinnerungsfoto mit dem ehemaligen Verteidiger Thomas Kastenmeier.

Eine Gruppe von rund 60 Fans befand sich sogar im "Rautenfieber." So nennt sich der erste Haaner Fanclub von Borussia Mönchengladbach. Einer der Initiatoren, Ralf Dernbach, trägt das Wappen der Borussia nicht nur in seinem Herzen, sondern als Tätowierung mittlerweile auch auf seinem Unterschenkel. Sein Sohn Dennis ließ sich das Symbol vorher bereits auf seiner Schulter verewigen. Auf Autogrammjagd will der zweite Geschäftsführer der SSVg an diesem Tag aber nicht gehen: "Ich bin früher mit meinem Bruder beim Training gewesen und habe daher schon viele Autogramme", erklärt Dennis Dernbach.

Zur Gründung des Fanclubs führte die Erkenntnis, dass in den meisten Gaststätten beim gemeinsamen Fußballschauen zu wenig Stimmung ist. "Wir wollen richtig Stimmung machen", kündigte Ralf Dernbach an. Und das gelang dem Fanclub, der die Partie mit Sprechchören, Gesängen und viel Jubel begleitete.

Rund um die Partie waren die Ex-Profis alles andere als menschenscheu, standen für Autogrammwünsche, Fotos und einen Plausch zur Verfügung. Zum Aufwärmen schoss beispielsweise Bachirou Salou den Ball mit einem kleinen Jungen im Borussia-Trikot hin und her und stand wenig später für ein Foto mit dem sechsjährigen Tom Nimscholz Modell.

Ein besonderes Erlebnis war die Begegnung nicht nur für die Alten Herren, sondern auch für die Bambini der SSVg Haan und des TSV Gruiten, die zunächst im Vorspiel gegeneinander antraten und danach vor dem Anpfiff der Top-Begegnung mit den Großen an der Hand aufs Feld liefen.

(pjj)