Haan: Polizei analysiert Angriffe auf Beamte

Haan: Polizei analysiert Angriffe auf Beamte

Die Hemmschwellen sinken. Die Täter setzen sogar Schlagringe und Messer gegen Beamte ein.

Mettmann Nicht nur in Haan hat die Zahl der Fälle, in denen Gewalt gegen Polizeibeamte ausgeübt wird, zugenommen. So schlug und trat bei der Haaner Kirmes ein junger Randalierer um sich, als Polizisten ihn festnehmen wollten. Ein zweiter musste mit Handfesseln ruhiggestellt werden, nachdem er sich gewaltsam gegen einen Platzverweis gewehrt hatte.

Polizeidirektor Dieter Dersch konstatiert eine Zunahme im ganzen Kreis. "Wir hatten im Zusammenhang mit dem Public Viewing bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 einen Anstieg auf 22 Fälle, bei denen Beamte verletzt wurden. In den beiden Folgejahren habe sich die Zahl auf "Normalmaß" (acht Fälle) eingependelt. 2009 wurden allerdings 19 Beamte im Dienst verletzt — dabei gab es kein Großereignis im Kreis.

"Das hat uns nachdenklich gemacht und wir haben Ursachenforschung betrieben", sagt Dersch. Seitdem lädt die Führung der Polizei diejenigen Beamten zu einem zweitägigen Seminar ein, die geschlagen, getreten und gekratzt wurden. "Zusammen mit zwei Polizeiseelsorgern werden die Fälle analysiert und besprochen. Für die Beamten ist dies eine wichtige Möglichkeit, die Angriffe zu verarbeiten", sagt der Polizeidirektor.

Was sind die Gründe für die Zunahme von Angriffen gegen die Polizei? "Die Hemmschwellen sind gesunken, die Qualität der Gewalt hat zugenommen", sagt Dersch. Die Täter, die sich etwa gegen eine Festnahme nach Einbrüchen wehren oder in Gaststätten und auf Festen eine Schlägerei anzetteln, schlagen nicht nur mit Fäusten zu, sie gehen auch mit Messer, Reizgas und Schlagstöcken gegen Einsatzkräfte vor. Beim Versuch, sich zu wehren, kommt es zu Abwehrverletzungen — Prellungen, Hand-, Bein- und Rippenbrüche oder Hautabschürfungen. Einmal wurde ein Beamter des Polizeilichen Sonderdienstes (PSD) von einem Angreifer im Kampfsportstil angesprungen. Die Folge: Der Polizist lag wochenlang im Krankenhaus.

"Wir versuchen stets zunächst zu deeskalieren. Das bedeutet: reden, reden, reden. Wenn der Täter dann aggressiv gegen uns vorgeht, versuchen wir ihn mit einer Verteidigungstechnik zu fixieren. Erst danach setzen wir Pfefferspray und dann den Mehrzweckstock ein", sagt Dieter Dersch. Der Gebrauch der Schusswaffe kommt quasi gar nicht vor. "Nur in Fällen, wo akute Lebensgefahr für die Beamten oder für ein Opfer besteht."

Doch es ist nicht nur körperliche Gewalt, die gegen Polizeibeamte ausgeübt wird. "In zunehmendem Maße werden Kollegen beleidigt und bedroht — und zwar auf die übelste Weise. Besonders unsere weiblichen Polizisten sind das verbale Angriffsziel." Diese Gewalt könne man nicht nachweisen. Dann stehe Aussage gegen Aussage. Für die Kollegen seien diese Beleidigungen und Drohungen besonders schlimm, weil sie an ihren Selbstwertgefühl nagen. Zugenommen hat auch der Widerstand gegen Polizeibeamte: Da wird gerempelt, gestoßen oder geschubst. Auch hier werden die Beamten verletzt. "Wir stellen fest, dass der Respekt sinkt, den Regeln unserer Gesellschaft Folge zu leisten. Das spüren auch die Polizeibeamten im Alltag."

(RP)
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