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Haan: Private Kindergruppe: Stühle sind fertig

Haan : Private Kindergruppe: Stühle sind fertig

Um seine Neubaukasse zu füllen, hat der Verein Private Kindergruppe Haan eine Kunstaktion initiiert. Für "Plätze schaffen – ein Kunststück" haben 100 Kreative der Region alte Stühle neu gestaltet, die am 4. Mai versteigert werden.

Es geht betriebsam zu in Alexandra Höners Fotostudio in Solingen-Wald. Den dritten Tag in Folge setzt sie jetzt Stühle ins rechte Licht. Und die Fotografin tut das, ebenso wie ihre Assistentin und die beiden Auszubildenden, für den guten Zweck.

Dem Ganzen liegt eine kreative Idee zugrunde: "Plätze schaffen – ein Kunststück!!!" heißt sie, und die drei Ausrufezeichen kommen nicht von ungefähr: 100 gestiftete Stühle der Antik- und Trödelklasse sind von 100 regionalen Künstlern gestaltet worden, um am 4. Mai versteigert zu werden (siehe Infobox). So soll die Kasse des Vereins Private Kindergruppe Haan, die für den Standort Bachstraße ein zwei Millionen Euro teures Neubau-Konzept erarbeitet hat, gefüllt werden. "Wenn man an das Geld anderer Menschen will, muss man sich halt etwas einfallen lassen", sagt Stephanie Mörchel, Leiterin der Kindertagesstätte an der Bachstraße und geistige Urheberin der Kunst-Aktion.

Landesweit sind Kommunen und private Träger dabei, mehr Betreuungsplätze für Kinder zu schaffen. Stets stellt sich dabei die Frage, wie diese zu finanzieren seien. In Haan hat sich eine private Initiative mit viel Know-How und Herzblut an die Arbeit gemacht. Die Elternschaft, sagt Mörchel, sei insoweit ein Glücksfall. Es gebe dort "Spezialisten" für so ziemlich alle denkbaren Bereiche – die zudem bereit seien, nach Feierabend an dem Projekt zu arbeiten.

Dabei sind längst nicht alle selbst betroffen. Alexandra Höner zum Beispiel findet die Idee "cool" und engagiert sich gern für einen sozialen Zweck. "Mittlerweile ist das ein Selbstläufer", sagt Mörchel, "und die Last auf viele Schultern verteilt." Zwei Tage lang hat die Mittvierzigerin an der Rampe des Studios an der Wittkullerstraße in Solingen gestanden und die Einlieferungen entgegengenommen. Es sei schier unglaublich, was die Künstler aus dem Thema gemacht hätten, sagt sie. Überwältigt und auch ein wenig überfordert sei sie da gewesen, weil es gar nicht möglich gewesen sei, jedem einzelnen Künstler gerecht zu werden.

Das immerhin wird jetzt Höner, die jedes Werk einzeln für ein Poster fotografiert. Was ihr dabei wichtig ist: klarer Lichtaufbau, Zurückgenommenheit der Komposition, kein Chichi. Der Stuhl-Rohling etwa, den Angela Voos vollkommen dekonstruiert, rostig lasiert und dann auf eine Art wieder zusammengesetzt hat, die zwar die Eignung als Möbel aufhebt, einen bei der Draufsicht aber schlicht den Kopf schütteln lässt.

So viele gute Ideen sind hier zu sehen. Und so viel Aufwand und Liebe zum Detail. Annette Palders Nesthocker thront auf einem eigens gefertigten Pfeiler, an dem sie ein kleines Plexiglasschild angebracht hat, das Betrachtern sogleich die Meta-Ebene weist.

Und auch Höner hat sich beteiligt und einen Stuhl beigesteuert, dessen Lack sie so geschliffen hat, dass er sandig wirkt, und auf dessen Rückenlehne sie winzig kleine Figuren, die einer Modelleisenbahn-Landschaft entsprungen zu sein scheinen, sonnenbaden lässt. Plätze schaffen, wo eigentlich keine sind – auch das Modell "Beach" ist ein kreatives Spiel mit dem Thema.

Fertig einfoliert stehen in der Lagerhalle nebenan die bereits abfotografierten Exponate und harren ihres Abtransportes in die Pumpenhalle in der Alten Pumpstation, wo sie vom 1. bis 3. Mai gezeigt werden und danach unter den Hammer kommen. Mörchel ist die Freude an dem Projekt anzumerken. Allmählich ist vielleicht aber auch genug: "Ich träume schon von Stühlen", sagt sie und lacht.

Der Neubau des Kindergartens ist auf dem Gelände der Grundschule Bachstraße geplant, die im vergangenen Sommer aufgegeben wurde.

www.rp-online.de/hilden

(maxl)