1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Schüler-Stadtrat ruft Klimanotstand aus

Hilden : Schüler-Stadtrat ruft Klimanotstand aus

Bei einem Kommunalpolitischen Praktikum haben 25 Schüler rund eine Woche erfahren, wie in Hilden Politik gemacht wird.

Die noch sehr junge Bürgermeisterin Franziska bittet David (15), Fraktionsvorsitzender der CDU, den Antrag seiner Partei vorzustellen. Er geht nach vorne. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. „Wir als CDU sind gegen die Ausrufung des Klimanotstandes“, verkündet er. Dafür erntet er Applaus von seinen Parteifreunden, während die anderen Politiker den Kopf schütteln.

Die Bürgermeisterin eröffnet nun die Debatte. Zuerst verläuft die Diskussion im Sitzungssaal noch schleppend, doch dann gehen immer mehr Finger nach oben. Bürgermeisterin Franziska muss die Fraktionsmitglieder beruhigen. Denn die stehen voll und ganz hinter ihrer Position. Immer wieder versuchen sie, die Argumente der Gegenseite zu entkräften. Jede Fraktion will eine Mehrheit erreichen. Dann wird abgestimmt. Der CDU-Antrag bekommt keine Mehrheit und wird abgelehnt. David kann am Ende  die anderen nicht überzeugen.

Er und 22 andere Jugendliche aus der achten bis elften Klasse nehmen gut eine Woche an einem Kommunalpolitischen Praktikum teil. „Das Ziel ist, dass die Schüler verstehen, wie Politik in einer Stadt funktioniert“, erklärt Andrea Nowak, Betreuerin des Jugendparlaments.

„Politik interessiert mich. Ich wollte erfahren, wie Kommunalpolitik aussieht“, sagt Melina (15). Deshalb habe sie sich bei dem Projekt angemeldet. Davon erfahren habe sie, weil Andrea Nowak zu ihr in die Schule gekommen ist, und von diesem Praktikum erzählt hat.

Am ersten Tag des Praktikums haben die Teilnehmer bereits die echten Kommunalpolitiker der Stadt Hilden getroffen und durften ihnen Fragen stellen, erzählt David. Am Donnerstag startete dann das Planspiel im Sitzungssaal des Bürgerhauses, da, wo auch die echten Politiker immer tagen. Die Teilnehmer werden in Fraktionen eingeteilt. In diesen politischen Gruppen diskutieren sie, bilden sich eine Meinung zu einem Thema, und versuchen für ihre Überzeugungen eine Mehrheit zu finden, erklärt Andrea Nowak.

Das geht nie ohne Kompromiss. Dabei können sie zwischen CDU, SPD, FDP und den Grünen wählen. „Ich habe mich für die CDU entschieden, weil ich ihren Standpunkt vertrete“, sagt David. Ihm macht das ganze Projekt sichtlich Spaß. Darum sei er, genau wie die meisten Teilnehmer, schon zum zweiten Mal dabei. „Politik ist viel mehr Kleinarbeit als ich gedacht habe“, berichtet er. Und auch Sofie (14) hat sich Politik nicht so mühsam vorgestellt: „Die Interaktion mit den anderen Fraktionen ist anstrengend. Die Kompromisse gehen mit langen Verhandlungen einher“, berichtet die stellvertretende Vorsitzende der Grünen. Aber sie habe auch gelernt, dass Kompromisse nur funktionieren, wenn jeder von seinem Ziel abweicht. „Und wenn es immer nur die gleichen Themen und Meinungen geben würde, wäre es langweilig“, ergänzt David.

Die Schüler haben bei dem Planspiel vor allem eins gelernt: In der Demokratie setzt sich die Mehrheit durch. Das ist für die Minderheit nicht immer einfach auszuhalten. „Es gibt immer einen Gewinner und einen Verlierer“, erklärt Bürgermeisterin Birgit Alkenings. Und bei jeder Abstimmung manchmal neue Mehrheiten.

Am Ende sind aber alle zufrieden mit dem Planspiel. Einige mehr, andere weniger. Wie in der echten Kommunalpolitik. „Für mich war es schwierig, sich mit der Rolle zu identifizieren. Ich vertrete diese Position nicht wirklich“, berichtet ein Mädchen. Jonas von den Grünen ist hingegen sehr zufrieden: „Wir haben eine Mehrheit bekommen. Das ist schön.“ Auch Bürgermeisterin Birgit Alkenings lobt die Schüler: „Ihr habt super diskutiert und ward sehr diszipliniert.“ Einige der Teilnehmer könnten sich vorstellen, später selber einmal ehrenamtlich Politik zu machen. Und das Ziel, das die Schüler mit Spaß die Politik verstehen, wurde auch erreicht.

Für die Schüler war der Klimanotstand ein (Plan-)Spiel: Die Hildener Stadtverordneten müssen sich mit diesem kontroversen Thema demnächst beschäftigen. Ihnen liegt en Bürgerantrag vor. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Hilden hat ebenfalls einen Bürgerantrag gestellt. Er fordert die Politik auf, sofort mit Klimaschutz zu beginnen (der Stadtrat hatte das Thema auf den Herbst vertagt). Mehr als 100 Bürger hätten diesen Antrag unterschrieben.