Privates Elektro-Museum aus Hilden geht nach Recklinghausen

Hilden : Elektro-Museum geht nach Recklinghausen

In mehr als 40 Jahren hat Günter Rateike über 1000 Exponate gesammelt. Die Stadt Hilden habe kein Interesse gehabt, die private Sammlung zu übernehmen. Der 82-Jährige hat er seine Kollektion jetzt dem Museum Umspannwerk Recklinghausen geschenkt.

Günter Rateike hat ein Faible für elektrische Geräte. Auch wenn sie ausgedient haben: Er konnte sie einfach nicht wegwerfen. Über 40 Jahre hat der Elektromeister gesammelt: vom original Gong des Alhambra-Kinos in Hilden über das „Tefifon“ (Tonband und Schallplatten-Spieler), elektrische Schreibmaschinen von Mercedes oder Staubsauger mit Mixer-Aufsatz. Über 1000 Exponate trug er zusammen. Die vergangenen zehn Jahre stellte ihm sein Freund, der Hildener Unternehmer Georg Rodehüser, eine ganze Etage in seiner Firma für sein privates Museum zur Verfügung. Weil der Betrieb wuchs, musste Rateike im April ausziehen.

Ein Tefifon von 1958. In der Kassette gab es ein Endlos-Tonband, in das Tonsignale (wie in eine Schallplatte) spiralförmig eingraviert waren. Foto: RP/Christoph Schmidt

Er hatte gehofft, dass die Stadt sein Lebenswerk übernehmen würde. „Die Bürgermeisterin hat gesagt: Das können wir nicht gebrauchen, das kostet nur Geld“, erzählt der Sammler: Auch das Fabry-Museum, das Kulturamt und die Stadtwerke hätten abgewinkt: „Keiner hatte Interesse. Ich finde das furchtbar. Niemand von der Stadt hat mein Museum trotz Einladung besucht.“ Dafür waren fast 1000 Besucher da. Sie ließen sich von Günter Rateike herumführen und waren meist positiv überrascht. Denn der Sammler konnte zu jedem einzelnen Stück eine Geschichte erzählen.

Günter Rateike (82) hat in 40 Jahren rund 1000 Exponate zusammengetragen. In der Hand hat er einen Volksstaubsauger aus den 1930er Jahren. Foto: RP/Christoph Schmidt
Ein Kopiergerät aus dem Jahre 1932: Dieses Exemplar der Firma Heinrich hat mit der Optik heutiger Geräte nicht mehr viel gemein. Foto: RP/Christoph Schmidt

Über die Elektro-Innung der Kreishandwerkerschaft und den Fachverband bekam der Hildener den Tipp: „Wende dich doch mal an das Umspannwerk Recklingshausen.“ Museumsleiterin Sabine Oetzel griff begeistert zu: „Eine sehr qualitätvolle Sammlung mit sehr schönen Sachen und eine wunderschöne Ergänzung zu unserer Sammlung, die zu den größten in Deutschland zählt.“ Rateikes Exponate sind bereits abgeholt worden. Es gibt wohl keinen besseren Ort für seine Schätze. 1994 wurde das Umspannwerk in die Denkmalliste der Stadt Recklinghausen aufgenommen. In der einmalige Kombination von Baudenkmal, technischem Denkmal und moderner Betriebsstätte wurde im Dezember 2000 das selbstständige Museum Strom und Leben eröffnet. Es ist eines der größten Elektro-Museen Deutschland und zeigt auf rund 2500 Quadratmetern Ausstellungsfläche, wie umfassend Strom unser aller Leben im Laufe der Zeit verändert hat. Es nimmt seine Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Kultur-, Sozial- und Technikgeschichte der Elektrifizierung. Das Museum Strom und Leben sammelt schwerpunktmäßig Objekte aus dem Bereich der Anwendung von Elektrizität im privaten, häuslichen Leben, erläutert Leiterin Sabine Oetzel. Bei der Übernahme von Objekten in den Sammlungsbestand sei die Frage einer möglichen späteren Präsentation ein wichtiges, aber nicht allein entscheidendes Kriterium. Ausschlaggebend könne auch die Bedeutung für die Forschung sein.