Sommerfest im Dorotheenviertel Spaß von Ponyreiten bis zur „Bobbycar-Waschstraße“

Hilden · Im ehemaligen Dorotheenheim an der Horster Allee wird Hilfe für Jugendliche und alte Menschen geleistet. Und nach drei Jahren Corona-Pause wurde dort jetzt auch wieder das beliebte Sommerfest gefeiert.

Sommerfest im  Dorotheenviertel: Lara (5) hat jede Mnge Spaß auf der Rollenrutsche.

Sommerfest im Dorotheenviertel: Lara (5) hat jede Mnge Spaß auf der Rollenrutsche.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Das große, sonst jährlich stattfindende Sommerfest der Graf Recke Stiftung im Hildener Dorotheenviertel konnte am Samstag bei strahlendem Wetter nach dreijähriger Zwangspause durch Corona endlich wieder gefeiert werden. Und die Besucher durften staunen, mit wie viel Fantasie und offensichtlich freudiger Hingabe, dieses Fest vorbereitet war.

Gabriele Trojak -Künne, Fachbereichsleiterin für Jugendhilfe und Rolf Bleeker, Pressesprecher der Stiftung, erläuterten die Aufgaben, die im Dorotheenviertel geleistet werden. Das ehemalige Dorotheenheim ist 2003 in die Graf Recke Stiftung aufgenommen worden, und die Stiftung selber feiert in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag.

An der Horster Allee wird Hilfe für Jugendliche und alte Menschen geleistet. Durch sexuelle Schandtaten und Gewalt schwerst traumatisierte Kinder und Jugendliche werden hier in einen geschützten Raum aufgenommen und auf ein Leben außerhalb eines solchen Raumes vorbereitet. In Wohngruppen von fünf bis sieben Personen lernen sie, wieder mit dem Leben zurecht zu kommen. In der Altenhilfe gibt es zwei Pflegeeinrichtungen und im Haus Ahorn werden schwerst demente Menschen betreut.

All diese so unterschiedlichen Bewohner feierten das große Sommerfest, das wie immer mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel begann. Bei einem Rundgang über das riesige Gelände führte Gabriele Trojak-Künne an die bunt geschmückten Stände, die von den einzelnen Wohnbereichen organisiert und kreativ gestaltet waren. Das Angebot war schlicht umwerfend: Aerotrimm, Kinderschminken, eine Hüpfburg, Dosen- oder Ringewerfen, Stofftaschen bemalen, Bungee-Trampolin, eine Wasserrutsche und ein Kinderkarussell aus Omas Zeiten wechselten sich mit allerlei Leckereien ab. Ein Hot-Dog-Stand mit Veggie- und Geflügelwürstchen wurde beispielsweise von der Gruppe „Blickwinkel“ betrieben – und die jungen Mädchen berichteten von großem Andrang. Auch der Stand mit Popcorn und Slush- Eis, organisiert vom Kinder- und Jugendrat erfreute sich großer Beliebtheit.

Als witzig stellte sich die Waschstraße heraus. Hier wurde nicht etwa gewaschen, sondern kleine Kinder, etwa im Alter zwischen drei und vier Jahren, rollten auf Bobbycars durch einen Parcours, der wie eine Autowaschanlage aufgebaut war. Links und rechts kitzelte ein Staubwedel, die Haare wurden von Lappen gestreichelt, die von oben herabhingen. Die Kinder hatten riesigen Spaß.

Und noch eine Attraktion war ein viel besuchtes Ziel: Ponyreiten. Die Pferde, die sonst zu therapeutischen Zwecken gebraucht werden, dienten hier einmal der Unterhaltung.

An einem Stand, der von psychisch kranken Mädchen aus der Gruppe „Talamod“ betreut wurde, erklärte Daniel Owsianowski von der Jugendhilfe das ungewöhnliche Wort: „Talamod“ ist Schwedisch und bedeutet Geduld.

Auch das umfangreiche Bühnenprogramm war von Kindern und Jugendlichen organisiert worden – und sogar ein Überraschungs-Rap war in einem Workshop über mehrere Tage hinweg einstudiert worden.

Immer wieder betonte Gabriele Trojak- Künne den großen Zusammenhalt aller Beteiligten, der sich auch später beim Abbau bewährte.

Ein solches Fest zu vorzubereiten bedeutet enormen Einsatz, aber es kostet auch Geld. Dankbar nimmt daher die Verwaltung die Unterstützung des Fördervereins, der noch aus der Zeit des Dorotheenheims stammt, an, ebenso wie die Kooperation mit der Städtischen Musikschule, die regelmäßig das Bühnenprogramm mit gestaltet.

(eise)
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