1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Haan: Pfarrgemeinde wird gefordert

Haan : Pfarrgemeinde wird gefordert

Herr Dr. Nieswandt, Sie sind jetzt ein gutes Jahr lang Pastor der Pfarrgemeinden St. Nikolaus und St. Chrysanthus und Daria. Welche erste Bilanz können Sie ziehen?

Herr Dr. Nieswandt, Sie sind jetzt ein gutes Jahr lang Pastor der Pfarrgemeinden St. Nikolaus und St. Chrysanthus und Daria. Welche erste Bilanz können Sie ziehen?

Nieswandt Es war ein sehr intensives Arbeitsjahr. Ich habe die Entscheidung, mich für die Pfarrstelle in Haan zu bewerben und sie anzutreten, nie bedauert.

Es heißt "neue Besen kehren gut, aber die alten kennen die Ecken". Haben Sie die Ecken inzwischen kennengelernt?

Nieswandt Ich habe Menschen mit Ecken und Kanten kennengelernt. Und ich denke, dass es gelungen ist, zu den meisten einen Zugang zu bekommen, bei dem wir uns bei gegensätzlichen Positionen annähern und eine gemeinsame Richtung finden können. Ich musste auch erst einmal die Stadt kennenlernen und die Art des Arbeitens mit sehr intensiven ökumenischen Kontakten.

Als Pfarrer sind Sie auch Leiter einer Kirchengemeinde, die als Grund- und Gebäudebesitzer oder als Betreiber zum Beispiel von Kindergärten auch häufig im Kontakt mit der Stadtverwaltung steht.

Nieswandt Die Kontakte zur Stadtverwaltung sind in einer kleineren Stadt ganz andere als in größeren Kommunen, wo ich bisher tätig war. Wenn ich hier mit der Verwaltung spreche, dann tue ich das mit dem Amtsleiter und nicht mit einem Sachbearbeiter für die Buchstaben A bis E. Es ist ein gutes Arbeiten. Und mir ist an großer Transparenz gelegen.

Die haben Sie im Vorjahr angestrebt, als die Diskussion über den Pfarrsaal St. Nikolaus als Bürgerhausersatz in Trägerschaft des Vereins Phönix begann. Wie ist da derzeit Stand der Dinge?

Nieswandt Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen die Verträge mit "Phönix" unterschrieben werden können. Und wenn dann die finanzielle Seite nach den städtischen Etatberatungen geklärt ist, könnte im Frühsommer der Umbau beginnen. Ich hoffe, dass im Herbst ein kulturelles, gesellschaftliches und gastronomisches Zentrum in Gruiten-Dorf zur Verfügung steht.

Was soll am Pfarrsaal alles umgebaut werden?

Nieswandt Das Dach muss komplett erneuert werden. Strom, Wasser und Haustechnik müssen neu installiert werden. Es soll mehr Licht in den Saal fallen. Und dann gilt es, ein ansprechendes Ambiente zu schaffen, von dem sich die Leute angezogen fühlen.

Im vorigen Jahr hätte die Pfarrgemeinde gern die Kita St. Chrysanthus und Daria erweitert. Weil Finanzmittel aus drei Zuschusstöpfen nicht kombiniert werden durften, klappte das nicht. Werden Sie 2012 das Projekt an der Breidenhofer Straße 1 starten können?

Nieswandt Wir sind optimistisch, dass wir im Laufe des Sommers bauen können und haben die Hoffnung, im Herbst über eine um U3-Plätze erweiterte Einrichtung verfügen zu können. Bei den Haushaltsberatungen der Stadt sollen ausreichend Finanzmittel bereitgestellt werden, haben wir erfahren. Unser Architekt steht jedenfalls "Gewehr bei Fuß".

In Unterhaan ist die Aufgabe der Kirche Maria vom Frieden im Gespräch. Wie weit ist das Vorhaben an der Hochdahler Straße 14 gediehen?

