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Hilden: Schützen fehlt Präses

Hilden : Schützen fehlt Präses

Sebastianer klagen über mangelnde Präsenz von Monsignore Ulrich Hennes. Gottesdienst in der evangelischen Reformationskirche.

Die St. Sebastianer Schützenbruderschaft ist der älteste Verein der Stadt (1484 gegründet). Schützen und katholische Kirche stehen sich traditionell besonders nah. Das zeigt sich auch daran, dass der Präses der St. Sebastianer, eine Art geistlicher Beistand, in der Regel der Leiter der katholischen Gemeinde ist.

Die Harmonie zwischen den Schützen und Pastor Monsignore Ulrich Hennes ist zurzeit getrübt. Hennes hat in diesem Jahr weder das Schützenfest noch den Schützenball, die beiden wichtigsten Veranstaltungen im Schützenjahr, besucht. Die Heilige Messe mit den St. Sebastianern fiel wegen des Eucharistischen Kongresses in Köln aus. Weil ein Schützenfest ohne Messe "nicht geht" (Erster Brudermeister Harald Biesgen), wichen die Sebastianer in die evangelische Reformationskirche aus — und waren anschließend sehr angetan.

"Pastor Ole Hergarten hat uns herzlich willkommen geheißen. Das ist sehr gut angekommen", berichtet Biesgen. So gut, dass der Vorstand jetzt darüber nachdenkt, künftig im Wechsel in einem Jahr die katholische Messe und im nächsten den evangelischen Gottesdienst zu besuchen.

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Hennes leitet seit 2006 die größte Pfarrei im Erzbistum Köln. Seit November 2012 ist er zusätzlich auch noch Kreisdechant und vertritt 190 000 Katholiken in der Region. Der Seelsorger und Gemeindemanager (Jahrgang 1962) trägt schwer auf beiden Schultern und hat einen vollen Terminkalender.

"Wir haben dafür Verständnis und versuchen damit klarzukommen", versichert der Erste Brudermeister. Auf die Dauer sei das aber kein Zustand. Für die Schützen gehöre ein Präses einfach dazu: "Deshalb sollte er uns auch mal zur Verfügung stehen — zumindest beim Schützenfest." Von "Knatsch" könne keine Rede sein, versichert Biesgen. Die Sebastianer hätten am Sonntag bei der Feier von Hennes Priesterjubiläum in St. Jacobus teilgenommen und ihrem Präses gratuliert.

Hennes selbst will zu all dem nichts sagen: "Ich möchte erst mal mit den Schützen sprechen." Pfarrer Ole Hergarten hatte die Schützen in den regulären Sonntagsgottesdienst am 9. Juni in die Reformationskirche eingeladen und dort begrüßt. Die Uniformen und Fahnen im Gotteshaus seien von der Gemeinde "sehr positiv" aufgenommen worden, berichtet der Pastor.

Er hatte verschieden konfessionelle Ehepaare eingeladen, gemeinsam am Abendmahl teilzunehmen. Hintergrund: Katholiken sind in der evangelischen Kirche zum Abendmahl eingeladen, umgekehrt (evangelische Christen zur katholischen Kommunion) nicht. "Ich habe bemerkt, wie einige Ehepaare sich darüber gefreut haben und wie gut ihnen das getan hat", berichtet Hergarten: "Das hat mich sehr bewegt." Die Teilnahme der Schützen am evangelischen Gottesdienst wertet er als "gutes ökumenisches Zeichen": "Ich hatte mit Pastor Hennes zuvor darüber gesprochen. Er war dafür sehr dankbar, weil es an diesem Sonntag keine Messe in Hilden gab."

(RP/rl)