Reihe "Anstoß": Vortrag in Hilden über sexuelle Gewalt

Hilden : Sexuelle Gewalt: Jeder sollte aufmerksam sein

Über Präventionsmechanismen im Erzbistum Köln gegen sexuelle Gewalt referierte Gemeindereferentin Ulrike Peters im Rahmen der Vortragsreihe „Anstoß“ in der Hildener Stadtbücherei. Besonders pikant: Derzeit läuft dazu ein Verfahren gegen den früheren Hildener Pfarrer Ulrich Hennes, zu dem aber ausdrücklich kein Bezug genommen wurde.

„Unser heutiger Anstoß-Vortrag ist ein etwas schwierigeres Thema“, bemerkte Gisela Lenz, Koordinatorin der Vortragsreihe, einer Initiative der Katholischen Kirche Hilden in Kooperation mit der Stadtbücherei und der Volkshochschule Hilden-Haan, gleich zu Beginn des Abends. Allen der 30 Teilnehmer, die vielleicht gekommen waren, um über eine bessere Prävention im Fall Hennes zu erfahren, nahm Lenz von Anfang an den Wind aus den Segeln: „Zur aktuellen Berichterstattung werden wir keine Stellung nehmen. Es ist ein laufender Prozess. Wir wollen uns nicht an Spekulationen und Gerüchten beteiligen.“

Wie bereits berichtet, wird Ulrich Hennes, der zwischen 2006 und 2015 Pfarrer in Hilden war, vorgeworfen, im Jahr 2012 einen erwachsenen Praktikanten sexuell belästigt zu haben. Der mittlerweile in Düsseldorf als Stadtdechant tätige Theologe wurde daraufhin vom Erzbischof Kardinal Woelki beurlaubt. Hennes beteuert seine Unschuld.

„Wir sind betroffen und erschüttert, was wir in letzter Zeit in den Medien hören mussten“, führte Lenz in das komplexe Thema ein. Um Aufarbeitung von Fällen, betonte die Koordinatorin, gehe es aber an diesem Abend nicht. Vielmehr darum, „was wir vor Ort tun können, damit solche Fälle nicht passieren.“

Ulrike Peters präsentierte zunächst einige Zahlen – 11.500 Fälle von sexualisierter Gewalt wurden 2017 zur Anzeige gebracht, doch das Dunkelfeld wird 20mal höher geschätzt – ehe sie die Präventionsmechanismen vorstellte. Trotz eines riesigen Konstrukts an Beratungs- und Meldestellen, Schulungen und Prüforganen blieb am Ende die Quintessenz: Jeder solle aufmerksam sein und bei Verdacht die Kette in Gang setzen.  

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