Haan: Schwer verliebt in einen flotten Käfer

Haan : Schwer verliebt in einen flotten Käfer

33 Jahre stand der VW von Markus Niegel in einem Schuppen. Morgen ist er beim Luftboxertreffen zu bewundern.

Markus Niegels Käfer wird morgen in Haan einer von vielen sein. Dort treffen sich die Freunde der luftgekühlten Boxermotoren. Mindestens 150 Oldtimer werden dazu erwartet. Aber: Der Käfer Jahrgang 1957 ist ein echtes Kind des Wirtschaftswunders. 16 Jahre fuhr ihn ein Hildener Uhrmacher – bis 1973. "Als er Probleme mit der 6-Volt-Batterie hatte, hat der ihn erst einmal weggestellt", weiß Markus Niegel, sein jetziger Besitzer. Niegel ist Hauptorganisator des Treffens der Hobbygemeinschaft VW Boxer Bergisches Land, kurz VWBBL. Die veranstaltet morgen bereits zum dritten Mal ein so genanntes Luftboxer-Treffen in Haan. Es werden etwa 150 überwiegend luftgekühlte Oldtimer anreisen.

Niegel ist Vater von Tim (15) und Lucas (12) und "seit der Geburt des zweiten Kindes Hausmann", erzählt er. Seine Frau Birgit ist die Chefin des Haaner Altmann Autolands, einer Opel-Vertretung. Er kümmert sich um die Kinder und um seine zahlreichen Hobbys. Niegel ist nämlich vom Sammelvirus befallen und hat unter anderem eine Schwäche für alte Autos. "Als ich 20 war, wollte ich unbedingt einen Oldtimer haben." Er verguckte sich in den Porsche 356 Speedster. "Der hat damals schon so um die 100 000 Mark gekostet, und ich konnte mir natürlich keinen leisten." Stattdessen hat er eben Porsche-Modellautos gesammelt. 1500 Stück nennt er sein Eigen: "Der Kleinste ist fingernagelgroß, vielleicht 4 Millimeter, der größte ist ein Betonblumenkübel, etwa 80 Zentimeter lang."

Einen Oldtimer hatte er immer noch nicht. Irgendwann lernte Niegel den Hildener Uhrmacher mit dem alten Käfer kennen. "Wir waren gleich auf einer Wellenlänge, und ich erfuhr viel über ihn und den Wagen." Zahlreiche Reisen habe dessen Familie mit dem VW gemacht und er mochte sich nicht von dem Wagen trennen. "Der war perfekt vor der Witterung und sogar vor Motten geschützt." Einmal in Jahr habe der Mann den Wagen herausgeholt und alles geschmiert oder gesäubert. Erst 2006 trennte sich der bald 80-Jährige von seinem alten Schätzchen: "Er hat ihn mir geschenkt. Ich musste allerdings versprechen, ihn nie zu verkaufen und nie rot zu streichen." Markus Niegel ist stolz auf seinen Oldtimer, aber so richtig Spaß machen Hobbys nur, wenn man sie mit andern teilen kann: "Ich habe vor einigen Jahren angefangen, Besitzer alter Autos anzusprechen und zu fragen, ob sie nicht Lust zu regelmäßigen Treffen hätten". So entstand der VWBBL, dessen Mitglieder jetzt das "Luftboxertreffen" organisieren.

(RP)