Hitzegeplagte Straßenbäume NRW-Forstexperte warnt vor Hitzestau in der Stadt

Hilden · Rund 12.000 Straßenbäume gibt es in Hilden. Immer mehr von ihnen verfärben sich oder werfen ihre Blätter ab. „Ein Alarmzeichen“, findet Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz. Er warnt vor Auswirkungen auf das Stadtklima.

 Landessprecher

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Foto: rp/Wald und Holz NRW

Straßenbäume haben unter der andauernden Hitzeperiode deutlich stärker zu leiden, als jene, die im Wald wachsen. „Sie brauchen momentan unsere ganze Hilfe“, sagt der Sprecher des Landesbetriebes „Wald und Holz NRW“, Michael Blaschke. Erforderlich seien 50 bis 80 Liter Wasser pro Baum. Und das jeden Tag – entsprechend gut müsse die Logistik funktionieren.

Daher befürwortete der Biologe jetzt im Gespräch mit unserer Redaktion auch ausdrücklich das Engagement der Feuerwehren überall im Land beim Gießen der vielen Pflanzen. Denn so toll und begrüßenswert die Hilfsbereitschaft vieler Bürger auch sei: „Diese Mengen an Wasser können Sie mit der Gießkanne einfach nicht aufbringen.“

Die Hildener Stadtverwaltung verzichtet nach wie vor auf den Einsatz der Feuerwehr. Der Bauhof bringe Tag für Tag etwa 27.000 Liter Wasser im Stadtgebiet an die Pflanzen, heißt es aus dem Rathaus.

Rund 12.000 Straßenbäume gibt es in Hilden. Immer mehr von ihnen verfärben sich in diesen Tagen oder werfen sogar ihre Blätter ab. „Ein Alarmzeichen“, findet Michael Blaschke: „Diese Bäume haben Stress und kämpfen sozusagen um jeden Tropfen Wasser.“ Die vielen versiegelten Flächen in der Stadt würden verhindern, dass die Straßenbäume ähnlich tiefe und breit ausfächernde Wurzeln bilden können, wie ihre Verwandtschaft im Wald. Um das Wasser möglichst lange halten zu können, werden sie also die Blätter los.

„Dabei handelt es sich um eine natürliche Schutzreaktion“, betont die Hildener Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite. Kein gesunder Baum werde aufgrund der aktuellen Hitzewelle austrocknen, heißt es da. „Stimmt“, bestätigt auch Biologe und Baumexperte Blaschke. „Aber für dieses Jahr ist der kühlende Klima-Effekt damit auch dahin“, fügt er kritisch hinzu.

Ein großer Waldbaum beispielsweise verarbeitet an einem Sonnentag bis zu 9.400 Liter Kohlendioxid. Das entspricht dem durchschnittlichen Kohlendioxidabfall von zwei bis drei Einfamilienhäusern. 36.000 Kubikmeter Luft strömen dabei durch Blätter, zusammen mit Bakterien, Pilzsporen, Staub und anderen schädlichen Stoffen, die größtenteils im Blatt hängen bleiben.

Viele blattlose Bäume in der Innenstadt verhinderten diesen Effekt und verschärften damit das Problem von Hitze-Inseln und anderen Klimawandel-Auswirkungen, betont Michael Blaschke: „Daher ist es so wichtig, dass wir uns gerade jetzt um die Straßenbäume kümmern.“

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