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Neues Gesetz verlangsamt Verkehr

1,5 Meter Abstand zu Radlern : Abstands-Verordnung bremst Verkehr

Autofahrer müssen künftig 1,50 Meter Abstand halten, wenn sie Radfahrer innerorts überholen. Weil die meisten Straßen in Hilden zu schmal sind, müssen sie dann auf die Gegenfahrbahn ausweichen.

Ein einzelner Radfahrer als Anführer einer stattlichen Fahrzeugkolonne: Das könnte bald Alltag werden auf Hildens Straßen, etwa auf der Klotzstraße, der Richrather Straße oder der Gerresheimer Straße. Der Bundesrat hat beschlossen: Autofahrer müssen künftig innerorts mindestens 1,5 Meter seitlichen Sicherheitsabstand zu Radfahrern halten. So wird es in der Straßenverkehrsordnung stehen. Offen ist nur noch, ab wann das neue Gesetz genau in Kraft tritt.

Die allermeisten Straßen in Hilden, auch die Durchgangsstraßen, sind so schmal, dass Autofahrer mit großer Wahrscheinlichkeit – Bus- und Lastwagenfahrer auf jeden Fall – auf die Gegenfahrbahn werden ausweichen müssen, wenn sie Radler regelkonform überholen wollen. Das bestätigt Lutz Groll vom Planungsamt, Fahrrad-Experte im Rathaus: „Dazu muss die Gegenfahrbahn natürlich frei sein.“

Der ADAC Nordrhein rät allen motorisierten Verkehrsteilnehmern, sich daran zu halten: „Wenn die Straße zu eng ist, sollten Autofahrer im Sinne der Verkehrssicherheit auf Überholmanöver verzichten.“

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Deutschland wird sich bei den Herstellern von Überwachungstechnik für den Straßenverkehr dafür einsetzen, dass diese „standardisierte Messverfahren“ für Abstandsunterschreitungen beim Überholen entwickeln, kündigt Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC in Berlin an. Mit anderen Worten: Nur wenn die Einhaltung des neuen Gesetzes kontrolliert und Verstöße bestraft werden, werde sich auch die Sicherheit für Radfahrer verbessern.

80 Prozent des Straßenraums seien aktuell für das Auto reserviert, ergänzt Christina Wolff, Pressereferentin des ADFC NRW: „Langfristig brauchen wir eine Trennung von Fußgängern, Radfahrenden und Menschen, die Auto fahren – damit es nicht immer wieder zu Konflikten kommt und jeder seinen eigenen Verkehrsraum hat. In Holland und Kopenhagen funktioniert das zum Beispiel sehr gut.“ Der ADFC bevorzuge deshalb so genannte „Geschützte Radfahrstreifen“, die es bereits in Berlin und anderen Städte gebe.

Dafür fehlt es auf vielen Hildener Straßen jedoch schlicht an Straßenbreite. Es gibt in der fast fertig gebauten „kleinen Großstadt“ keine Raumreserven mehr, um ein großzügiges eigenes Radverkehrsnetz anzulegen. Das zeigen einige Fakten. Für einen „Einrichtungsradweg“ parallel zu einer Straße schreiben die geltenden Regelwerke eine Straßenraumbreite von insgesamt 21 Meter vor. Die Richrather Straße ist (in Höhe des Hauses Nr. 98) mit Gehweg-Parkstreifen, Fahrbahn-Parkstreifen-Gehweg aber nur 17,5 Meter breit: die Gerresheimer Straße Höhe Nr. 148) nur 16,6 Meter und die Hochdahler Straße (Höhe Nr. 104) nur 15,3 Meter. Deshalb hat die Stadt parallel zu den Hauptverkehrsachsen eigene Radverkehrsrouten durch Tempo-30-Zonen und Wohngebiete eingerichtet – und selbst Teile der Fußgängerzone für Radler freigegeben. Die Einrichtung von weiteren Fahrradstraßen (bislang ist die Hagelkreuzstraße die einzige Fahrradstraße Hildens) wird geprüft: aktuell die Schul-, Pungshausstraße, Am Strauch, der Zug Luisen-/Augusta-/Hagdorn-/Hummelsterstraße, der Straßenzug Am Jägersteig, Am Stadtwald, Schlichterweg sowie die Bismarckstraße.

Tempo 30 innerorts ist für viele Autofahrer ein rotes Tuch, wird aber ernsthaft vom Oberverwaltungsgericht Münster als Mittel diskutiert, um Dieselfahrverbote in Innenstädten zu vermeiden und die Luftreinhaltevorschriften einzuhalten.