Hilden Neun Generationen erforscht

Düsseldorf · Claus Meissner hat seine Familiengeschichte bis ins Jahr 1610 zurückverfolgt. Dabei stieß der Hildener auf spannende, traurige, aber auch sehr kuriose Geschichten. Eine führte ihn zu einem alten Grab.

Claus Meissner beugt sich tief über den 7,5 Meter langen ausgebreiteten Stammbaum und sucht nach einem ganz bestimmten Namen. Es ist der Name seiner verstorbenen Frau Anita.

An dieser Stelle verbinden sich zwei große Stammbäume miteinander, die Meissners und die Kienekes — beides Vorfahren seiner vier Enkel Till, Katja, Annika und Max. Für sie hat Meissner die Familiengeschichte mit Hilfe von Hobby-Ahnenforscher Dirk Westerweg bis ins Jahr 1610 zurückverfolgt.

"Meine Enkel sollen wissen, woher sie stammen", sagt der 71-jährige Hildener. Auf dem ausgedruckten Stammbaum zeigt er auf Christian Martin Lorenz Meissner, seinen Urururgroßvater, der 1801 Maria Elisabeth Katharina Renneke heiratete.

"Er ist der älteste meiner Vorfahren, den ich bisher finden konnte", sagt der gelernte Goldschmied. "Die Familiengeschichte meiner Frau konnte ich sogar bis ins Jahr 1610 zurückverfolgen." Insgesamt umfasst der Stammbaum 569 Personen mit 194 verschiedenen Familiennamen.

Alles fing an mit alten Fotografien. "Ich habe meine entfernten Verwandten angeschrieben und sie um alte Familienfotos und Geschichten gebeten", erzählt Meissner. "Diese habe ich im Laufe der Jahre gesammelt. Anschließend bin ich in den Harz gereist und habe mich auf die Spuren meiner Ahnen begeben."

Doch die Suche war nicht einfach. "Alles, was sich vor 1876 ereignet hatte, ist nur in Kirchenbüchern festgehalten worden", sagt der 71-Jährige. "Doch viele sind verschollen oder existieren nicht mehr."

Mit Hilfe eines Computerprogramms haben Meissner und Westerweg in den vergangenen zwei Jahren den Stammbaum Stück für Stück zusammengesetzt — zwölf Generationen haben sie bereits erforscht. "Es ist wie ein Puzzle", sagt der Hildener. "Man spielt Detektiv und setzt das Bild nach und nach zusammen."

Jetzt hat Meissner für seine vier Enkel jeweils ein Album zusammengestellt, in dem nicht nur der Stammbaum abgebildet ist, sondern auch auf rund 110 Seiten detailliert die Lebensläufe der einzelnen Familienmitglieder beschrieben sind. "Das Album erhalten sie als Erbe", sagt der ehemalige Schmuckdesigner. Zusätzlich enthält es alte Dokumente und Briefe.

Etwa eine Urkunde aus dem Jahre 1773, in dem Vorfahren seiner Frau Land erworben haben. Die dazu formulierten Auflagen haben Meissner und Westerweg mühsam übersetzt. "Die alte Schrift war kaum zu entziffern", sagt der 71-Jährige.

In einem weiteren Dokument berichtet Meissners Urgroßvater von seiner Arbeit als Beleuchter im Dienst von Richard Wagner. Besonders kurios war jedoch 1980 eine Reise nach Ostpreußen in die Vergangenheit seiner Frau. Niemand wusste bis dato, was aus der Großmutter väterlicherseits geworden war. Sie war im Krieg verschollen.

"Meine Frau und ich reisten mit unseren Kindern in den Ort, in dem sie damals lebte", erzählt Meissner. "Hier trafen wir eine alte Frau, die sich noch an die Großmutter erinnern konnte. Sie fragte uns, ob wir ihr Grab sehen wollen. Da waren wir sprachlos." Ein Erinnerungsfoto davon befindet sich jetzt im Familienordner, der den Enkeln eines Tages vererbt wird.

Doch Claus Meissner ist noch nicht fertig mit seiner Forschung. "Es gibt eine Familiensaga, die ich überprüfen möchte. Ein gewisser Meissonier soll 1730 bei der Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich in die Pfalz ausgewandert sein. Dies könnte ein Ahne von mir sein."

(RP)
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