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Markus Reinders: Profi-Hilfe für den Kiebitz und die Feldlerche

Markus Reinders : Profi-Hilfe für den Kiebitz und die Feldlerche

Kiebitz und Feldlerche sind gefährdete Tierarten. Weil sie auf dem Gebiet des Technologieparks in Gruiten gebrütet haben, ist die Stadt zu Artenschutzmaßnahmen verpflichtet. Um die Umsetzung kümmert sich die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.

Warum hat sich die Stadt Haan an Sie gewendet?

Markus Reinders (41) ist Agraringenieur und leitet die Zweigstelle Niederrhein, die auch für den Kreis Mettmann zuständig ist. Foto: Stiftung Rheinische Kulturlandschaft/Martina Goyert

Reinders Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft ist eine eigenständige Naturschutzstiftung und wurde vor zehn Jahren vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gegründet. Wir vermitteln dabei, Landwirte dafür zu gewinnen, Naturschutzmaßnahmen umzusetzen, und betreuen diese dann.

Wie helfen Sie jetzt Kiebitz und Feldlerche?

Reinders Wir haben im Auftrag der Stadt Haan Ausgleichsflächen gesucht, auf denen sie brüten können, wenn der Technologiepark zugebaut ist. Und zwar nicht nur für Kiebitz und Feldlerche, sondern auch für die Schafstelze. Ein Gutachter hatte bereits geeignete Flächen identifiziert. Ein Kiebitz will zum Beispiel nicht im Wald oder in einer Kuhle brüten, sondern möglichst auf einem Plateau. Also haben wir die Landwirte mit entsprechenden Flächen in und um Haan gefragt, ob sie diese für den Artenschutz zur Verfügung stellen und auch betreuen. In der Elp und im nördlichen Diepensiepen haben wir welche gefunden und sind sehr froh, dass sie von den Zugvögeln angenommen werden.

Was bedeutet das für die Bauern?

Reinders Dass sie die Fläche nicht oder nur gering bewirtschaften dürfen. Dafür bekommen sie eine Entschädigung, die nach dem durchschnittlichen Ertrag der Fläche bemessen ist.

Schreien da nicht alle: "Hier!", weil sie dadurch ein gesichertes Einkommen haben, unabhängig davon, ob ein Sommer gut oder schlecht ist?

Reinders Nein, das ist leider nicht der Fall, aber es gibt genug, die Ja sagen. Grundsätzlich ist die Bereitschaft da, trotzdem kann man sie nicht von jedem verlangen. Denn es ist ja ein Eingriff in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit, wenn ein Landwirt bestimmte Flächen für mehrere Jahre nahezu brach liegen lassen muss. Wir bemühen uns deshalb grundsätzlich, solche Flächen zu nehmen, die nicht höchst produktiv sind, also eher trockene, feuchte, sehr kleine oder für landwirtschaftliche Maschinen ungünstig zu erreichende Standorte. Diese sind aus ökologischer Sicht in der Regel wertvoller.

Wer finanziert die Entschädigung der Bauern?

Reinders Derjenige, der die ökologische Ausgleichsmaßnahme machen muss. In diesem Fall die Stadt Haan.

Um welche Tiere kümmern Sie sich beim Artenschutz?

Reinders Es gibt 75 bedrohte Tierarten in NRW. Bei der Ausweisung von Gewerbegebieten sind am häufigsten Feldvögel betroffen, weil es sich ja in der Regel um offene Flächen handelt und man Gewerbegebiete selten in einen Wald hinein legt. Darüber hinaus sind auch andere Arten wie Kreuzkröten oder Zauneidechsen betroffen.

Und für jede Tierart gibt es eine eigene Maßnahme?

Reinders Ja. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW hat genau festgelegt, was für welche Tierart zu machen ist und wie weit Ausgleichsmaßnahmen vom jetzigen Standort, also dem Baugebiet, entfernt sein dürfen. Feldvögel brauchen zum Beispiel große Flächen zum Brüten, Kreuzkröten Tümpel und Zauneidechsen Balken und Äste, zwischen denen sie sich verstecken können, sowie ein paar sonnige Plätze. Ein Kiebitz ist zwar standorttreu, aber auch bereit, ein paar Kilometer im Umkreis nach einem geeigneten Nistplatz zu suchen. Ein Rebhuhn zieht nur etwa 500 bis 1000 Meter weiter. Und Zauneidechsen müssen von Hand umgesiedelt werden.

Welche Maßnahmen haben Sie im Kreis Mettmann umgesetzt?

Reinders In Mettmann haben wir eine Kompensationsmaßnahme für eine Gasleitung umgesetzt. Da ging es aber nicht um Artenschutz, sondern um Landschaftsschutz. Grundsätzlich kann sich jede Kommune an uns wenden.

Und wie viele Maßnahmen waren es bisher insgesamt?

Reinders Im Rheinland etwa 150 in den vergangenen zehn Jahren. Die größte war mit 90 Hektar in Aachen, davon etwa zehn Hektar für den Steinkauz. Er braucht kurzgrasiges Grünland mit Obstbäumen als Jagdrevier. Außerdem gehörte extensiver Ackerbau als Ausgleichsmaßnahme dazu. Die kleinste war für Turmfalken. Da haben wir drei Ersatznistplätze geschaffen und betreut. Wir kümmern uns aber auch um Ausgleichsmaßnahmen nach Landschaftsgesetz (LG), Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und Baugesetzbuch (BG).

Wie teuer ist so etwas?

Reinders Das ist sehr unterschiedlich. Einen kleinen Tümpel für eine Kreuzkröte anzulegen ist natürlich billiger, als vier Hektar Ackerland für den Kiebitz brach liegen zu lassen. Und zwar auf Dauer. Denn artenschutzrechtliche Maßnahmen sind in der Regel unbefristet anzulegen.

Wer überprüft den Erfolg?

Reinders Wir kontrollieren regelmäßig unsere Maßnahmenflächen; allerdings ist die Natur nicht immer berechenbar. In Haan gibt es außerdem ein Monitoring durch einen unabhängigen Ornithologen. Wir sind dankbar für alle Beobachtungen, auch durch ehrenamtliche Naturschützer vor Ort. Grundsätzlich sind sowohl Landwirte als auch Naturschützer sehr kooperativ. In Haan hat der Landwirt beispielsweise darauf verzichtet, die Ackerfläche zum vereinbarten Zeitpunkt wieder zu nutzen, weil der letzte Winter so lang war. Das hat Erfolg gezeigt.

SUSANNE GENATH STELLTE DIE FRAGEN

(RP)