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Musikschule in Hilden: "Neue Angebote müssen nicht teurer sein"

Musikschule in Hilden : "Neue Angebote müssen nicht teurer sein"

Eva Dämmer hat vor fünf Monaten die Leitung der Musikschule Hilden übernommen. 2015 wird aus dem Projekt Jeki "Jekits".

Wie sind Sie in Hilden aufgenommen worden?

Dämmer Sehr sehr gut. Die Kollegen haben mir an einem ersten Arbeitstag ein Ständchen gebracht. Und es gab Blumen von allen Seiten - ein Blumenmeer.

Sie haben zuvor 25 Jahre die Musikschule Haan geleitet. Was ist in Hilden anders?

Dämmer Die Musikschule steht in Hilden ganz anders da. In Haan war sie ein Verein und ständig in Geldnot. In Hilden ist sie eine kommunale Einrichtung mit gut 30 angestellten und noch einmal so vielen freien Mitarbeitern, gut 3000 Schülern und einem Etat von 1,6 Millionen Euro.

Wie hoch war der Etat der Musikschule Haan?

Dämmer Das habe ich verdrängt. In Hilden ist die Musikschule als städtische Einrichtung ganz anders anerkannt. Darum haben wir in Haan immer kämpfen müssen. Als Leiterin einer kommunalen Einrichtung genieße ich hier auch, mich bei Bedarf auf Unterstützung durch die Verwaltung verlassen zu können. Wenn mein PC nicht funktioniert, kümmert sich die IT-Abteilung darum. Ob Fragen oder formale Dinge zu klären sind, es gibt immer Ansprechpartner, die Auskunft geben. Das finde ich in Hilden so angenehm, wirklich bemerkenswert.

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Die Stadtfinanzen in Hilden sind nicht in einem so schlimmen Zustand wie in Haan. Gespart werden muss aber auch hier. Muss die Musikschule dazu einen Beitrag leisten?

Dämmer Natürlich. Zunächst einmal werden zum 1. Februar 2015 die Unterrichtsgebühren angehoben. Aber das war schon vor zwei Jahren klar. Die Erhöhung um 4,6 Prozent im Schnitt halte ich auch für moderat. Dadurch bleibt der Deckungsgrad annähernd gleich. Angesichts von steigenden Personalkosten ist das ein Erfolg. Darüber hinaus denken wir auch über neue Angebote und Unterrichtsformen nach, die nicht zwangsläufig teurer sein müssen. Hintergrund: Auch Familien müssen sparen, nicht nur Kommunen. Und die Angebote der Musikschule sollen natürlich grundsätzlich weiterhin allen zugänglich sein.

Was wollen Sie in der Musikschule Hilden verändern?

Dämmer Die Musikschule genießt ein ausgesprochen gutes Ansehen. Die hohe Qualität des Unterrichts, die Kooperationen mit Kitas und Schulen, die vielen Auftritte und Veranstaltungen sind etwas, was ich unbedingt erhalten und weiterführen möchte. Dennoch gibt es natürlich hier und da Dinge, die ich verändern würde. Das ist ein Prozess und es geht um viele kleine Sachen. Wichtig ist, dass wir das als gesamtes Musikschul-Team angehen. Ich habe zu Beginn des Schuljahres das Kollegium zusammengetrommelt. Jeder konnte sich äußern. Dabei ist einiges zusammengekommen, was wir nach und nach angehen wollen.

Was wollen Sie konkret angehen?

Dämmer Beispielsweise die Unterrichtszeiten. Sie werden von heute 22,5 auf 30 Minuten umgestellt. Das war mir - und auch den Kollegen - pädagogisch ganz wichtig. Um vernünftig unterrichten zu können, braucht man schon 30 Minuten.

Weitere Veränderungen?

Dämmer Im Bereich der Veranstaltungen. So haben wir schon in diesem Jahr die Länge des großen Weihnachtskonzertes auf unter zwei Stunden begrenzt. Dennoch waren alle Ensembles beteiligt und konnten sich präsentieren. Sie saßen aber schon auf oder vor der Bühne. Das spart Umbaupausen. Das ist vom Publikum angenommen worden.

Welche Schwerpunkte wollen Sie im kommenden Jahr setzen?

Dämmer Ich möchte die Musikschule durch eine stärkere Vernetzung mit Ämtern, Institutionen, Einrichtungen, Vereinen und Personen aus den Bereichen Kultur, Jugend und Soziales noch stärker als Bestandteil der Kultur- und Bildungslandschaft positionieren. Mir ist wichtig, dass wir als Musikschule gesellschaftliche Verantwortung über den reinen Musik(schul)bereich hinaus übernehmen.

An Jeki (Jedem Kind ein Instrument) nehmen alle Grundschulen teil.

Dämmer Das ist ein ganz wichtiges Programm. In Hilden machen mehr als 800 Grundschüler bei Jeki mit. Ab kommendem Schuljahr weitet die Landesregierung das Programm auf ganz NRW aus. Das ist mit einem Wechsel verbunden. Aus Jeki wird Jekits: Die beiden letzten Buchstaben stehen für tanzen und singen. Tanzen und Singen mit hinzuzunehmen, halte ich für einen guten Gedanken. Nachteil ist, dass sich die Schulen für einen Schwerpunkt entscheiden müssen. Lieber würden wir das Singen mit hinzunehmen. Ansonsten ändert sich für uns an der Landesförderung nicht viel.

Soll die Musikschule Spitzen- oder mehr Breitenförderung machen?

Dämmer Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Ohne Breiten- keine Spitzenförderung: Für junge Talente ist es wichtig, sich mit anderen zu messen - etwa bei Jugend musiziert. Die Teilnahme dort ist für mich aber keine Voraussetzung für ein Musikstudium. Ich möchte schon bei Jeki anfangen, talentierte Kinder zu fördern - ohne zu wissen, was einmal daraus wird.

CHRISTOPH SCHMIDT STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)