Politik will Klimawandel in Hilden angehen

Verwaltung soll Vertreter der Energieagentur NRW für Vortrag einladen: Kommunalpolitik will Klimawandel angehen

Nach einer Studie des Landesumweltamtes sind 38.000 Hildener im Hochsommer mit „Hitze-Inseln“ belastet. Die Verwaltung wird für Anfang nächsten Jahres einen Vertreter der Energie Angentur NRW für eine gemeinsame Sitzung mit dem Stadtentwicklungsausschuss einladen. Damit wollen Verwaltung und Rat herausfinden, welche Ziele und Maßnahmen für Hilden besonders dringlich sind. Ob und wie viel Geld dann für konkrete Projekte bereit gestellt wird, wollen die Fraktionen in den Haushaltsplanberatungen entscheiden.

Hitze, Dürre, Sonne ohne Ende: Dieser Sommer fiel aus dem Rahmen. Studien belegen, dass wir hierzulande inzwischen schon doppelt so viele Hitzetage mit mehr als 30 Grad haben als noch in den 1980er Jahren. „Der Klimawandel ist bei uns angekommen“, sagt Ludger Reffgen, Vorsitzender der Bürgeraktion Hilden: „Das erfordert ganz andere Maßnahmen.“ Die Stadt müsse eigene Vorsorge-Strategien entwickel, fordert Reffgen. Und findet mit seinem Antrag im Umweltausschuss viel Unterstützung bei SPD, CDU und Grünen.

Das hat sicher auch damit zu tun, dass das Landesumweltamt Hilden zu den NRW-Städten mit der höchsten Hitzebelastung zählt. Rund 70 Prozent der Einwohner (38.000 Hildener) litten bereits heute unter besonderen Belastungen bei hochsommerlichen Wetterlagen. Landesweit seien mehr als fünf Millionen Menschen betroffen.

Ergebnis der politischen Diskussion im Umweltausschuss: Die Verwaltung wird für Anfang nächsten Jahres einen Vertreter der Energie Angentur NRW für eine gemeinsame Sitzung mit dem Stadtentwicklungsausschuss einladen. Damit wollen Verwaltung und Rat herausfinden, welche Ziele und Maßnahmen für Hilden besonders dringlich sind. Ob und wie viel Geld dann für konkrete Projekte bereit gestellt wird, wollen die Fraktionen in den Haushaltsplanberatungen entscheiden.

Baudezernentin Rita Hoff machte schon einmal vorsorglich klar: „Wir haben niemanden, der sich mit diesem Thema beschäftigen kann.“ Die Verwaltung müsse damit externe Fachleute beauftragen. Die Kosten könne man nur schätzen. Zwischen 50.000 und 100.000 Euro würde wohl ein Klimafolgeanpassungskonzept kosten. Möglicherweise könnte die Stadt dafür Fördermittel vom Bundesumweltministerium, der Kommunalagentur NRW oder der Energieagentur NRW erhalten.

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Die Verwaltung schlägt vor, sich auf wenige „Schlüsselmaßnahmen“ zu konzentrieren. Die Politik müsse voll und ganz dahinter stehen. Nur dann bestehe auch die Chance, dass die Projekte von den Einwohnern akzeptiert werden.

Die BA schlägt schon einmal vor, die Abstandsflächen der Gebäude zu vergrößern. „Das können wir auch ohne Gutachten machen“, meint Ludger Reffgen. „Wir sind bereit, 50.000 bis 100.000 Euro für ein Konzept zur Verfügung zu stellen“, sagt Klaus-Dieter Bartel: „Auch wir Grüne haben vor einem Jahr ein Klimaanpassungskonzept beantragt. Wir können nicht immer nur warten, wir müssen auch handeln.“ „Uns fehlt die Expertise“, erläutert Carsten Wannhof. Deshalb sei die SPD für den Vorschlag, einen Experten der Energieagentur NRW einzuladen. „Die Schubladen sind voller Gutachten“, lehnt die FDP ab. Was zähle, seien die Schlussfolgerungen daraus. Die Stadt könne auch ohne Gutachter für mehr Grün in der Innenstadt sorgen. Der Antrag der Bürgeraktion gehe zu weit, sagt Rudolf Berger (Allianz): „Das kann die Stadt nicht leisten.“

Ganz untätig geblieben ist die Stadt in den vergangenen Jahren nicht. Seit 2009 liegt ein Gutachten zum Stadtklima vor. Die Stadt baut Regenzwischenspeicher, um Sturz- und Starkregen auffangen zu können. 2013 wurde ein Klimaschutzkonzept erarbeitet, das 31 konkrete Maßnahmen enthält. Mit mehr als 2100 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Hilden eine der am dichtesten besiedelten Städte Deutschlands.

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