Hilden: Schlüsseldienst heftet sich an viele Türen

Hilden: Schlüsseldienst heftet sich an viele Türen

Plötzlich war er da - ein kleiner Aufkleber unter dem Schlüsselloch zur Haustür der RP-Redaktion an der Schulstraße 13: "Schlüsseldienst 24 Stunden 0170 7050960". Da hat der Hauswirt wohl Vorsorge getroffen, dachten wir uns.

Man muss schon genau hinschauen, um die kleinen Aufkleber zu entdecken. Sie sind so angebracht, dass sie wie ein Teil der Klingelanlage (oder des Eingangs) erscheinen. Auch an der Tür zu den Seniorenwohnungen der katholischen Gemeinde neben St. Jacobus (Mittelstraße 12) klebt ein Aufkleber: "Hausschlüsseldienst 0174/2742690" steht darauf. Dadurch wird der Eindruck erweckt, dass es sich um eine Information handelt, die dort hingehört.

Der Eingang der Seniorenwohnanlage neben St. Jacobus. Foto: cis

Tatsächlich handelt es sich aber um Werbung. Ob die betagten Bewohner das auch verstehen? Wer die Nummer 0170 7050960 wählt, landet in einem Callcenter. Dort meldet sich der Mitarbeiter mit "Schlüsseldienst" - ohne seinen Namen oder den seiner Firma zu nennen. In 30 Minuten könne ein Monteur da sein. Was kostet das? Antwort: Das entscheide der Monteur vor Ort. Erst durch hartnäckiges Nachfragen erfahren wir schließlich: Für jede angefangene 15 Minuten werden 19,90 Euro berechnet.

Dazu kommt noch eine Pauschale von 43 Euro. Im Internet gibt es Kommentar zu der Mobilfunknummer. Positive - "Seriöser Schlüsseldienst", "Zu empfehlen" und ebenso viele negative: "verrufene Firma", "Bewertungen sind nicht echt", "schlimme Abzocke". "Unseriöse Schlüsseldienste sind ein Dauerbrenner", sagt Carolin Semmler, Rechtsanwältin der Verbraucherszentrale NRW: "Häufig werden überhöhte Rechnungen gestellt und die Kunden an der Haustür überrumpelt.

Der Monteur öffnet etwa die Tür und tauscht dann das Schloss aus, obwohl das gar nicht nötig wäre." Sie rät: in Ruhe einen seriösen Schlüsseldienst am Wohnort aussuchen, die Preise checken und dann die Nnummer für den Notfall zur Hand zu haben. Die Aufkleber an den Haustüren seien nichts anderes als Werbung: "Die ist grundsätzlich nicht verboten. Man kann ein Schild (keine Werbung) anbringen. Wenn dagegen verstoßen wird, sollen Verbraucher das Unternehmen auffordern, die Werbung künftig zu unterlassen.

Rechtlich steht ihnen ein Unterlassungsanspruch zu." Auch auf dem Klingelschild des katholischen Sozialdienstes an der Kirchhofstraße klebt auch ein Schlüsseldienst. "Das habe ich noch gar nicht mitbekommen", sagt SKFM-Geschäftsführer Hubert Bader: "Im Notfall würden wir einen bestimmten Schlüsseldienst rufen. Aber ich weiß nicht, ob alle unsere Mitarbeiter das wissen." Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft WGH hat einen seriösen Schlüsseldienst engagiert.

"Unsere 202 Mieter wissen das", sagt Geschäftsführer Manteuffel.

(cis)