Hilden: Sozialwohnungen ersetzen Schandfleck

Hilden : Sozialwohnungen ersetzen Schandfleck

Seit acht Jahren steht ein ehemaliges Möbelhaus an der Richrather Straße 15 leer. Jetzt soll es abgerissen werden.

Ende 2005 schloss die Familie Eschenbach ihr Möbelhaus an der Richrather Straße 15. Das Gebäude mit 2100 Quadratmetern Verkaufsfläche wurde veräußert — und stand seitdem leer. Jetzt gibt es endlich neue Pläne für die Immobilie, bestätigt Eigentümer Dr. Winfried Leßmann: "Es gibt ein Konzept, die bestehenden Gebäude abzureißen und dort Sozialwohnungen zu bauen. Dafür brauchen wir einen professionellen Partner. Den gibt es. Wir sind in Gesprächen. Ich bin im Moment relativ optimistisch, dass sie erfolgreich sein werden."

Die Immobilie sei ursprünglich erworben worden, um dort ein Ärztezentrum einzurichten. Mit dem Bau des Facharztzentrums Mediplus neben dem St.-Josefs-Krankenhaus ab 2009 sei das Projekt hinfällig geworden. "Das war eine Fehlplanung, die beim Kauf der Immobilie allerdings noch nicht absehbar war." Mehrere Jahre lang sei versucht worden, das Objekt wieder zu verkaufen — auch mit Hilfe von Maklern. Das sei nicht gelungen.

Die Eigentümer seien bereit gewesen, sich mit der Hälfte des Preises zu begnügen, den sie selber bezahlt hätten. Als es mehrfach zu Einbrüchen kam, sei ein Wachdienst engagiert worden. Leßmann: "Wir haben noch etliches Geld über die Jahre hinein gesteckt." Es habe durchaus Nachfragen von Interessenten gegeben, etwa für eine Spielothek: Diese Nutzung sei bei der Stadt Hilden aber auf wenig Gegenliebe gestoßen. Mit der Zeit sei die Immobilie zu einem "Schandfleck" verkommen. "Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich da vorbeigefahren bin. Wir haben wirklich alles versucht, um das leidige Thema zu beenden", sagt Leßmann.

Weil sich die Immobilie nicht verkaufen ließ, hätten die Eigentümer schließlich selber ein Nutzungskonzept entwickeln lassen. "Das scheint mir der bessere Weg zu sein", so Leßmann. Es sieht vor, die bestehenden Gebäude komplett abzureißen und dort Sozialwohnungen zu errichten: "Ich habe gehört, der Bedarf dafür soll in Hilden groß sein." Das ist richtig: 2012 suchten 465 Parteien in Hilden eine Sozialwohnung, gerade einmal 76 konnte eine vermittelt werden. Der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu halbiert: von 2911 (2002) auf 1511 (Ende 2012).

Anteil der Mietwohnungen: 2584 (2002), 1311 (2012). 2012 wurden zwar rund 450 000 Euro Wohnungsbaufördermittel des Landes abgerufen — aber nicht für Sozialwohnungen, sondern hauptsächlich für sechs Einfamilienhäuser. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Hilden (WGH) hat 202 Wohnungen im Bestand, kann wegen der hohen Grundstückspreise in Hilden nur noch dann Sozialwohnungen errichten, wenn die Stadt Hilden ihr die Grundstücke kostenfrei zur Verfügung stellt, erläutert Geschäftsführer Lutz Müller.

Das Grundstück Richrather Straße 15 liegt in einem Mischgebiet, erläutert Lutz Groll vom Planungsamt. Einzelhandel, der die Innenstadt gefährdet oder Spielhallen würde die Stadt dort zu verhindern suchen: "Wohnungen wären dort möglich."

Die Lage hat durchaus Vorzüge. Bewohner wären auch ohne eigenes Auto mobil. Vor der Tür liegt eine Bushaltestelle, direkt nebenan der S-Bahnhof Hilden-Süd mit einer guten Verbindung nach Düsseldorf. Die Hildener Innenstadt mit ihrem vielfältigen Angebot ist fußläufig zu erreichen. Ganz in der Nähe gibt es auch Grundschulen und Kindergärten, etwa an der Schulstraße.

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(RP)
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