Öffentliches Grün braucht mehr Pflege

Hilden : Öffentliches Grün braucht mehr Pflege

Die Stadtverwaltung Hilden möchte vier zusätzliche Gärtnerstellen und 200.000 Euro extra für Fremdfirmen. Die Politik ist dagegen.

Bürger beschweren sich häufig über den Zustand von öffentlichen Beeten und Anlagen in Hilden. Und sie haben recht. Die Pflege lässt in der Tat zu wünschen übrig. Darüber sind sich Rat und Verwaltung sogar einig. Aber dann ist auch schon wieder Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Vor allem, wenn es darum geht, wie die Grünpflege verbessert werden kann.

Ulrich Hanke, Leiter des zuständigen städtischen Bauhofs, hat eine umfangreiche und sehr detaillierte Bestandsaufnahme, vorgelegt. Auch er und seine Kollegen seien mit dem Ergebnis nicht zufrieden, sagte Hanke: „Wir kommen zum Teil nur ein oder zweimal im Jahr in bestimmte Straßen. Wir können mit den vorhandenen Mitteln aber kein besseres Ergebnis abliefern.“

Mehr als eine Million Quadratmeter Grün hat die Kommune zu pflegen – ohne die Friedhöfe. Hinzu kommen 11.866 Bäume – ohne Stadtwald. 30 Mitarbeiter zählt die Grünflächenunterhaltung. Sie müssen übers Jahr gesehen aber auch noch vieles andere erledigen: Winterdienst, Teiche entschlammen, Osterputz in der Innenstadt, Bepflanzung von Beeten und Kübeln, Sport- und Spielplätze kontrollieren und pflegen, Laub beseitigen, gießen, Außenlagen an den städtischen Schulen pflegen, Wiesen mähen, Wildwuchs beschneiden. Von den 14 Mitarbeitern der Grünflächenpflege standen 2018 in jeder Kalenderwoche im Schnitt tatsächlich nur 4,71 Mitarbeiter effektiv für die Grünpflege zur Verfügung, hat Hanke ausgerechnet – weil sie viele andere Aufgaben haben oder in anderen Bereichen aushelfen müssen. Sein Fazit: Die Grünunterhaltung kann keinen guten Job machen, weil sie viel zu wenig Mitarbeiter dafür hat, besonders in Zeiten starker Vegetation.

Zudem gebe es in Hilden viele kleine und kleinste Grünfläche, die besonders viel Arbeit machen, weil sich dort kaum Maschinen einsetzen lassen. Der Bauhof habe schon einige Grünflächen so umgestaltet, dass sie gepflegt aussehen und weniger Arbeit machen (etwa die Ortseingänge an den Hauptstraßen/Mittelstreifen Berliner Straße). Das soll fortgesetzt werden. Die Grünfläche brauche aber vier zusätzliche Mitarbeiter sowie 200.000 Euro extra für externe Gärtner.

In der ersten politischen Beratung im Umweltausschuss wurde der Antrag erst einmal abgelehnt. Die SPD wollte nur 200.000 Euro genehmigen aber keine zusätzlichen Stellen. Die CDU lehnte beides ab –  ohne weitere Begründung. FDP und Grüne waren bereit, dem Verwaltungsvorschlag zu folgen, hatten aber keine Mehrheit. Erst debattieren und dann ablehnen: „Das ist ja wohl eine absurde Lach-Nummer“, schimpfte Ludger Reffgen (Bürgeraktion): „Dafür habe ich kein Verständnis.“

Zuvor hatte die CDU mit Hilfe der SPD einen Antrag durchgebracht. Die Verwaltung möge prüfen, ob Rasenflächen zu Streuwiesen umgewandelt werden könnten, um den Pflegeaufwand zu reduzieren. Baudezernentin Rita Hoff wies ausdrücklich darauf hin, dass es genau umgekehrt sei: Streuwiesen brauchen mehr Aufwand als normale Rasenflächen. Das hatte die Verwaltung zudem schriftlich zu dem Antrag erläutert.

CDU und SPD beschlossen trotzdem mit Mehrheit den Antrag, der in der Konsequenz den städtischen Pflegeaufwand weiter erhöht.

Mehr von RP ONLINE