So klingt Vielfalt – neues Orchester der Musikschule probt erstmals

Hilden : So klingt Vielfalt – neues Orchester probt erstmals

Musiker, die früher einmal ein Instrument gespielt haben, sind die Zielgruppe des neuen Musikschul-Ensembles „Vielfaltklang“.

Die erste Probe des neuen Orchesters „Vielfaltklang“ am Samstag war ein großer Erfolg. Mehr als 20 Musiker haben an dem klangvollen Kennenlernen teilgenommen. Das zweite Treffen kann also kommen.

Musik macht glücklich und ist wichtiger Bestandteil der menschlichen Kultur und der humanistischen Bildung. Deshalb gibt es in fast jeder Stadt Musikschulen, in denen Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, die Theorie und die Praxis am Instrument von Grund auf lernen – Stichwort „musikalische Früherziehung“. Doch was ist, wenn man das in seiner Jugend verpasst hat und im Rentenalter neu beginnen will? Oder, wenn man durch Beruf oder Krankheit lange Zeit ausgesetzt hat und nun wieder Anschluss sucht? Für solche hat die Musikschule Hilden das Projekt Vielfaltklang ins Leben gerufen.

Vielfaltklang ist ein integratives und inklusives Konzept, das nach seinem Abschluss zu einem festen Orchester im Ensemble der Musikschule werden soll. „Inklusiv“ ist dabei nicht wörtlich wie im Sinne der schulischen Inklusion zu verstehen: „Es ist für Menschen gedacht, für die es eigentlich kein Ensemble mehr gibt“, erklärt Dozentin Kiki Hansen-Freitag. Das können vor allem ältere Menschen sein oder Kinder, die noch zu jung sind, um einer Jugend-Band zu spielen. Vielleicht hat auch einer ein ganz spezielles Instrument, für das es in einer Rockband oder einem Bläserchor keinen Platz gibt. „Es ist also ein viel weiter reichender Begriff von Inklusion“, so Kiki Hansen. Musikschulleiterin Eva Dämmer freute sich, dass so viele den Weg in den Heinrich-Strangmeier-Saal der Musikschule (Gerresheimer Straße 20) gefunden hatten.

Zunächst gab es eine kleine „Aufwärmrunde“. Im Kreis stehend machten die 24 Teilnehmer nach, was Eva Dämmer vormachte: Mit den Füßen stampfend wird ein Takt vorgegeben, dazu wird mit den Händen geklatscht oder mit den Fingern geschnippt. „Und jetzt versuchen wir, das Tempo zu halten“, sagt Eva Dämmer. Bevor es auf die Bühne geht, die wichtigste Frage: „Wer hat denn alles schon ein Instrument mitgebracht?“. Tatsächlich wurden Ukulelen, Klarinetten und sogar ein Horn vorgezeigt; Lennart (11) aus Hilden hatte sogar sein eigenes Saxophon dabei, das er schon seit drei Jahren spielt. „Bis jetzt habe ich noch in keiner Band mitgemacht, deshalb bin ich hier“ sagt der Gymnasiast, der am liebsten Stücke von Queen oder aus den Charts spielt.

Die anderen suchten sich ein Instrument aus dem Fundus der Musikschule aus. Doch wie bringt man blutige Anfänger und Fortgeschrittene dazu, gemeinsam ein richtiges Stück zu spielen? Die Antwort ist: ein Schritt nach dem anderen. „Es gibt viele Musikstücke, die die man auf modulare Weise zusammenbauen kann“, verspricht der Leiter des neuen Orchesters, Frank Lescher. Als erstes wird auf dem E-Piano der passende Beat rausgesucht, dann stimmen die anderen Rhythmusinstrumente ein. Schließlich kommt eine einfach Melodie, eine Folge aus vier absteigenden Tönen, dazu.

Die Dozenten gehen durch die Reihen und geben Tipps und Hilfestellungen. Mit jedem Durchgang klingt das Lied klarer und besser. „Jetzt habt ihr es wahrscheinlich schon erkannt“ sagt Eva Dämmer und singt mit ihren Kollegen den Refrain von „Hit the Road Jack“. Der Anfang ist gemacht, 24 Nachwuchsmusiker jeden Alters gehen stolz und mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht nach Hause.

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