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Hilden: Spiel mit der Wahrnehmung

Hilden : Spiel mit der Wahrnehmung

Der Neusser Gastkünstler Michael Kortländer präsentiert im Haus Hildener Künstler seine außergewöhnlichen Plastiken. Sie verbinden harmonisch Malerei und Skulptur und sind aus Wellpappe gestaltet.

"Ein Bildhauer und seine Werke", denkt der Besucher, wenn er jetzt das Haus Hildener Künstler betritt. Im Spiel der Wahrnehmung entfachen Michael Kortländers Plastiken an den Wänden ihre Dynamik. Doch nichts ist so, wie es scheint.

Nur einen kurzen Augenblick gaukeln die Werke des Neusser Künstlers mal die Schwere von Eisen, mal das Zerklüftete eines Steins oder das Verwitterte alter Holzstücke vor. In Wirklichkeit sind es filigrane Objekte, die Kortländer in den großen schlichten Galerieraum integriert hat. Sie haben alle etwas gemeinsam — das Material Wellpappe.

Viel Publikum bei der Vernissage

Das Herzstück der Ausstellung sind aufragende, mehr als drei Meter hohe zwölf Balken, die dicht an dicht die Wand beherrschen. Dokumentieren den Kontrast zwischen optischer Wucht, strenger Ordnung und der Leichtigkeit des Materials. Dünne Schichten Wellpappe fügt Kortländer zu dicken Körpern zusammen, klebt, schneidet, sägt, tränkt sie mit Leinöl und bemalt sie mit Acrylfarben in Naturtönen. In seiner abstrakten Formensprache spannt er einen Bogen zwischen Skulptur und Malerei.

Seit 1978 hat sich der Künstler der Wellpappe, dem in der Industrie gefertigten Material, verschrieben. Hat es erforscht, ergründet und erfinderisch die Wirkung seiner Plastiken mit malerischen Mitteln verändert. Kortländer sieht sich zu gleichen Teilen als Maler und als Bildhauer. Bei der Vernissage am Samstag weihte er ein recht großes Publikum in die Geheimnisse seiner Kunst ein.

Während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie habe sein damaliger Professor G. Hoehme ihm die bildhauerische Richtung gewiesen. "Als Student entdeckte ich die Wellpappe. Sie war ideal, billig, nahm nichts übel. Und wenn etwas misslang, na und", meint er schmunzelnd. Bis heute ist er diesem schlichten Material, aber reich an hoch komplizierter Struktur, treu geblieben.

Nachvollziehbare Arbeitsprozesse

Vorstudien, das Durchspielen von Formvarianten gehören zu seinen Vorarbeiten. An einer Wand hängt ein erster, auf dem Boden gezeichneter Grundriss zu einer Plastik. Die meisten seiner Werke an den Wänden wirken reliefartig, bekommen ihren Charakter durch Eleganz oder Schroffheit, durch konvexe oder konkave Formen und durch eine spannende Oberflächenstruktur. "Es ist ein Spiel mit Assoziationen", erklärt Kortländer.

Deutlich wird das bei der Plastik "Stepbystep". Fast nachvollziehbar sind die Arbeitsprozesse: Eine papierne Architektur, geformt, geschnitten, gefaltet, gesägt, zerklüftet. Mit Zwischenräumen und Spalten — eine Vision eines utopischen Wolkenkratzers. Eines von sieben Exponaten, ausgestattet mit eigentümlicher Schönheit und sichtbarer Vergänglichkeit.

(nea)