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"Mobile Redaktion" der RP in Haan: Neues Denken für die Haaner City nötig

"Mobile Redaktion" der RP in Haan : Neues Denken für die Haaner City nötig

Zu viel Beton in der Innenstadt, zu wenig Aufenthaltsqualität und zugleich ein fehlender Einkaufs-Magnet. Das sind, kurz gefasst, die Hauptprobleme, die aktuell in der Gartenstadt angepackt und möglichst bald gelöst werden müssen.

Bei der "Mobilen Redaktion", zu der die Rheinische Post gestern Nachmittag auf den Neuen Markt eingeladen hatte, diskutierten zeitweise bis zu 50 Bürger unterm Pavillon-Zeltdach.

Dabei wurde deutlich: In Politik und Verwaltung hat ein Umdenken eingesetzt. Nicht mehr das große Windhövel-Center wird als Allheilmittel angesehen, sondern ein stimmiges Gesamtkonzept für die City.

Engin Alparslan, seit dem vorigen Herbst Technischer Beigeordneter der Stadt, steckte ein Ziel: "Wir müssen es schaffen, dass die Bürger und Kunden nicht abwandern." Der Trend habe längst begonnen. Der Baudezernent machte aber deutlich, dass neben einer größeren Aufenthaltsqualität auch ein attraktives Einzelhandelsangebot von Bedeutung ist. Während die Ansiedlung von Discountern am Stadtrand die dortige Unterversorgung behoben habe, gebe es nunmehr in der Stadtmitte ein zu kleines Angebot — auch bei Lebensmitteln.

Es gab Kritik an der Bürgerinitiative Innenstadt Haan (BIIH), die seit Jahren gegen die Center-Pläne des potenziellen Investors ITG ankämpft. Dirk Flügel, Vorsitzender der Initiative "Wir für Haan" und Einzelhändler im Bereich Windhövel, nahm diese Gruppe in Schutz ("Das sind kritische Betrachter") und bat künftig um eine verbesserte Streitkultur ohne persönliche Anfeindungen. "Wir hätten gerne ein Einkaufszentrum, aber eben nicht dieses!", lehnte Flügel die ITG-Pläne mit bis zu 9600 Quadratmeter Verkaufsfläche ab.

Der frühere Planungsamtsleiter und Technische Beigeordnete Ulrich Trapp erinnerte an eine Vielzahl von Ideen und Konzepten, die in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt worden sind. Die Unterlagen sollten aus den Archiven geholt werden, um den Extrakt in neue Überlegungen einfließen zu lassen. Engin Alparslan stellte aber klar, die Stadt könne nur den Rahmen schaffen, der letztlich von Investoren und Handel ausgefüllt werden müsse.

BIIH-Vorsitzender Hans-Peter Bretschneider sieht in einem Center kein Allheilmittel. Center führten ein Eigenleben, bereicherten aber nicht den Handel im Umfeld. "Die ganze Mittelstraße ist Hilden", brachte Eberhard Röhricht (BIIH) ein Beispiel für die Angebotsvielfalt. Daher brauche Haan keinen Betonklotz. Der Handel insgesamt könne sich als Kaufhaus verstehen, fand Ulrich Trapp. Um die Vielfalt zu erreichen, brauche es ein gutes Management. In diese Richtung geht auch ein Antrag der fraktionslosen Ratsfrau Meike Lukat, die für ein Konzept Haushaltsmittel bereitgestellt wissen möchte.

Alparslan betonte, bei allen Wünschen müsse man sich aber auch der Realität stellen und die Eigentumsverhältnisse sehen. "Wenn ITG das macht, was für uns gut ist, dann ist das in Ordnung", fand der Baudezernent. Der Investor "sagt schon jetzt, es geht auch kleiner".

Durch die jahrelange Hängepartie, die durch zwei letztlich vom Oberverwaltungsgericht Münster gestoppten Bebauungsplänen ausgelöst worden ist, sei manche Entwicklung gar nicht erst angelaufen, merkte Ulrich Trapp an. Nicht nur er hoffte, dass bald eine Wende erreicht werden kann.

(RP/ila)