Hilden : Großmutter schreibt viertes Kinderbuch

Heidi Oberscheidt kann es nicht lassen: Ihre eigenen Enkel taugen nur noch zum Korrekturlesen, aber es gibt ja noch andere kleine Kinder, die ihr bestimmt gerne zuhören.

Vor zwei Jahren ist ihr drittes Buch erschienen: „Mampfi auf dem Weg ans Meer“. Damals sagte sie: ‚Das ist jetzt aber wirklich mein letztes.‘ Und jetzt hat sie es wieder getan: Rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse ist Kinderbuch Nummer Vier aus dem Hause Oberscheidt erschienen: „Mampfi sucht das weiß nicht wo“ heißt es und richtet sich an Kinder zwischen fünf und sieben Jahren. Heidi Oberscheidt (77) hat das Hotel in Frankfurt bereits gebucht: „Ich fahre mit meinem Mann hin. Schließlich will ich mein Buch im Regal sehen. Schau’n Sie mal:“ - Die Kinderbuchautorin zückt ihr Smartphone und sucht nach dem Fotobeweis: Sie vor einem Regal mit dem Vorgänger-Mampfi auf der Messe 2016.

Oberscheidt sieht sich in einer langen familiären Erzähltradition: „Mein Opa hat Geschichten erzählt, meine Mutter hat Geschichten von Mäuschen erzählt und ich habe das schließlich bei meinen beiden Kindern und den drei Enkeln auch gemacht,“ sagt sie. Der Opa der Ur-Hildenerin hat in den Bombennächten des 2. Weltkriegs bis zu zehn Kindern Geschichten erzählt – eigene. „Hier im Keller war das.“ Sie lebt noch heute in dem Haus aus den 1930er Jahren und denkt sich dort ihre Geschichten aus. „Als meine Kinder erwachsen waren und ich bereits den Enkeln vorgelesen habe, meinten sie: Schreib das mal auf.“

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Heidi Oberscheidt tat es und machte sich irgendwann auf die Suche nach einem Verlag. 2008 erschien „Das Mäuschen Fridolin“, eine Sammlung ihrer am eigenen Nachwuchs getesteten Mäusegeschichten: „Ich habe das damals auch bei meinen Enkeln in der Grundschule vorgelesen. Wenn die Kinder nicht mehr ruhig sind, ist es nicht spannend.“ Niedlich fand sie die Kinder mit ihren Fragen. „Die wollten ganz genau wissen, wie viel Geld ich pro Buch bekomme und wie ein Buch in den Handel kommt.“ Heidi Oberscheidt, die gelernte Kauffrau, hat es ihnen erzählt.

Ihre Bücher erscheinen im Selbstverlag – sie muss in Vorleistung gehen und die Illustrationen bezahlen. Ihr Mann habe nichts dagegen: „Der hat gesagt ’Mach’ es.’“

2013 dann erschien beim Berliner Frieling Verlag „Der kleine Mampfi“, Geschichten eines Wichtelmännchens.“ Mampfi lebt in der Welt der Menschen und kann mit den Tieren sprechen. 2016 erschien „Mampfi auf dem Weg ans Meer“ und jetzt „Mampfi sucht das „weiß nicht wo.“

Heidi Oberscheidt schenkt Kaffee nach und sagt fast verschämt: „Die zwei müssen doch ein Zuhause finden. Die wissen ja nicht, wo sie herkommen.“ – Deswegen musste sie noch einen Band nachlegen. Ehe man sich’s versieht, beginnt sie zu erzählen: Von der mühevollen Suche der Wichtel Mampfi und Lila nach ihren Wurzeln. „Sie gehen in den Zoo und fragen die Tiere, werden von einem zum anderen geschickt. Das ist nicht so einfach, denn sie können ja nicht lesen.“ Schließlich finden sie ein Tier, das sich ziemlich sicher ist zu wissen, wo die Wichtel herkommen.

Lektorin Lea Behrend sagt über das neue Mampfi-Buch: „Heidi Oberscheidt gelingt es geschickt, ein wichtiges und zeitgenössisches Thema – die Suche nach der eigenen Heimat und Identität – mit einer kindgerechten und unterhaltsamen Handlung zu verbinden. Untermalt wird die liebenswerte Geschichte mit farbenfrohen Illustrationen von Severin Klisch.“

Das ist aber jetzt wirklich der letzte Buch, oder? „Ich habe nichts mehr in der Schublade“, beeilt sich Heidi Oberscheidt zu sagen. Es ist ein teures Hobby, das sich die ehemalige Geschäftsfrau (Wurst- und Fleischwarenhandel) da gönnt. „Andere fahren in Urlaub“, sagt sie. Das Ehepaar Oberscheidt nicht mehr: „Mein Mann hat seine beiden Oldtimer“, sagt sie lakonisch. – Schade für die Fans von Mampfi.