Nieswandt Der Profanisierungsantrag ist vor mehr als einem Jahr gestellt worden. Im Sommer 2011 habe ich noch eine Stellungnahme abgeben müssen. Derzeit liegt das Verfahren in Köln. Demnächst soll es noch einen Besichtigungstermin geben. Sie sehen, es ist ein längerer Weg bis zur Entscheidung, in die das Erzbistum mit dem Generalvikariat eingebunden ist.

Wie könnte sich denn der Kirchenstandort in Unterhaan weiterentwickeln?

Nieswandt Die Bandbreite reicht von einem sozialen Zentrum bis hin zu einem Freizeitzentrum. Theoretisch wäre auch ein Verkauf und Abriss denkbar. Ich halte aber eine Umnutzung für wahrscheinlicher.

Für Ende Januar haben Sie die Pfarrmitglieder zur Vorstellung des neuen Pastoralkonzeptes eingeladen. Was ist dessen Inhalt?

Nieswandt Das Pastoralkonzept ist zum einen eine Bestandsaufnahme und zeigt zudem Perspektiven auf. Unter dem Motto "Dein Angesicht, Herr, will ich suchen" soll Christus für die Menschen berührbar werden. Das Konzept, um das der Erzbischof alle Gemeinden gebeten hat, soll aufzeigen, in welche Richtung sich die Jugend-, Senioren- und Familienarbeit sowie die Ökumene und die sozialen Dienstleistungen von Caritas und SKFM weiterentwickeln sollen.

Wie ist das Konzept entwickelt worden?

Nieswandt Der Pfarrgemeinderat hat sich im Vorjahr bei einem Klausurwochenende Gedanken gemacht und Grundlinien festgelegt. Daran ist während des Jahres gearbeitet worden. Jetzt wird das Konzept der Gemeinde insgesamt präsentiert. Wir erwarten Antworten und auch kritische Anregungen aus der Gemeinde. Im März, bei der nächsten Pfarrgemeinderats-Klausur werden wir das Papier endbearbeiten und dann nach Köln weiterleiten.

Die katholische Pfarrgemeinde in Hilden hat jüngst eine Stiftung gegründet, um angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen andere Finanzierungsmöglichkeiten für Projekte zu eröffnen. Ist daran auch in Haan gedacht?

Nieswandt Zwei Stiftungen, eine für Haan und eine für Gruiten, wurden von den Kirchenvorständen bereits gegründet. Weil aber noch nicht das Mindest-Stiftungskapital von 50 000 Euro beisammen ist, sind diese Stiftungen noch nicht rechtsfähig. Es wird sicher eine Herausforderung für 2012 sein, die Stiftungen bekannt zu machen und im Bewusstsein der Gemeinde zu implantieren. Die Menschen sollen wissen, dass das Kapital, das jeder zustiften kann, der Gemeinde und ihrer Arbeit zugute kommt.

Im vorigen Jahr ist die Pfarrkirche St. Nikolaus aufwändig renoviert worden. Sind weitere Projekte in Planung?

Nieswandt Eine Herausforderung für die Gemeinde wird die Orgelsanierung in Haan sein. Nach gut 25 Jahren müssen ein neuer Blasebalg eingebaut und die Pfeifen gereinigt werden. Rund 50 000 Euro wird das Projekt verschlingen. Das Erzbistum trägt nur einen Teil der Kosten. Beim Gedanken an die Orgel freue ich mich schon jetzt auf den letzten Freitag im Oktober. Am 26. Oktober wird die bekannte Jazz-Organistin Barbara Dennerlein zu einem Konzert in unsere Haaner Pfarrkirche kommen. Zu der im Vorjahr abgeschlossenen Renovierung der Gruitener Kirche möchte ich ausdrücklich Herrn Heribert Herring danken, der sich so intensiv für das Projekt engagiert hat. Es hat stets Spaß gemacht, über die Baustelle und auch unter die Decke zu gehen. Letzteres buchstäblich, weil dort so hohe Gerüste standen. Der ganze Aufwand hat sich sehr gelohnt. Und die Restaurierung der Holzfiguren lässt sie besser als vorher zur Geltung kommen.

Ralf Geraedts führte das Gespräch.

(RP)