Hilden Ökoworld bittet zum Dialog aufs grüne Sofa

Hilden · Auch auf Klischees kann man sich nicht mehr verlassen. Das zeigte sich jetzt bei einer Dialogveranstaltung, zu der die Hildener Kapitalanlagegesellschaft Ökoworld eingeladen hatte. Denn an Ökologie interessierte Menschen kleiden sich heutzutage nicht mehr in Cordhosen, Schafwoll-Pullis und tragen ungepflegte Bärte: Anzug und Kostüm dominierten die Veranstaltung, die den Titel "Dialog auf dem grünen Sofa" trug.

Gast war Prof. R. Andreas Kraemer, Gründer des Ecologic Institutes, eines unabhängigen und gemeinnützigen Think Tank für Umweltforschung, Politikanalyse und Beratung mit Büros in Berlin, Brüssel und Washington.

"Think Tank", das ist quasi eine Ideenschmiede: Hoch gebildete Experten analysieren politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorgänge, bewerten ihre Auswirkungen und bringen eigene Vorschläge in die öffentliche Diskussion ein.

In dieser Funktion erwies sich Kraemer als kenntnisreicher und zugleich unterhaltsamer Gesprächspartner von Michael S. Duesberg, Vorstand der Ökoworld, der ebenso kompetente wie einfühlsame Fragen stellte. Das Sofa, aus dem die beiden saßen, war übrigens tatsächlich grün - es war eigens für die Veranstaltung aus den Räumen der Firma Ökoworld im Itterpark zum Veranstaltungsort Gottschalksmühle herbeigeschafft worden. Das wird künftig wohl noch öfter passieren, denn eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe ist geplant.

Die Hildener Firma Ökoworld legt das Geld ihrer Kunden über Fonds bei ethisch-ökologisch sauberen Unternehmen an. Bevor sie ins Portfolio aufgenommen werden, werden sie von einem Expertenteam gründlich überprüft. "Das ist für mich absolut überzeugend", sagt Dietrich Ernst, der sein Geld bei Ökoworld anlegte, weil er sich mit vielen anderen moralisch nicht überzeugend agierenden Unternehmen "nicht identifizieren kann und will". Nüchterner sieht es hingegen Ökoworld-Kunde Dr. Gerd Müller von Ißem: "Ich lege mein Geld nachhaltig an, weil ich finde, dass die Nachhaltigkeit langfristige Erträge bringt."

Entsprechend groß war das Interesse der rund 50 Gäste am Dialogthema, "Trendwende bei der Energiewende?". Referent Kraemer zeichnete ein optimistisches Szenario. "Strom war noch nie so billig wie heute in Deutschland", sagte er. Mittlerweile gäben die Deutschen drei mal mehr Geld für die Telefonie als für Strom aus. Und: Die Energiewende als Umbauprozess "kostet nicht mehr als der Erhaltungsaufwand des alten Systems." Stattdessen wachse eine wirtschaftsstarke Kraft heran: Werde nicht mehr Gas aus Russland importiert, sondern Windkraft in Deutschland erzeugt, "so findet die Wertschöpfung im Inland statt. Das generiert Steuereinnahmen und schafft Löhne." Kraemers Einschätzung zufolge arbeiten im Bereich erneuerbare Energien rund 400 000 Menschen.

Zum Abschluss der Veranstaltung übergab Ökoworld-Chef Alfred Platow eine Spende in Höhe von 5000 Euro an den Verein "Tatort - Straßen der Welt." Und natürlich gab's ein Bio-Buffet. arue

(RP)
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