Schafe pflegen die Hildener Heide

Moorschnucken betreiben Landschaftspflege : Schafe pflegen die Heide

Franz Eikermann lässt seine rund 400 Moorschnucken und Ziegen im Auftrag des Naturschutzes grasen. Sie erhalten damit eine alte Kulturlandschaft, die sonst verschwinden würde.

„Schäfer ist man nur mit Herz“, sagt Schäfer Franz Eikermann (62). Er zieht immer wieder mit seiner „Wanderschafherde“ durch die Ohligser Heide, Hildener Heide und das Further Moor. Denn seine rund 400 Moorschnucken betreiben Landschaftspflege. Sie vertilgen die Gräser und halten die Wiesen so kurz. Ohne sie würde die Heide verbuschen und innerhalb weniger Jahre zu einem Wald heranwachsen. Das hätte das Ende für die einzigartige Flora und Fauna der Heiden zur Folge. Die regelmäßige Beweidung garantiere allerdings den Erhalt der Heide. Da das Land buckelig und uneben sei, wäre es nicht möglich, die Heide mechanisch kurz zu schneiden. Der Schäfer und seine Herde sind also regelmäßig unterwegs, um die Kulturlandschaft zu erhalten.

Auch die Städte Solingen, Hilden und Langenfeld setzen sich für den Erhalt der Heiden ein. Darum wird der Schäfer auch für seine Arbeit bezahlt. „Ohne diese Entlohnung wäre der Erhalt der Schäferei nicht möglich“ sagt er. Würde Eikermann die Tiere schlachten, würde er pro Tier nur 30 Euro erhalten. Da lässt er sie lieber als Rasenmäher auf vier Beinen arbeiten: „Ich liebe die Tiere einfach.“

Der 62-jährige betreibt schon seit 45 Jahren Schäferei. Schon sein Vater und Großvater seien Schäfer gewesen. Darum sei für Eikermann schon früh klar gewesen, dass er eine zweijährige Lehre als Schäfer macht, in der er alles über Moorschnucken und Ziegen gelernt hat. „Aber man lernt nie aus“, berichtet der Schäfer. Immer wenn er bei Geburten der Tiere hilft, verletzte Tiere einfängt oder sie schert, lerne er dazu. Natürlich muss er auch seine Hütehunde versorgen. Die bildet er sogar selber aus.

Diese Ausbildung dauert ein Jahr. „Ich muss mich auf meinen Hund verlassen können und kann ihn nicht fünfmal rufen, bis er mein Kommando ausführt“, sagt er. Der Hütehund wird täglich trainiert, wenn er mit den Moorschnucken zusammen ist. Zur Zeit steht dem Schäfer nur sein Hund „Max“ zur Seite. Tagsüber passt dieser auf die Herde auf, die frei über die Wiesen trabt. Nachts befinden sich die Tiere aber in einem eingezäunten Pferch.

Die Tiere sind bei Wind und Wetter draußen. Nur bei starkem Schnee und Minusgraden stehen sie in einem Stall in Heinsberg. Aber genauso wie den Menschen macht auch den Moorschnucken das Klima zu schaffen. „Sie fressen weniger als sonst“, berichtet Eikermann. „Und für den Hund muss ich immer Wasser mitnehmen.“ Das sei sogar anstrengender, als bei Regen unterwegs zu sein.

Das größte Problem für den Schäfer sind allerdings freilaufende Hunde. Sie jagen die Schnucken. Einige Tiere seien sogar schon totgebissen worden. Das bricht Schäfer Franz Eikermann jedes Mal das Herz. Viele Stadtmenschen wüssten einfach zu wenig über Schafe. Zum Beispiel hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Schafe dumm seien. „So ein Blödsinn“, meint der Schäfer. Die Tiere wüssten genau, welcher Hütehund sie zwickt und welcher nicht. „Die lieben Hunde behandeln sie dann respektlos“, erklärt Eikermann lachend. Wenn Fremde auf Schafe zugehen, weichen diese sofort zurück. Und auch den Weg kennen die Tiere ganz genau. Den Wechsel von Heide zu Heide legt der Schäfer mit seiner Herde immer zu Fuß zurück. „Wenn man an einer Ecke immer rechts geht, gehen die Schafe auch rechts.“ berichtet er.

Moorschnucken sind die idealen Landschaftspfleger, weil sie fast alles fressen. Auch Büsche und Bäume. So erhalten sie die offene Heidelandschaft.

Info Die Moorschnucken stammen ursprünglich aus den Moorgebieten Niedersachsen. Im Jahr 1936 lebten noch rund 94 Prozent des Gesamtbestandes in diesem Gebiet. Moorschnucken werden oft auf Heiden eingesetzt. Denn sie können, im Gegensatz zu anderen Schafarten, auch Büsche und Sträucher problemlos fressen und verdauen.

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