Hilden/Haan: Nähen - ein Hobby liegt voll im Trend

Hilden/Haan: Nähen - ein Hobby liegt voll im Trend

Die Kurse sind stark nachgefragt. Geschäfte versorgen die Hobbyschneider mit Stoffen, Kurzwaren und Maschinen.

Nähkurse sind stark nachgefragt. Geschäfte in Hilden und Haan versorgen die Hobbyschneider mit Stoffen, Kurzwaren und Maschinen. Wir haben uns einmal umgehört.

Wenn die Evangelische Erwachsenenbildung Hilden Nähkurse anbietet, sind sie rasch ausgebucht, weiß eeb-Leiterin Susanne Pramann. Teilnehmerinnen wollen selbst etwas nähen - ob Taschen, ein T-Shirt für sich oder Kleidung für den Nachwuchs. Andere haben eine Nähmaschine und wollen sie und ihre Möglichkeiten näher kennenlernen. Stylische Do-it-Yourself-Portale, Blogs und Nähtutorials bei Youtube erreichen hohe Klickzahlen.

Nähen liegt als Hobby voll im Trend. Das beobachtet auch Maria Droste, die seit 18 Jahren als selbstständige Designerin und Maßschneiderin mit eigenem Atelier an der Richrather Straße 6-8 in Hilden tätig ist. So manche Teilnehmerin aus allgemeinen Nähkursen kommt zu ihr und arbeitet unter Anleitung an eigenen Kreationen. Nähen ist ein komplexes Hobby, setzt Millimeterarbeit voraus und Wissen um verschiedene Stoffarten, Garne, Naht-Arten voraus. Am Ende des Weges steht auf jeden Fall ein Unikat.

In den Regalen hat Maria Droste-Reich hochwertige Stoffe aus Italien. "Die Kunden wollen den Stoff sehen, ihn fühlen, ihn vor sich halten, etwas darüber wissen", sagt die Maßschneiderin, die sich bewusst gegen ein Online-Angebot entschieden hat. "Kunden wollen Stoff nicht nur kaufen", weiß sie und spricht von den passenden Schnitten und Tipps zur Verarbeitung. Auch Anja Kopecki betreibt keinen Online-Shop. Allerdings nutzt sie das Internet als Schaufenster für ihr Geschäft "Tante Hilde" an der Schulstraße 34. Ob Jersey oder Mantelstoff, Wollware oder Seidenartiges, ob uni, dezent oder groß gemustert. Dazu passende Garte, Bündchen, Reißverschlüsse - all das findet sich im vorderen Teil des Geschäftes. Anja Kopecki näht seit mehr als 30 Jahren, erwarb ihr erstes Wissen in einem Nähkursus bei einer Schneiderin. Im hinteren Teil stehen mehrere Nähmaschinen auf Arbeitstischen. Hier betreibt Geschäftspartnerin Ulla Kraus die Nähwerkstatt. Die bietet nicht nur Nähkurse an (alle sind voll, für Interessenten gibt es Wartelisten), sondern sogar Nähnachmittage als Kindergeburtstags-Event. Genäht würden hauptsächlich Kleidung oder Kleindeko. "Viele starten mit Kinderkleidung, nähen später auch für sich selbst", weiß Anja Kopecki.

Bianca Schüring hat vor vier Jahren das "Stoff-Ambiente" in Haan-Gruiten eröffnet. Von der Bahnstraße 66 aus betreibt sie einen Online-Shop, verkaufte darüber bislang rund 24.000 Produkte. Alle erdenklichen Stoffarten, Nähgarne, Overlockgarne, Kurzwaren, Webbänder, Schrägbänder, Zackenlitze, Paspelbänder, Gummibänder, Schnitte für Kinder und Erwachsene sowie Taschen - zusammen knapp 4000 Produkte - hat die Kauffrau im Sortiment. Fünf Mitarbeiter sind in der Nähschule tätig, drei im Verkauf. Zehn Nähkurse (in sechs davon sind noch Plätze frei) stehen im zweiten Quartal auf dem Plan. Darunter sind auch zwei Nähkurse für Kinder in den Osterferien. Vereinzelt zählen auch Männer zu den Kurskunden."Ich selbst nähe seit zwölf Jahren und es gibt einen stetigen Begeisterungszuwachs", beschreibt Bianca Schüring ihre eigene Position. Das Gesellschaftsphänomen Nähen erklärt sie sich so, dass Selbstgenähtes sich einfach deutlich von Massenware abgrenzt. Die Vielzahl von Tutorials auf Internetportalen und der Austausch in den einschlägigen Foren begünstige die Verbreitung des Hobbys. "Wenn man eine leidenschaftliche Näherin ist, ist das wie eine Sucht!"

(-dts)