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Nachdem Besucher über Ausschlag klagten: Waldbad lässt Bereich gesperrt

Hilden : Raupen: Waldbad will nacharbeiten

Das Waldbad bleibt geöffnet, ein Teilbereich der Liegewiese ist allerdings weiterhin gesperrt. Die befallenen Bäume werden nachgearbeitet und die Wiese gewässert, um die giftigen Haare der Raupe zu binden.

Das Ganze geschehe „vorsorglich“, betont Stadtwerke-Sprecherin Sabine Müller. Denn die beauftragte Fachfirma habe keinen akuten Befall der Eichen auf dem Gelände mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners feststellen können. „Wir lassen die befallenen Bäume nacharbeiten“, erklärt Ingo Paßenheim, Centerleiter Bäder bei den Stadtwerken Hilden. Dann soll die Liegewiese in diesem Bereich gewässert werden, um die Brennhaare zu binden. In dem Bereich vor dem Kinderspielplatz, der nicht direkt unter den Eichen steht und daher geöffnet bleibt, dürfen momentan keine Badegäste liegen.

Dieses Verfahren hatte unser Experte, Professor Heinz Mehlhorn von der Universität Düsseldorf, empfohlen: „Da bleibe nur: Rasen mähen und aufsaugen“, hatte der Biologe gesagt. Auch darüber denken die Stadtwerke nach. Dafür müssten aber noch eine Reihen von technischen Problemen gelöst werden. Außerdem wird die Rinde der Eichen noch einmal speziell gesäubert, damit sich auch dort keine Haare mehr befinden. „Wir müssen auf Nummer sicher gehen“, sagt die Stadtwerke-Sprecherin.

Nach unserer Berichterstattung über mehrere Besucher, die nach dem Besuch des Waldbades am Wochenende über heftigen Ausschlag klagen, haben sich weitere Badegäste bei den Stadtwerken gemeldet. Sie alle sind mit den Haaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen. Der Facebook-Beitrag einer Betroffenen ist mehr als 4000 Mal geteilt worden – darin hieß es, dass die Stadtwerke als Betreiber des Waldbades bereits seit einer Woche von den Nestern der gefährlichen Raupe Bescheid wussten. „Es stimmt, wir haben Anfang vergangener Woche mehrere Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt. Aber wir haben umgehend eine Fachfirma mit der Beseitigung beauftragt“, sagte Sabine Müller am Dienstag. Danach sei trotz ständiger Überprüfung kein weiteres Gespinst mehr entdeckt worden.

Die Mitarbeiter untersuchen unterdessen weiter jede Eiche auf dem Waldbad-Gelände. Außerdem ist die Stadt Hilden zuständig, die stadtweit ebenfalls nach Nestern des Eichenprozessionsspinners sucht. Ende Juni, Anfang Juli verpuppen sich die Raupen und werden zu unscheinbaren Faltern. Sie lassen in den Nestern ihre alte Haut und damit auch die Brennhaare mit dem Nesselgift zurück. Die können mitunter Jahre gefährlich bleiben. „Solange die kleinen Brennhaare keinen Aufprall auf Haut durchführen, bleiben sie aktiv. Also auch auf die Ferne vom Ursprungsbaum können Hautschäden bei Menschen und Tieren auftreten“, erklärt der Biologe Professor Heinz Mehlhorn.

Das Waldbad ist eines der schönsten und beliebtesten Freibäder in der Region und wird von Tausenden besucht, besonders an so heißen Tagen wie diesen. Es liegt mitten in einem Naherholungsgebiet. Was sonst die Badegäste erfreut, hat diesmal zu den geschilderten Problemen geführt. Mit jeder Häutung der Eichenprozessionsspinner-Raupen steigt die Zahl der Gifthärchen; vor der Verpuppung sind es um die 600.000. Sie sind sehr fein, brechen leicht und können durch Luftströmungen über weite Strecken getragen werden. Das heißt: Auch eine Kolonie weit weg irgendwo im Stadtwald kann unter ungünstigen Bedingungen zu juckenden Reizungen bei Waldbad-Gästen führen.