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Politik vertröstet Tageseltern auf November

Hilden : Protest: Politik vertröstet Tageseltern

Vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses haben Tageseltern demonstriert und auf ihre Probleme aufmerksam gemacht. Eine Mehrheit im Stadtrat will sich damit aber erst im Jugendhilfe-Ausschuss im November beschäftigen – nach der Kommunalwahl am 13. September.

Aktuell fehlen rund 100 Kitaplätze für unter Dreijährige in Hilden. Und das bei bereits 117 Überbelegungen. Dass Eltern ihren Rechtsanspruch auf Betreuung noch nicht eingeklagt haben, ist wohl vor allem auch Tageseltern zu verdanken. Sie bieten in Hilden 260 Betreuungsplätze für unter Dreijährige an. Und sind damit enorm „systemrelevant“, wie man heute sagt. Offenbar aber nicht für die Politik. Als eine Interessengemeinschaft von Tageseltern kürzlich vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses demonstrierte, durfte eine Vertreterin in der Sitzung zwar die Anliegen vortragen. Diskutiert werden soll darüber aber erst im Fachausschuss im November – nach der Kommunalwahl am 13. September.

Es geht nicht nur um die Vergütung, erläuterte Susanne von der Heiden für die Interessengemeinschaft der Tageseltern. Sie erhalten derzeit 5,10 Euro pro Stunde und Kind. Darin enthalten sind 1,88 Euro Sachmittelkosten für Miete, Strom und Abnutzung. Die Sachkosten seien nicht auskömmlich. Nötig seien mindestens 6,15 Euro pro Stunde und Kind, fordern die Tageseltern. In Hilden gebe es keine Vertretungsregelung, klagte von der Heiden. Tageseltern könnten maximal 30 Tage Urlaub und Krankheit pro Jahr nehmen: „Wir möchten unseren Urlaub nicht krank verbringen.“

Ohne Tageseltern würde die Kinder-Betreuung in Hilden nicht funktionieren. Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Die Zahl der Tageseltern in Hilden sei in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken, rechnete Ludger Reffgen (Bürgeraktion) vor. 2018 waren noch 72 für die Stadt tätig, 2019 waren es nur noch 67 – und aktuell 58. „Wenn die Stadt so mit Tageseltern umgeht, ist das kein Wunder“, kritisierte Reffgen. Die Bezahlung sei seit 2015 nicht erhöht worden: „Das ist für uns unter Wert.“ Er warf Dezernent Sönke Eichner vor, nicht mal den Versuch eines Kompromisses gemacht zu haben. Die Ausbildung von Tageseltern sei professioneller und damit auch aufwendiger geworden, räumte Eichner ein. Die Stadt müsse aber auch wirtschaftliche Aspekte beachten: „Die Tagespflege ist die teuerste Betreuungsform, die wir haben.“ Auch in der Corona-Zeit seien die Tageseltern durchbezahlt worden, betonte Eichner: „Wir wollen mit den Tageseltern zu einem besseren Austausch kommen.“

„Im November können wir noch mal über das Thema reden, auch mit den Betroffenen“, schlug Claudia Schlottmann (CDU) vor: „Die Tagespflege sollte im Jugendhilfe-Ausschuss ein Mitspracherecht bekommen.“ „Wir müssen reden“, meinte auch Thomas Remih (FDP): „1,88 Euro Sachmittelkosten sind schön gerechnet und zu wenig.“

Einstimmig beschlossen wurde eine neue Satzung für die Erhebung von Kostenbeiträgen für die Betreuung von Kindern in der Tagespflege. Die Satzung setze nur um, was im Kinderbildungsgesetz (Kibiz) beschlossen worden sei, erläuterte Bürgermeisterin Birgit Alkenings: „Das müssen wir zeitnah nachvollziehen.“ Über die Vergütung der Tageseltern stehe dort nichts drin. Laut Verwaltung liegt Hilden im Mittelfeld. Es gibt Städte, die Tageseltern mehr zahlen, aber auch Kommunen, die weniger vergüten.