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Haan: Muslimische Grabfelder nicht gefragt

Haan : Muslimische Grabfelder nicht gefragt

Die Friedhofsverwaltung ist an Muslimen als Kunden interessiert. Die suchen aber eher Räume für rituelle Waschungen.

Muslimische Grabfelder sind — noch — nicht gefragt. Viele tote Muslime werden nach wie vor in ihre Heimat überführt. Bevor das passiert, müssen sie allerdings rituell gewaschen werden und dafür mangelt es an Räumlichkeiten. Zu dieser Erkenntnis ist Bernd Duske, der Leiter des Bauverwaltungsamts, nach dem Gespräch mit einem türkischen Mitbürger gelangt. Erhan Akyol lebt in Haan, arbeitet aber in Hilden und war dort bis vor kurzem der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde.

Duske ist in Haan auch zuständig für den kommunalen Waldfriedhof. Zurzeit arbeitet er an einer Vorlage zur Weiterentwicklung der kommunalen Ruhestätte. Eine Überlegung, wie man die vielen leeren Felder belegt bekommen könnte, besteht darin, ein Grabfeld für Muslime einzurichten. "Platz haben wir genug auf dem Waldfriedhof und wenn die Flächen für die Ewigkeit genutzt werden, wäre das für uns in Ordnung. Aber das muss die Politik entscheiden."

In Haan hat sich erst im Juli der Rat der Stadt mit dem Thema muslimische Grabfelder beschäftigt. Grund war die Anfrage der Stadtverordneten Meike Lukat. Sie wollte wissen, ob es in Haan oder Gruiten dergleichen gibt. — Bisher nicht.

Duske hat sich aber bereits umfassend informiert. "Muslime müssen in unberührtem Boden bestattet werden, da darf vorher nicht schon jemand anders gelegen haben. Die werden in Tüchern beerdigt, ausgerichtet nach Mekka." — All das ließe sich in Haan problemlos umsetzen. "Schwierig wird es allerdings mit der Pflege der Grabstätten." Von Wuppertaler Amtskollegen wisse er, dass sich dort die Friedhofsverwaltung mit einer muslimischen Gemeinde darauf geeinigt habe, dass die die Gräber pflegt, wenn die Angehörigen es nicht mehr tun. So stellt er sich das auch in Haan vor.

Dann hat er mit Erhan Akyol gesprochen — und war etwas ernüchtert: "Der hat gesagt, dass immer noch viele Moslems zur Bestattung in die Heimat überführt werden. Und dass es hier in Deutschland in erster Linie an Räumlichkeiten für die rituellen Waschungen fehle. Da seien die Angehörigen auf die muslimischen Bestatter angewiesen." Duske bezweifelt, dass die klamme Stadt erst Geld investieren wolle um dann — vielleicht — welches zu verdienen.

Erhan Akyol wiederholt gegenüber der RP seine Thesen und fügt hinzu: "Es werden in Zukunft Grabflächen für Muslime gebraucht. Bisher reichen aber noch die in den großen Städten wie Düsseldorf, Köln und Solingen-Ohligs."

Diese Erfahrung musste auch die Stadt Monheim machen. Bernd Duske weiß: "Die haben seit zwei oder drei Jahren ein Grabfeld für Muslime, aber bisher gab es keine einzige Nachfrage."

Im benachbarten Hilden kommt die Friedhofsverwaltung auch noch prima ohne aus. Friedhofsmeisterin Bettina Rech weiß von "zwei Anfragen in 18 Jahren." Und kann noch etwas Bemerkenswertes berichten:

"Wir haben neulich einen Muslim bestattet. Dessen Familie machte einen sehr modernen Eindruck. Die haben sich für einen Sarg entschieden und ihren toten Verwandten in einem Reihengrab bestatten lassen." Zwischen lauter Christen. —Für Strenggläubige wäre das undenkbar.

(RP)