Provozierte Unfälle werden zum Verkehrsproblem

Unfall-Ärger in Hilden : Provozierte Unfälle werden zum Verkehrsproblem

Jeder zehnte Autounfall wird absichtlich herbeigeführt, um Versicherungsleistungen zu kassieren. Einem 75-jährigen Hildener wird diese Statistik jedoch vermutlich nicht helfen.

Ein 75-jähriger Autofahrer aus Hilden ist den Führerschein los – obwohl er sich nie etwas im Straßenverkehr hat zu Schulden kommen lassen (wir berichteten). Der Verdacht, Opfer einer Bande geworden zu sein, die ihn in eine Falle lockte, treibt den Mann seither um.

Sein Unfallgegner – ein junger Mann, der nach Schilderung des 75-jährigen Hildeners gegen sein Auto getreten hatte, dann urplötzlich Zeugen heranschaffte und behauptete, angefahren worden zu sein, hat vermutlich gute Karten, vor Gericht sogar Schmerzensgeld geltend machen zu können.

Jeder zehnte Autounfall wird absichtlich herbeigeführt, um Versicherungsleistungen zu kassieren. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weisen Unfälle in dieser Größenordnung Anzeichen einer Manipulation auf.

Die Folgen für die Opfer provozierter Unfälle können gravierend sein, betont der GDV. Abgesehen von Verletzungen, die die Täter billigend in Kauf nehmen, drohen Punkte in Flensburg und bei der Kfz-Haftpflichtversicherung eine Hochstufung in der Schadenfreiheitsklasse. Fahranfänger müssen womöglich zur Nachschulung, Senioren wie der Hildener zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU).

Einen deutlichen Beweis für Manipulationen können sogenannte „Dashcams“ liefern – kleine Kameras, die aus dem Auto heraus Unfalllhergänge dokumentieren. Doch selbst das bietet keine Sicherheit, wie ADAC-Verkehrsreferent Martin Langliz betont: „Die Gesetzeslage sieht so aus, dass der dauerhafte Betrieb einer solchen Kamera aus Datenschutzgründen nicht gestattet ist“, berichtet der Fachmann. Mit seiner Meinung dazu hält er nicht hinterm Berg: „Unsinn. Im Umkehrschluss würde das bedeuten – man darf die Kamera erst einschalten, wenn man vermutet, die Verkehrssituation könne in einen provozierten Unfall münden“, sagt Langlitz:

Zu den Abwehrmitteln der Versicherer gehört das Hinweis- und Informationssystem (HIS). Dort lässt sich feststellen, ob mit einem Auto schon mehrfach Unfälle ohne fachmännische Reparatur abgerechnet worden sind. Im Verdachtsfall beauftragen Versicherer sogar Detektive, um den Unfall genauer unter die Lupe zu nehmen.

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