Hilden: Ratten auf dem Vormarsch

Hilden : Ratten auf dem Vormarsch

Der milde Winter 2006/07 hat die Fortpflanzung der Nager begünstigt. In Hilden, in der Nähe zur Itter, finden sie ideale Bedingungen zur Futteraufnahme vor. Jeden Freitag rückt der Schädlingsbekämpfer aus.

An die Überlegenheit der Gattung Mensch glaubt Bärbel Holl schon lange nicht mehr. Die Geschäftsführerin von "besto hygienica" hat täglich mit den Überlebenskünstlern zu tun: "Ratten passen sogar ihre Familienplanung an die Witterung an: Normalerweise werfen sie jährlich viermal, sind die Temperaturen günstig, können es sechs Würfe werden", erklärt die Schädlingsexpertin. Und dank des milden Winters 2006/07 kamen viele Jungtiere durch. Die Folge: Dem Ordnungsamt der Stadt Hilden wurden bis September 122 Begegnungen mit Ratten gemeldet, im Vergleichszeitraum des Jahres 2006 waren es nur 71, berichtet Daniel Beier, stellvertretender Amtsleiter.

"Dieses Jahr sind es sehr viele", bestätigt Wolfram Reichertz von der vom Kreis beauftragten Schädlingsbekämpfungsfirma Firma Bastex. Jeden Freitag legt er in Hilden Köder mit dem Gerinnungshemmenden Gift in den Kanalschächten und an den Läufen von Kniebach und Itter aus.

In der Hildener Innenstadt fänden die Ratten ideale Bedingungen zur Nahrungsaufnahme vor, sagt der Außendienstmitarbeiter und meint die Nähe von Wasser, dem Rückzugsraum Gebüsch und der Fußgängerzone mit ihrer Außengastronomie. "Da bleiben immer jede Menge Abfälle liegen", sagt Reichertz. Überhaupt sei es oft menschliches Fehlverhalten, das die Ratten anziehe, meint Bärbel Holl. "Es wird einfach zu viel auf die Straße geworfen." Und sie bemängelt, dass die öffentlichen Abfallbehälter zu klein und für die Nager zugänglich sind. Sie setzt auf präventives Vorgehen: "Früher wurden Ratten großräumiger und regelmäßiger bekämpft". Heute hätten sich die Nager an ihren einzigen Feind, den Menschen, so gewöhnt, dass sie zunehmend dreister und frecher würden.

(RP)
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