Hilden: Rote Karte für "Felgenquetscher"

Hilden: Rote Karte für "Felgenquetscher"

Bürgermeister Horst Thiele erläutert die geplante Fahrradabstellplatzsatzung.

Dem Hildener Stadtrat liegt am Mittwoch der Entwurf einer Fahrrradabstellplatzssatzung zur Beschlussfassung vor. Horst Thiele, Bürgermeister und Baudezernent in Personalunion, erläutert im Gespräch mit RP-Redaktionsleiterin Barbara Jakoby deren Sinn und Zweck.

Herr Thiele, wer ein Gebäude errichtet, muss nach einem bestimmten Schlüssel Parkplätze vorhalten. Soll das künftig auch für Fahrradabstellanlagen gelten?

Thiele Das gilt schon heute, denn in der Landesbauordnung ist bereits geregelt, dass bei einem Neubau hinreichend Fahrradabstellplätze für Mieter oder Eigentümer, darüber hinaus aber für Besucher eingerichtet werden müssen. Dafür sind Richtzahlen festgelegt.

Haben Sie ein Beispiel?

Thiele Bei einem Wohngebäude ab drei Wohneinheiten muss mindestens ein Stellplatz je 30 Quadratmeter Wohnfläche vorgehalten werden, mindestens zwei davon für Besucher. Bei Sporthallen mit Besucherplätzen ist es ein Stellplatz je 50 Quadratmeter Hallenfläche. Das sind Richtwerte der Landesbauordnung, die im Einzelfall modifiziert werden können.

Wenn doch die Bauordnung schon alles vorgibt, warum braucht man dann noch eine spezielle Hildener Fahrradabstellplatzsatzung?

Thiele Die Initiative geht auf einen Antrag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zurück, der berücksichtigt, dass Hilden eine besonders radfahrerfreundliche Stadt ist. Verkehrszählungen belegen, dass viele Hildener das Rad als Alltagsverkehrsmittel nutzen. Mit der Satzung wollen wir den Standard und den Standort der Abstellanlagen klarer definieren, als es die Landesbauordnung tut.

Welchen Standard wollen Sie setzen?

Thiele Die Landesbauordnung lässt auch die weit verbreiteten so genannten "Felgenquetscher" (lacht) zu, bei denen die Räder leicht beschädigt werden. Wir wollen standfeste Fahrradständer, in denen das Rad nicht umkippt, wenn es mit einer Einkaufstasche beladen wird, oder wenn ein Kind in den Kindersitz gesetzt wird. Dazu sind zum Beispiel Mindestabstände zwischen den Ständern erforderlich. Außerdem müssen sie Vorrichtungen enthalten, an denen man das Rad anschließen kann.

Also das an öffentlichen Plätzen favorisierte und bewährte "Hildener Modelle"?

Thiele Das wäre ein gute Möglichkeit, aber wir werden nicht konkret vorschreiben, welches Modell oder Fabrikat verwendet werden soll.

Und was wollen Sie bei den Standorten verbessern?

Thiele Wir wollen künftig keine Fahrradständer mehr in dunklen Ecken, die nicht einsehbar sind. Räder sollen vielmehr künftig an Orten abgestellt werden können, an denen sich ihre Benutzer sicher fühlen und an denen es Dieben schwer fällt, ein Fahrrad zu klauen.

Ab wann soll die Satzung gelten?

Thiele Die Satzung soll im gesamten Stadtgebiet gelten. Allerdings nur für frei zugängliche Fahrradabstellplätze. Abschließbare Abstellmöglichkeiten sind von der Satzung nicht betroffen. Wenn der Rat die Satzung verabschiedet, könnte sie noch im April in Kraft treten. Sie gilt nur für künftige Bauvorhaben.

Künftige Bauherren könnten davon nicht begeistert sein. . .

Thiele Ich glaube nicht, dass es damit Probleme geben wird. Die Investoren müssen ja nach der Bauordnung ohnehin Fahrradabstellanlagen bauen. Nach der neuen Satzung werden sie nur etwas aufwändiger. Aber wir reden nicht über Beträge, die den Investoren die Luft abdreht.

(RP)
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