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Gruiten: "Politischer Wille fehlt"

Gruiten : "Politischer Wille fehlt"

Dach und Heizung im Bürgerhaus Gruiten sind marode. Politik und Verwaltung haben weder ein Konzept für die Zukunft noch Geld, stellten Bürger und Vereinsvertreter bei einer Information enttäuscht fest.

Nach anderthalb Stunden hatten die ersten Besucher die Nase voll. Teils mit halblauten, zynischen Kommentaren, teils stumm und kopfschüttelnd verließen sie den Saal des Gruitener Bürgerhauses. Den Verlauf des Abends hatten sie sich offenbar anders vorgestellt. Denn in der Einladung fragten die unterzeichnenden Vereine und Nutzer des Gebäudes: "Was wird aus dem Bürgerhaus Gruiten?" Eine konkrete Antwort erhielten sie nicht, das war bereits nach zehn Minuten klar. Der Technische Beigeordnete Matthias Buckesfeld stellte fest: "Wir haben keine Patentrezepte mitgebracht." Bürgermeister Knut vom Bovert knüpfte nach zwei Stunden nahtlos an und bat: "Wer eine Bombenidee hat, soll sich bitte bei uns melden."

Die Enttäuschung über die Aussagen der Politiker war den rund 200 Bürgern, davon gut die Hälfte aus Haan, an den Augen abzulesen. Immer wieder konnten sich einige eine spitze Bemerkung nicht verkneifen. Es gab vielfach Raunen und Murmeln im Saal — und offene Kritik an Rat und Verwaltung. Eine Frau fragte nach den Ausführungen von Buckesfeld zu den Schäden des Gebäudes: "Warum wurde denn nicht früher reagiert?" Ein anderer legte nach: "Sie klingen wie ein Abrissunternehmer." FDP-Chef Michael Ruppert schlug sogar offene Ablehnung entgegen, als er auf die kürzlich neu angeschaffte Bestuhlung im Wert von 70 000 Euro hinwies. Er habe bloß zeigen wollen, dass die Stadt wieder investiert hat.

Hans Rudersdorf, Vorsitzender des Bürger- und Verkehrsverein (BBV) Gruiten, hörte sich die Berichte von Buckesfeld und von der Beigeordneten Dagmar Formella zur finanziellen Schieflage an und fragte dann unumwunden: "Dach und Heizung sind also die größten Schwachstellen. Wann fällt die Heizung denn aus? Und wann kracht's?" Ute Eden vom Gebäudemanagement antwortete ohne Zögern: "Die Heizung kann schon morgen ausfallen, das komplette Dach überprüfen wir vor jedem Winter intensiv." Rudersdorf fasste zusammen: "Es hilft also nur Beten?" Eden: "Oder Geld." Die Politiker aus dem Rat — Bernd Stracke, Jürgen Boes (beide SPD), Jens Lemke (CDU), Andreas Rehm (GAL) und Michael Ruppert (FDP) sowie Bürgermeister Knut vom Bovert — waren sich grundsätzlich einig, dass das Bürgerhaus als kulturelles und soziales Zentrum von Gruiten erhaltenswert ist.

Auch die Versäumnisse in der Vergangenheit stritten sie nicht ab, mahnten teilweise aber an, Prioritäten zu setzen, zum Beispiel der benötigten neuen Feuerwehrwache Vorrang zu geben. Unter dem Strich blieb es bei der Aussage, dass der Stadt derzeit einfach das Geld fehlt. "Wir werden die Krise vorerst wohl aussitzen müssen und gelegentlich ausbessern", sagte Knut vom Bovert.

Hans Rudersdorf stellte enttäuscht fest: "Es bleibt bei Flickschusterei. Es braucht jemanden, der sagt, was passieren soll." Lothar Weller äußerte sich noch schonungsloser: "Geld ist nie da. Was fehlt, ist der politische Wille."

(RP)