1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Weihnachten Die Kunst Weist Den Weg: Skulpturen als Mittel gegen Starre - auch im Kopf

Weihnachten Die Kunst Weist Den Weg : Skulpturen als Mittel gegen Starre - auch im Kopf

Für Inge Welsch ist Kunst immer auch mit Dynamik verbunden. Ihre bunten und beweglichen Plastiken überlässt sie gerne den Launen des Windes.

In der Werkstatt von Inge Welsch herrscht kreatives Chaos. Kiloweise liegen Glasscherben in verschiedenen Farben und Formen auf dem Tisch. Unzählige Werkzeuge, Pinsel und Farben warten fein säuberlich sortiert auf ihren Einsatz. Das leise Surren einer Schleifmaschine erfüllt den Raum im Keller. Mit ruhiger Hand formt die 77-Jährige einen Splitter aus Glas. Das Fragment wird Teil einer Reliefcollage aus bunten Scherben. In letzter Zeit widmet sie sich vor allem Objekten aus Glas.

"Das erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl", sagt Welsch. Fehler bei der Bearbeitung verzeihe das empfindliche Material in der Regel nicht. "Seit einigen Monaten arbeite ich sehr häufig mit Glas. Es ist ein sehr interessanter und schöner Werkstoff." Die Kunst ist seit der Jugend ein zentrales Thema im Leben der dreifachen Mutter und Großmutter. Von ihrer Experimentierfreude mit verschiedenen Materialien hat sie bis heute nichts verloren.

Ihre Skulpturen zieren den öffentlichen Raum in vielen Städten. Am Monheimer Rheindeich steht unter dem Titel "Flusszeichen" eine ihrer bunten und beweglichen Plastiken, ebenso in Wülfrath an der Kölnischen Landstraße oder auch neben der Mauritius-Klinik in Meerbusch-Osterrath. Eine ihrer bekanntesten Arbeiten ist wohl der "Windwegweiser", der seit 2002 in der Mitte des Kreisverkehrs an der Gerresheimer Straße in Hilden steht. "Eigentlich ist das gar kein Kreisverkehr, sondern eher eine Art Ei, das mit fünf Straßen verbunden ist", sagt die Künstlerin. "Mit der Skulptur greife ich diesen Gedanken auf." Die abstrahierte Wetterfahne auf der Verkehrsinsel ist zumindest teilweise beweglich. Der Wind kann mit ihr spielen — und umgekehrt.

  • Inge Broska gehörte zu den Künstlern,
    Arbeitsplatz Kunst : Inge Broska öffnete ihr Hausmuseum zu „Arbeitsplatz Kunst“
  • Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten
    Coronazahlen am Sonntag : Stabile Werte aus den meisten Städten
  • Stephan Küpper ist Sprecher des DRK-Blutspendezentrums
    Interview mit Stephan Küpper : Blutreserven sind bedenklich knapp

"Mir gefällt es, wenn Bewegung in der Kunst ist", unterstreicht Welsch, die damals an einem Künstler-Wettbewerb der Stadt Hilden teilnahm — und gewann. "Die Plastik ist ein Sinnbild für Dynamik und Mobilität. Ich wollte nichts erschaffen, was einfach nur starr in der Gegend steht." Ebenfalls in Hilden ist die Skulptur "Der Wächter" zu sehen. Sie steht seit 1995 am Institut für Öffentliche Verwaltung an der Hochdahler Straße. Hinzu kommen einige Ausstellungen und ein buntes Sammelsurium ihrer Arbeiten, das vor allem die eigenen vier Wände verziert. "Meine künstlerische Arbeit hat sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt", findet Welsch, die nebenbei gerne auch Cello spielt oder sich den Klassikern der Weltliteratur widmet. Auch in ihrem Leben war immer viel Bewegung. Geboren wurde Inge Welsch als Tochter deutscher Auswanderer in Brasilien. 1936, ein Jahr nach ihrer Geburt, entschließen sich ihre Eltern zur Rückkehr in die Heimat. Im Chaos des Zweiten Weltkrieges zieht die Familie von einem kleinen Dorf bei Cuxhaven nach Worms in die Pfalz.

Inge Welsch macht in der Nachkriegszeit ihr Abitur und studiert an der Folkwang-Hochschule Grafikdesign. Dort lernt sie auch ihren Mann Helmut kennen, mit dem sie drei Kinder hat. 1974 zieht die Familie nach Monheim. Inge Welsch arbeitete bis 1995 mehr als 20 Jahre im Haus der Jugend, wo sie kreative Kurse für Kinder gab. Ihr Mann war derweil in einer Werbeagentur tätig. Dass Kunst auch ein Wegweiser sein kann, liegt für die Künstlerin auf der Hand. Von intellektueller Überhöhung hält sie indes nicht viel. "Jeder Mensch sieht Kunst auf seine Art und jeder findet eine eigene Botschaft", sagt die 77-Jährige. "Ich mache mir auch meine Gedanken dazu, aber im Grunde liegt Kunst immer im Auge des Betrachters."

(RP)