Schülerfirma des Bonhoeffer-Gymnasiums handelt erfolgreich mit Kulis

Hilden : Schülerfirma handelt erfolgreich mit Kulis

Das Bonhoeffer-Gymnasium darf sich jetzt „Junior-Premium-Schule“ nennen, weil es seinen Neuntklässlern im Fach Wirtschaft regelmäßig Gelegenheit gibt, eigene Firmen zu gründen.

Ungewohnte Szene im Klassenraum: Statt Schulbücher liegen Bestelllisten, Stifte und Lötkolben auf den Tischen. Mehrere Schüler sitzen zusammen und brennen mit den Lötkolben Namen in Holzkulis. Es gilt, einen Großauftrag zu erfüllen: 50 Kugelschreiber hat eine Firma in München (Chefin ist die Tante eines Schülers) bestellt. Die Inhaberin lässt den Firmennamen auf den Stiften verewigen. 3,50 Euro kostet so ein individuell gestalteter Kuli.

„Die Geschäfte laufen gut“, erzählt Jan (14), den die Mitschüler zum Chef der Firma „Kullipersi“ gewählt haben. Wie viel Geld in der Kasse ist, weiß Justus, ebenfalls 14 und Finanzabteilungsleiter: „Es sind etwa 400 Euro.“ Dass er es nicht genauer weiß, liegt an Lehrerin Jessica Katstein, die die PIN-Nummer vom Konto der Schülerfirma gerade nicht dabei hat. Das erste Lot Kulis – 150 Stück – war in Windeseile verkauft, das zweite geht ebenfalls weg wie warme Semmeln.

„Unsere Schule nimmt seit einigen Jahren am Schülerfirmenprojekt „Junior“ des Deutschen Instituts für Wirtschaft (Köln) teil. Dieses Projekt findet immer im Wirtschaftskurs Klasse 9 statt. Aufgrund unseres Engagements hat das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Hilden kürzlich die Auszeichnung „Junior-Premium-Schule“ des DIW Köln erhalten“, erzählt die Sozialkundelehrerin. – Schulen, an denen fünfmal eine Schülerfirma gegründet und bis zum Schuljahrsende durchgezogen wird, erhalten diese Auszeichnung, die sich das Gymnasium in Form einer Plakette an die Eingangstür hängen kann. Wichtiger als die Plakette sind aber die praktischen Erfahrungen, die die Schüler in ihren Firmen machen. Jessica Katstein: „Ich bin nur beratend tätig. Welche Geschäftsidee die Schüler umsetzen, entscheiden sie demokratisch. Die beste Idee ist immer die, die ein Problem löst.“

Erfolgreich war die Idee, USB-Sticks und Hüllen zu vertreiben, die mit Namen versehen sind. „Hier in der Schule lagen früher regelmäßig herrenlose USB-Sticks herum, die niemandem zugeordnet werden konnten. Das ist jetzt vorbei.“ Eine andere Schülerfirma vertrieb Flaschen, die am schuleigenen Wasserspender gefüllt werden konnten. Wieder eine andere verkaufte Handyhüllen: „Davon hatte ich abgeraten, weil es allzu viele verschiedene Größen gibt. Die Schüler haben es trotzdem gemacht und waren damit mäßig erfolgreich.“

Die Kulis dagegen verkaufen sich bestens: „Wir haben an einer Messe für Schülerfirmen in Essen teilgenommen und waren dort mit 50 verkauften Kulis die erfolgreichste Schülerfirma“, freut sich die Fachlehrerin. „Unsere Kunden bestimmen, was draufsteht: Ihr Name, ein Spitzname, ein Spruch“, zählt Anne, die im Vorstand der Schülerfirma sitzt, auf. Für die Schüler ist die Firmengründung eine spannende Erfahrung: Sie müssen Startkapital auftreiben (Spenden der Eltern und anderer), einen Firmennamen finden, ein Gewerbe anmelden (in diesem Fall bei Junior), einkaufen, ein Auftrags- und ein Kassenbuch führen, Material beschaffen, Arbeit verteilen und ausführen, für ihr Produkt werben und es verkaufen. Alle teilnehmenden Schüler werden auf Abteilungen verteilt: Marketing, Verwaltung, Planung, Produktion, Finanzen. Katstein konnte 26 Teilnehmer aus drei neunten Klassen für den Wahl-Pflicht-Kurs Wirtschaft begeistern. „Sie lernen hier Teamarbeit, entscheiden demokratisch und einige sind so engagiert, dass sie freiwillig nach Schulschluss hier bleiben, um ihre Aufträge abzuarbeiten.“ Finanzchef Justus, der auch schon „Überstunden“ gemacht hat, schwärmt: „Man hat Verantwortung. Das macht Spaß und ist mal was ganz anderes als Unterricht.“ Und Jan, der Chef (und Klassensprecher der 9c) berichtet: „Ich wurde in Essen interviewt und war dann auch im Radio.“ Zum Schuljahrsende muss die Firma abgewickelt werden. Das erwirtschaftete Kapital wird dann entweder für einen guten Zweck gespendet oder in ein Gruppenerlebnis gesteckt. Die meisten Schülerfirmen haben einen Teil für sich abgezweigt, etwa um zusammen Kart zu fahren und den großen Rest gespendet. In der Vergangenheit wurden unter anderem das SOS-Kinderdorf in Düsseldorf und das Friedensdorf in Oberhausen bedacht.