1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Haan: Opfer ärgert sich über Polizei

Haan : Opfer ärgert sich über Polizei

Nach dem Aufbruch ihres Dienstwagens wartete eine Altenpflegerin zwei Stunden am Tatort, ohne dass ein Streifenwagen kam. Der Polizei-Sprecher sagt, so etwas solle nicht, könne aber wegen anderer Einsätze vorkommen.

Als Silvia Schmidt von einem Patientenbesuch zu ihrem Dienstwagen zurückkommt, durchfährt sie ein riesiger Schreck. Die Scheibe der Beifahrertür ist eingeschlagen, das Handschuhfach steht offen. Ihr Portemonnaie ist weg mit ein paar Euro Bargeld, einer EC-Karte und persönlichen Papieren.

Es war Samstag, nach 14 Uhr. Die Haaner Polizeiwache nicht besetzt. Weil ihr Anruf dorthin nicht weitergeleitet wurde, habe sie die Notrufnummer 110 gewählt und um einen Streifenwagen gebeten, berichtet die Altenpflegerin. Nach zwei Stunden Wartezeit auf der Düsseldorfer Straße in praller Sonne rief das Diebstahlsopfer noch einmal an und erfuhr, der eigentlich ihr zugedachte Streifenwagen habe auf dem Weg einen "höherwertigen Einsatz" gehabt.

Funkstreife kam nicht nach Hause

Silvia Schmidt, die morgens um sechs Uhr ihren Dienst begonnen hatte und nach jetzt mehr als zehn Stunden endlich nach Hause wollte, war gerade auf dem Parkplatz an der Kirchstraße angekommen, als die Polizei Mettmann anrief und den Streifenwagen ankündigte. Als Silvia Schmidt sagte, sie sei nun gerade zu Hause angekommen, erfuhr sie, dass die Funkstreife nicht in die Innenstadt kommen werde. "Da haben Sie dann Pech gehabt", habe die Beamtin bemerkt, als die Geschädigte anbrachte, sie könne jetzt nicht auch noch nach Mettmann fahren, um den Wagen dort vorzuführen.

  • Haan : Kommentar: "Gefühlt" steht der Bürger im Regen
  • Staatsschutz ermittelt in Bielefeld : Streifenwagen brennen vor Polizeiwache ab
  • Haan : Haanerin schreibt Krimi für Haaner

Sonntag erstattete Silvia Schmidt dann Anzeige bei der Hildener Polizeiwache. Das Formblatt weist einen "besonders schweren Fall" von Diebstahl aus. Als die Haanerin Montag Kontoauszüge bei der Bank holte, entdeckte sie, dass mit der EC-Karte Samstag um 14.09 Uhr 1000 Euro abgehoben worden waren. Um 14.13 Uhr hatte sie den Diebstahl telefonisch bei der Polizei gemeldet.

Es ärgert sie, dass Bürger in einer 30 000-Einwohner-Stadt wie Haan ohne besetzte Polizeiwache alleine gelassen würden. Auch wenn Streifenwagen durch die Gartenstadt fahren, dürfe es doch nicht sein, dass ein Bürger "im Regen" stehengelassen werde. Im Grunde stimmt Frank Sobotta, Pressesprecher der Kreispolizei, dieser Ansicht von Silvia Schmidt zu.

Er erläuterte, wie Einsätze abgewickelt werden. In der Leitstelle würden Fälle nach Priorität geordnet und abgearbeitet. Die Situation nach dem Diebstahl sei eine "statische" gewesen, anders etwa als der Vorfall, der der Streifenwagen-Besatzung auf dem Weg zu Silvia Schmidt begegnete — dabei ging es um eine aktuelle Gefährdung im Straßenverkehr. "Wir streben an, die Fälle in kürzester Zeit zu bearbeiten", versicherte Sobotta. Dass etwas dazwischen komme, könne immer passiren, bat er um Verständnis — gestand aber gleichzeitig zu: "Es ist schlecht, wenn das passiert."

Für Silvia Schmidt gab es gestern Mittag ein kleines "Happy End". Ein Mitarbeiter der Stadt Haan gab ihr die gestohlene Geldbörse zurück. Sie war auf dem Ginsterweg gefunden worden. Bis auf das Bargeld und eine EC-Karte war alles noch vorhanden — ihr Personalausweis ebenso wie Bilder der Familie.

(RP)