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Hilden: Patienten sorgen sich um die Betreuung

Hilden : Patienten sorgen sich um die Betreuung

Das Modell: Ärzte verkaufen ihre Praxis an Klinikbetreiber. Das Problem: Vertretungen funktionieren nicht.

Antonis Tsamaloukas ist so, wie sich viele einen Arzt wünschen: fachlich kompetent, erfahren, einfühlsam und sehr engagiert. Seine Patienten wie beispielsweise Heribert Streier sind voll des Lobes über den Facharzt für Innere Medizin, Biochemie mit dem Schwerpunkt Onkologie. Der Mediziner hat seine Praxis an das Medizinische Versorgungszentrum Rhein-Berg verkauft und arbeitet dort jetzt als Angestellter. Das vor einem Jahr gestartete MVZ gehört einer eigenständigen Träger GmbH, deren Gesellschafter die St.-Lukas-Klinik GmbH ist, die wiederum zum katholischen Kplus-Verbund gehört.

Tsamaloukas wollte im August zehn Tage Urlaub machen, aber nicht ohne vorher die Versorgung seiner Krebspatienten sicherzustellen. Er schrieb frühzeitig einen Brief an die Kplus-Geschäftsführung und bat um eine Urlaubsvertretung. Der Brief wurde erst Wochen später beantwortet. "Kplus war nicht in der Lage, eine Urlaubsvertretung zu organisieren", bestätigt Tsamaloukas. "Für mehr als 20 Patienten konnte in dieser Zeit keine Therapie durchgeführt werden, weil dazu ein Arzt nötig ist." Irmgard Gnägy etwa findet das "verantwortungslos". "Das bedeutet für uns Patienten, dass wir mit der Behandlung aussetzen müssen – was für manche für uns nicht ohne Risiko für ihre Heilungschancen ist."

Tsamaloukas Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Seine Patienten sind deshalb unruhig und besorgt. Der beliebte Mediziner hat sich sehr bemüht, eine Nachfolgerin zu finden: "Fachärzte sind rar gesät. Hämatologen sind noch rarer." Das MVZ Rhein-Berg hat – auch dank Tsamaloukas' Einsatz – eine Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie gewinnen können. Sie wird Anfang Januar ihren Facharzt für Onkologie und Hämatologie erwerben, teilte ihr künftiger Arbeitgeber dem Patienten Streier mit. Tsamaloukas ist derzeit der einzige niedergelassene Onkologe in Hilden. Sein letzter Arbeitstag ist der 4. Dezember. Streier fürchtet um die Betreuung seiner rund 300 Krebs-Patienten in Hilden. Zudem soll die Nachfolgerin mit weniger Stunden beschäftigt werden, hat er in Erfahrung gebracht: "Wir möchten nichts anderes als eine gute und kompetente Krankenversorgung."

Dass es keine Urlaubsvertretung für Tsamaloukas gab, sei "nicht gut gelaufen", räumt Cerstin Tschirner, Sprecherin des Kplus-Verbundes ein: "Das wird künftig funktionieren." Ursache sei ein "Kommunikationsproblem" gewesen. Tsamaloukas Nachfolgerin sei Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie und arbeite seit fünf Jahren in der Onkologie einer Universitätsklinik. "Sie verfügt bereits über onkologisches Wissen. Ihr fachliche Qualifikation haben Prof. Dr. Ulrich Mahlknecht, Chefarzt der Onkologie am St.-Lukas-Krankenhaus Solingen, und auch Dr. Tsamaloukas überprüft und festgestellt." Ihre Zulassung als Fachärztin für Onkologie und Hämatologie sei eine "Formalie": "Alle nötigen Unterlagen dafür liegen vor. Wir stehen im November auf der Liste der Ärztekammer." Es werde eine geregelte Übergabe geben. Beide Mediziner treffen sich diese Woche, um dies zu organisieren. Der Kassensitz, den Tsamaloukas an das Medizinische Versorgungszentrum verkauft habe, werde "persönlich" vergeben. Deshalb dürften Tsamaloukas und seine Nachfolgerin nicht parallel (weiter)arbeiten, wie Patienten vorgeschlagen hatten. Zu den vereinbarten Wochenstunden der neuen Onkologin wollte die Kplus-Sprecherin nichts sagen: "Die Sprechzeiten für die Patienten werden nicht reduziert." Der Kplus-Verbund wolle mit dem MVZ (es gibt ein Zweites in Leverkusen) die stationäre und ambulante Versorgung – wie von der Politik gefordert – enger verzahnen. Aber auch Geld verdienen, räumte Tschirner ein.

(RP)