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Hilden: Personal-Profis jagen in Hildener Facebook-Forum

Hilden : Personal-Profis jagen in Hildener Facebook-Forum

In Hildener Facebook-Foren tauschen die Teilnehmer normalerweise Nachrichten aus der Stadt aus, suchen Wohnungen "für nette und tierliebe Menschen" oder berichten von Nachbarschafts-Festen. Umso mehr stach da jetzt die Botschaft einer Forums-Teilnehmerin heraus.

In ihrem Eintrag heißt es: "Aufgepasst Pflegekräfte aus Essen, Düsseldorf und Umgebung! Schluss mit falschen Versprechungen bei Stellenangeboten und der Benachteiligung von Pflegekräften."

Was zunächst klingt, wie der Protest-Aufruf einer lokalen Gewerkschafts-Funktionärin, entpuppt sich beim weiteren Lesen schnell als Bewerbungsaufruf: "Altenpfleger oder Krankenpfleger", die "leidenschaftlich im Beruf und verständnisvoll im Umgang mit Patienten" sind, bekommen ein scheinbar fürstliches Angebot unterbreitet. Versprochen wird unter anderem "Mitbestimmung beim Dienstplan", garantierte Freizeit, keine Notdienste, "sehr faire Bezahlung", ein unbefristeter Vertrag sowie monatliche Fortbildungen. Alles bei 15 bis 35 Stunden Wochenarbeitszeit.

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Zu schön, um wahr zu sein? Hinter dem nach Privat-Initiative aufgemachten Aufruf ("Ich freue mich auf Deine Nachricht!") steckt eine Hamburger Personalmanagementfirma. Auf Anfrage hieß es, telefonisch stehe weder die Geschäftsleitung noch ein Pressesprecher zur Verfügung - "bitte senden Sie uns eine schriftliche Anfrage".

Klaus Reiners ist Sprecher beim Bund Deutscher Unternehmensberater (BDU) . Er kennt solche Aufrufe in sozialen Medien. "Es handelt sich nicht um eines unserer Mitglieds-Unternehmen," betont der langjährige Experte. Aufrufe mit Versprechungen, wie jetzt in Hilden, dienen seiner Erfahrung nach meist nur einem Ziel: "Möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, ihren Lebenslauf einzusenden." Die würden dann "abgegriffen" und nach dem Gießkannenprinzip meist an Firmen verschickt, von denen sich der Vermittler erhoffe, dass sie auf irgendeinen dieser Kandidaten reagieren. "Mit Personalberatung, wie unser Verband sie versteht, hat das nichts zu tun", erläutert Reiners. "Social Media Recruiting" heißt es Neudeutsch im Personaler-Jargon - ein Trend, der verstärkt seit drei bis vier Jahren vom BDU beobachtet wird. Auch Firmen, die dem Verband angehören, nutzen die Internet-Plattformen zwar für die Recherche nach Kandidaten, wie Reiners berichtet, es gebe jedoch einen zentralen Unterschied: "Wir arbeiten immer im Auftrag eines Unternehmens oder einer Verwaltung, die einen bestimmten Job zu vergeben hat. Wir suchen also gezielt nach geeigneten Bewerbern, mit denen wir uns dann unterhalten." Leistungszusagen seien durch den konkreten Auftrag gedeckt, "was Sie bei der Gießkannen-Personalsuche überhaupt nicht garantieren können".

Wer den ganzen Text im Hildener Facebook-Forum öffnet, kann denn auch lesen, "die genauen Konditionen" seien "individuell abhängig".

(RP)