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Hilden: Neuer Reichshof soll Energie gewinnen

Hilden : Neuer Reichshof soll Energie gewinnen

Investor Evohaus will 65 CO2-neutrale Eigentumswohnungen ab Spätherbst für 9,2 Millionen Euro errichten.

Seit fünf Jahren plant die katholische Kirchengemeinde Hilden einen Ersatz für den alten Reichshof an der Hochdahler Straße. Am 13. Februar steht das Großprojekt erneut auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses. Die Mitglieder des Fachausschusses beraten über einen Aufstellungsbeschluss.

Hintergrund: Der Bebauungsplan muss geändert werden, damit der Siegerentwurf eines Architekturwettbewerbs (Molestina Architekten Köln) von April 2012 umgesetzt werden kann. Die Kirchengemeinde arbeite am Bauantrag für das geplante neue Gemeindezentrum, sagt Kirchenvorstand Peter Stuhlträger: "Wir hoffen, den Antrag im Laufe des Jahres stellen zu können." Das dreigeschossige Pfarrzentrum ahmt die Form einer Jacobs-Muschel (Jacobus ist der Namenspatron der Gemeinde) nach und soll aus wiederverwerteten Reichshof-Ziegeln errichtet werden.

An der Hochdahler- und Mühlenstraße sind in einem Dreieck viergeschossige Gebäude mit 65 Eigentumswohnungen (60 bis 140 Quadratmeter Größe) geplant, die sich um einen grünen Innenhof gruppieren. Investor Evohaus plant ein "Energiegewinnquartier", erläuterte dessen Geschäftsführer Heinz Hanen: "Die Energie, die vor Ort gebraucht wird, wird auch vor Ort erzeugt. Mit unserem Zukunftsmodell können Gemeinden jetzt selbst signifikant, sofort und nachhaltig zum Klimaschutz beitragen." Mit Hilfe der Sonne erzeugt eine Photovoltaik-Anlage Strom. Überschüsse werden ins Netz eingespeist.

Eine überdurchschnittliche konsequente Wärmedämmung kombiniert mit einer speziellen Haustechnik wie etwa Energierückgewinnung, Wärmespeicherung und kontrollierter Wohnraumlüftung senke zusätzlich den Energiebedarf. Das von dem Karlsruher Unternehmen entwickelte Energiegewinnquartier reduziere nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern sei auch sozial.

Denn durch die ausschließlich regenerative Energieversorgung werde die so genannte zweite Miete drastisch reduziert. Die niedrigen Nebenkosten kämen allen Bewohnern zugute und entlasteten besonders junge Familien. Die vorgesehene Tiefgarage wird über die Hochdahler Straße angefahren; die Ausfahrt erfolgt über die Mühlenstraße. Um diesen Kompromiss war bei alten Planungen mit den Anwohnern ein Jahr lang gerungen worden.

Evohaus will in sein erstes Projekt in Hilden rund 9,2 Millionen Euro (reine Baukosten) investieren, sagt Geschäftsführer Heinz Hanen. Wenn alles klappt und der Satzungsbeschluss für den neuen Bebauungsplan vorliegt, könnten im Spätherbst 2013 die Bauarbeiten beginnen, erläuterte der Geschäftsführer. Vor Weihnachten 2014 sollen die ersten Bewohner einziehen.

Für den Abriss rechnet Hanen mit "mindestens vier Monaten". Die erforderliche Genehmigung liegt bereits vor. Lutz Groll, stellvertretender Leiter des Planungsamtes, hat die konkretisierten Pläne von Molestina Architekten noch nicht gesehen. Der Entwurf berücksichtige die grundsätzlichen Interessen der Stadt: eine neue Wohnbebauung, ein neues Gemeindezentrum und einen neu erstellten Platz zwischen Gemeindezentrum, St.-Jacobus-Kirche und Mittelstraße: "Daran hat sich nichts geändert."

Bei der nötigen Änderung des Bebauungsplanes werden auch die Bürger beteiligt, betonte Birgit Alkenings, Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses bei der Vorstellung der vom Preisgericht ausgezeichneten Architektur-Entwürfe. Das letzte Wort hat der Stadtrat.

(RP/jco)