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Hilden/Haan: Raucherkneipen müssen sich umstellen

Hilden/Haan : Raucherkneipen müssen sich umstellen

Ab dem 1. Mai darf nur noch draußen geraucht werden. Gäste sind verärgert, Wirte befürchten Umsatzrückgänge.

Dietrich Brandt raucht seit 43 Jahren. "Mit 13 habe ich angefangen", erzählt der Hildener mit einem Bier in der Hand an der Theke des Brauereiausschanks Alter Markt. Er ist gerne Gast in der Raucherkneipe. Was ihn jedoch ab dem 1. Mai erwartet, ärgert ihn. "Dann muss ich mit der ganzen Bande hier raus und vor der Tür rauchen."

Er werde weiterhin kommen, sagt Brandt. "Aber in der Zeit, in der wir draußen stehen, trinken wir natürlich weniger." Dem stimmt Thekennachbar Dirk-Udo Kapellusch zu. "Das neue Gesetz ist eine böse Art der Bevormundung", findet er. Wegen einer Krankheit habe er vor drei Jahren aufgehört zu rauchen. "Aber es stört mich nicht, wenn andere rauchen."

Ab dem 1. Mai gilt das geänderte Nichtraucherschutzgesetz NRW, das das Rauchen unter anderem in Gaststätten, Diskotheken, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie in Volksfestzelten verbietet. Norbert Röhner, Inhaber der Kneipe am Alten Markt, rechnet dadurch mit einem Umsatzrückgang von 40 Prozent. "Im Sommer wird es weniger ein Problem sein als im Winter", sagt er. Seine Gäste schimpften fast alle über die neue Regelung. Die Nichtraucherzimmer im Schieferhaus würden wenig genutzt, ergänzt seine Mitarbeiterin Helga Seiler. Besonders vorbereiten müsse man sich auf den 1. Mai nicht. "Wir stellen nur die Aschenbecher nach draußen — und Heizstrahler." Für letztere müsse man 35 Euro pro Gasflasche rechnen, die bei Vollauslastung zwei Tage reiche.

Stammgast Uwe Gehlhaar aus Langenfeld überlegt, ob er künftig noch kommen wird. "Rauchen gehört zur Kneipenkultur und zu Volksfesten dazu", erklärt der 46-Jährige. "Ich bin selbst im Schützenverein. Wie das werden wird, habe ich auf dem Düsseldorfer Weihnachtsmarkt gesehen: Es macht keinen Spaß, bei Regen und Wind draußen zu rauchen. Vielleicht kommt ja jetzt wieder die Zeit der Partykeller, wo man sich mit einem Fässchen Bier privat trifft."

Pascal Marquigny vom Vorstand des deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sieht ebenfalls schwierige Zeiten insbesondere auf Eckkneipen zukommen. "In Restaurants hat es sich mittlerweile etabliert, nicht zu rauchen", sagt der Geschäftsführer des Haaner City Class Hotels Savoy. In Kneipen dagegen noch nicht überall. Und durch das Draußen-Rauchen und den damit verbundenen Lärm gebe es schnell Ärger mit Anwohnern.

Trotzdem sieht Christian Jäger, Dehoga-Geschäftsführer für den Kreis Mettmann noch nicht Hopfen und Malz verloren. "Kneipe ist mehr als Bier und Zigaretten", meint er. Sie sei ein gesellschaftlicher Treffpunkt. Und genau das müsse weiter gefördert werden. "Neun von zehn Kneipengästen sind Raucher", berichtet Jäger. "Dabei rauchen nur 30 Prozent der Bevölkerung."

Um weiterhin rentabel zu wirtschaften, müssten die Kneipen versuchen, mehr Nichtraucher anzulocken. "Zum Beispiel durch ein moderneres Erscheinungsbild, durch ein geändertes Getränkeangebot — der Bierkonsum ist seit Jahren rückläufig, die Leute trinken mehr Mischgetränke — oder durch gemeinsames ,Tatort'-Gucken." Alles Dinge, die mit wenig Geld umzusetzen seien und die man den Wirten des Kreises Mettmann bei der Hauptversammlung nächste Woche (19. April, 15 Uhr, im "Raphael's") in Monheim vorstellen wolle.

Der Bürgerverein Hilden Süd hat übrigens Glück: Sein Frühlingsfest findet am letzten April-Wochenende statt — also knapp vor dem 1. Mai. "Da darf noch im Zelt geraucht werden", sagt Vorsitzender Jörg Owsianowski. "Nächstes Jahr müssen wir dann umdenken."

Hier geht es zur Infostrecke: Das bringt die Nichtraucherschutz-Novelle

(RP/rl/EW)