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Serie Made In Hilden (6): Spezialist für Destillation gut im Geschäft

Serie Made In Hilden (6) : Spezialist für Destillation gut im Geschäft

Das Hildener Unternehmen Montz hat früher als viele andere auf die grüne Chemie gesetzt. Das zahlt sich jetzt aus.

Die Julius Montz GmbH, einst eine kleine Kupferschmiede, ist jetzt ein weltweit gefragter Spezialist für Prozess- und Destillationstechnik. In Hilden gefertigte Komponenten sorgen dafür, dass alkoholfreies Bier und Strohrum, Babywindeln und Biosprit produziert werden können. Montz geht es gut – trotz Wirtschaftskrise.

HILDEN Technischer Geschäftsführer Günther Frey eilt geschäftig übers Betriebsgelände an der Hofstraße. An einem Anlagenbauteil bleibt er kurz stehen. "Damit kann man alkoholfreies Bier produzieren", erklärt er. "Und hier sind unsere Packungen." Packungen? In einer Firmenbroschüre werden die "Montz-Strukturpackungen" in den unterschiedlichsten Ausführungen vorgestellt. In der chemischen Industrie werden sie zur thermischen Trennung von Substanzen gebraucht. "Wir haben viele Patente. Bei uns kaufen Bayer, BASF und Evonik ein", sagt Frey – und ist schon fast in der nächsten Produktionshalle.

Als Julius Montz am 1. November 1911 die Kupferschmiede Mewis an der Heiligenstraße 30 in Hilden übernahm, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass 101 Jahre später ein moderner weltweit agierender Betrieb mit 105 Mitarbeitern seinen Namen tragen würde. In der internationalen Wirtschaft hat sich die Julius Montz GmbH einen Namen als Spezialist für Prozess- und Destillationstechnik gemacht. Die Firma plant, konstruiert und fertigt Anlagenkomponenten für den Einsatz in der chemischen Industrie sowie der Öl- und Gasindustrie.

In den Anfängen hatte der Firmengründer Julius Montz für die wachsende chemische Industrie an Rhein und Wupper sowie die Kokereien an der Ruhr Apparate und Behälter gefertigt. 1952 zog Julius Montz an den heutigen Standort an der Hofstraße. Zwei Jahre später starb er im Alter von 83 Jahren. Sein Sohn Otto übernahm die Leitung der Firma. Er forcierte die Spezialisierung auf die Destillationstechnik.

Bereits Anfang der 60er Jahre erwarb die Firma Montz zahlreiche Patente. Da Nachkommen fehlten, verkaufte Montz 1966 das Unternehmen an die Düsseldorfer Schiess-AG. Um konkurrenzfähig zu bleiben, schloss sich die Julius Montz GmbH dann 1971 der Firma F.A. Neumann aus Eschweiler als hundertprozentige Tochtergesellschaft an. Friedrich A. Neumann übernahm die Geschäftsführung und wurde 2008 von Claudius Frenken in der kaufmännischen Geschäftsführung abgelöst.

Lizenzierte Destillationstechnik von Montz macht es heute möglich, dass zum Beispiel aus Stroh oder Abfall Bio-Ethanol gewonnen werden kann. "Wir haben eine Vorführanlage in Straubing gebaut." Die Kunden der Firma sitzen in Amerika und Asien, in Brasilien und der Ukraine, zählt Günther Frey auf. Der Firma gehe es prächtig. Gerade erst seien vier neue Ingenieure eingestellt und eine neue Produktionshalle fertiggestellt worden. 30 Leiharbeiter helfen vorübergehend aus.

Montz' Stärke besteht darin, dass wir "immer früh am Start waren und viel eher als andere auf die grüne Chemie gesetzt haben", glaubt Frey. "Wir liefern zum Beispiel Komponenten für die Biodiesel- und die Bioethanolproduktion und sind in etlichen Bereichen Marktführer." Auch bei Photovoltaikanlagen, Kunststoffen in Automobilen und in der Pharmazie mischt Montz mit. "Wir fahren zurzeit zwei Schichten und sind gut ausgelastet." Die aktuell 105 Mitarbeiter hätten "einen sicheren Arbeitsplatz", die Fluktuation sei niedrig, sagt Frey und verweist wegen weiterer Fragen an seine Sekretärin. Mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz rechnet die Geschäftsführung in diesem Jahr: "Das entspricht einer Steigerung von etwa 12 Prozent", sagt Angela Keul, die Chefsekretärin. Sie arbeitet seit mehr als 25 Jahren bei Montz und sagt über sich selbst: "Ich gehöre schon zum Inventar." Ihr Chef, der 67-jährige Günther Frey, ist allerdings noch länger dabei: seit 42 Jahren. 1980 übernahm er die Werksleitung und im Oktober 2007 die technische Geschäftsführung: "Der hat sich hier hochgearbeitet und lebt für die Firma",sagt Keul. Das Verwaltungsgebäude, in dem sie arbeitet, wird übrigens im Frühjahr 2013 um ein Stockwerk aufgestockt, weil das Gebäude aus allen Nähten platzt.

(RP)