Politik will Verkehr in der Hildener Fußgängerzone reduzieren

Verwaltung trägt Erfahrungen aus Düsseldorf, Langenfeld und Ratingen zusammen: Politik will Verkehr in der Fußgängerzone reduzieren

Zwischen den Passanten in der Innenstadt sind ständig Fahrzeuge unterwegs. Nach einem RP-Bericht wollen alle Fraktionen jetzt das komplexe Thema anpacken.

Die Mittelstraße und ihre Seitenstraßen sind zwar als Fußgängerzone ausgewiesen. Trotzdem herrscht dort viel Verkehr. Zu viel, meinen immer mehr Bürger (RP vom 8. September). Ludger Reffgen, Vorsitzender der Bürgeraktion,brachte das Thema jetzt auf die Tagesordnung im Stadtentwicklungsausschuss – und stieß dort bei allen Fraktionen auf offene Ohren. „Eigentlich haben alle Städte dieses Problem“, sagte Reffgen: „Hilden könnte von den Erfahrungen anderer Kommunen profitieren.“ Die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt zusammenzutragen, wie Düsseldorf, Langenfeld und Ratingen mit dem komplexen Thema umgehen. Dann will die Politik auf dieser Basis weiter diskutieren. Die RP beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist mit den Absperr-Pollern? Es gibt sechs Sperranlagen am Nove-Mesto-Platz, Markt-, Heiligen-, Bismarckstraße, Warrington-Platz und Schulstraße. Sie sind häufig defekt und müssen erneuert werden. Das Tiefbauamt hat deshalb 25.000 Euro Planungskosten für 2019 sowie 250.000 Euro für 2020 für neue Poller-Anlagen beantragt.

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Warum sind die Zufahrten Warrington-Platz und Am Rathaus nicht abgepollert? Darum hatten die Rettungsdienste gebeten, erläutert Dezernent Norbert Danscheidt. Die Kreisleitstelle führt Feuerwehr, Rettungs- und Hilfsdienste über diese beiden offenen Zufahrten in die Innenstadt, weil das viel Zeit spare. Werden auch diese beiden Zufahrten mit Pollern gesperrt, bräuchten die Retter Zugangskarten – und zwar nicht nur die aus Hilden, sondern alle Retter aus der ganzen Region. Jede Anlage werde einzeln gesteuert. Es gibt keine zentrale Steuerung oder eine Vernetzung. Kevin Buchner (SPD) schlägt herausnehmbare Poller mit Dreikantschlüssel für die beiden offenen Zufahrten vor. „Die Schlüssel dafür gibt es in jedem Baumarkt“, meint Danscheidt. Viele Autofahrer hätten diese Schlüssel offenbar im Auto und öffnen damit die Poller illegal, wie man in der Schwanenstraße sehen könne.

Warum kann die Stadt den Verkehr nicht aus der Fußgängerzone verbannen? Die meisten Geschäfte in der Innenstadt können nur von vorne beliefert werden, so Danscheidt: „Nur sehr wenige können rückwärts angefahren werden.“ Anwohnern, Handwerkern, Lieferdiensten könne die Einfahrt (mit Sondergenehmigung) nicht gänzlich verwehrt werden. Das Problem seien eher die illegalen Einfahrten. Problem: Für das illegale Befahren der Innenstadt ist die Polizei zuständig, für das illegale Parken das Ordnungsamt. Das stelle deshalb rund 300 Knöllchen je 35 Euro pro Jahr aus. Eigentlich müssten Polizei und Ordnungsamt ständig in der Innenstadt präsent sein. Dafür fehlen beiden Mitarbeitern. Danscheidt mahnt zum Realismus: „Wir können den Verkehr nicht wirklich ausschließen, nur reduzieren.“ Auch Antragsteller Ludger Reffgen weiß: „Die Interessenlage ist komplex, es gibt Ziel-Konflikte.“

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