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Hilden: Pendler zwischen Leipzig und Hilden

Hilden : Pendler zwischen Leipzig und Hilden

Jörg Kleinschmidt ist viel auf Achse. Der 44-Jährige ist Geschäftsführer bei einer Firma in Leipzig. Seine Frau und die beiden Kinder (15 und zehn Jahre alt) leben in Hilden. Seit zwei Jahren pendelt Kleinschmidt zwischen Leipzig und Hilden; freitags geht es Richtung Heimat, Montagmorgen wieder zurück zur Arbeit. Je nach Verkehrslage braucht er zwischen drei und fast sieben Stunden für die 486 Kilometer von Tür zu Tür. Kleinschmidt nimmt dafür am liebsten den eigenen Wagen – weil das am schnellsten gehe und er in Leipzig ein Auto brauche, wie er sagt.

Das Flugzeug sei auf der Strecke Hilden-Leipzig sogar günstiger, hat der Pendler festgestellt: "Aber nur, wenn ich sechs Monate im Voraus buchen kann." Termine so früh zu machen, sei ihm nur selten möglich. Die Bahn ist für Kleinschmidt keine Alternative: "Die Fahrt dauert zwischen sechs und acht Stunden – das ist ein Arbeitstag – und man muss bestimmte Züge erwischen."

Der Wochenendpendler nimmt Fahrgäste mit, die sich über ein Internetportal (www.mitfahrgelegenheit.de) einen Platz buchen können. Nicht aus finanziellen Gründen, betont Kleinschmidt: "Im Stau zu stehen, ist zu zweit angenehmer als allein. Die Zeit vergeht schneller." Mit seinen Mitfahrern habe er bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Mitfahrgelegenheiten sind für ihn eine gute Möglichkeit, um preisgünstig und unkompliziert von A nach B zu kommen. Im Internet werden nicht nur Mitfahrgelegenheiten mit dem Auto, sondern auch mit der Bahn angeboten.

Kleinschmidt nimmt nicht nur Passagiere, sondern mitunter auch Fracht mit. Einmal habe er vier teure Autofelgen von Leipzig nach Hilden transportiert. "Der Absender wollte sie offenbar nicht der Post anvertrauen", vermutet der Hildener. Und mit 20 Euro sei der Transport konkurrenzlos günstig gewesen. Kurios sei der Transport eines lebenden Fisches gewesen: "Unterwegs haben wir – ich hatte einen Mitfahrer dabei – mal nachgeschaut und ihm frisches Wasser gegeben." Das Tier wurde nach mehr als 400 Kilometern wohlbehalten auf einer Raststätte in Wuppertal an einen Bekannten des Absenders übergeben. Wie lange er noch zwischen Hilden und Leipzig pendeln wird, kann Jörg Kleinschmidt nicht absehen. Er sei seit 26 Jahren in seinem Unternehmen und dort glücklich. Außerdem sei es schwierig, etwas Gleichwertiges zu finden. Sein ganzes Berufsleben lang habe er zwischen Wohnort und Arbeitsstelle pendeln müssen. Die Familie sei deshalb auch schon mehrfach umgezogen und habe jetzt in Hilden Wurzeln geschlagen. In seiner Firma fallen dem Hildener auf Anhieb rund 15 Kollegen ein, denen es ähnlich geht wie ihm. Sie alle pendeln am Wochenende zwischen Leipzig und Stuttgart, Koblenz, Frankfurt/Main oder Hannover. Atypisch sei nur die Richtung, in die er pendle, meint der Rheinländer: "Ich fahre montags von West nach Ost. Auf der Gegenfahrbahn ist mehr los." Wenn er sich sein Verkehrsmittel aussuchen könnte, würde Kleinschmidt das Fahrrad für den Weg zur Arbeit wählen: "Es ist individuell, hält körperlich fit und man kann wunderbar dabei abschalten."

www.rp-online.de/hilden

(RP)