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Hilden/Monheim: Muskelkrankheit: Pferdehalter besorgt

Hilden/Monheim : Muskelkrankheit: Pferdehalter besorgt

Die Tiere können sich vergiften, wenn sie Ahornsamen fressen. Mehrere Fälle wurden im Bergischen Land bekannt.

Für die 20 Jahre alte Paint-Stute "Flash" kam jede medizinische Hilfe zu spät. Mit schweren Vergiftungserscheinungen und heftigen Fieberschüben rang das schwarz-weiß gescheckte Pferd eine Stunde lang um sein Leben. Vergeblich: Der Tierarzt erlöste es schließlich per Spritze von seinen Leiden.

"Flash" ist eines von vier Reitpferden in Hückeswagen und Radevormwald, die in den vergangenen Wochen Opfer der so genannten Atypischen Weidemyopathie wurden. Das ist eine tückische Stoffwechselerkrankung, die die Muskulatur der Tiere befällt und sie zersetzt. Diese Krankheit ist schon seit vielen Jahren bekannt, doch in diesem Jahr sind verstärkt die Samen der Ahornbäume die Überträger, weiß der Veterinär des Kreises Mettmann, Joachim Müller.

"Es trifft in aller Regel Pferde, die ganzjährig auf den Weiden gehalten werden", erläutert der Mediziner auf RP-Anfrage. Noch sei ihm kein Fall der Atypischen Weidemyopathie in Haan und Umgebung bekannt geworden. Die Krankheit ist nicht meldepflichtig. Doch Müller rät dennoch zur Vorsicht: "Man muss seine Pferde im Auge behalten." Zeigen sich bei ihnen kolikartige Symptome oder wollen sie nicht mehr aufstehen, "ist höchste Eisenbahn", betont der Veterinär. Dann sollte umgehend ein Arzt hinzugezogen werden — die Gefahr, dass die Atypische Weidemyopathie tödlich endet, ist äußerst groß.

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Doch die Pferdehalter können auch vorsorgen. Pferde nehmen giftige Substanzen von Samen oder auch verfaulte Pflanzenteile auf, wenn sich auf winterlich kargen oder abgegrasten Weiden nicht mehr genügend zu fressen findet. Dann sollten die Halter zufüttern, rät der Kreisveterinär. Um die Tiere vor den giftigen Samen zu schützen, sei es außerdem sinnvoll, im Umfeld von Bäumen oder anderen möglicherweise giftigen Pflanzen "kleine Absperrungen zu bilden, damit die Pferde nicht drankommen". Ratsam sei auch, die Pferde nur über drei bis vier Stunden täglich auf die Weide zu lassen.

Paul Pesch, der in Baumberg seit über 30 Jahren das belgische Kaltblut züchtet, lässt seine sechs Tiere im Sommer und Winter draußen. Im Winter füttert er allerdings Heu und Kraftfutter zu. "In diesem Jahr ist bisher noch nichts passiert", sagt er erleichtert. "Kein Tier ist gestorben." Doch 2009 hat der Baumberger innerhalb kurzer Zeit eine Stute und ein Fohlen verloren. Eine Obduktion ergab damals keinen Befund. Die Pathologen schlossen jedoch die atypische Weidemyopathie als Ursache nicht aus.

Im Reitstall Conrad "Gut Grund" in Haan sind 60 Pferde zurzeit untergebracht. Die meisten davon sind Einstellpferde, berichtet Inhaber Mirko Conrad. In den Kreisen der Pferdehalter sprechen sich Seuchen und Krankheiten blitzschnell herum. Daher hat auch er schon von den aktuellen Fällen der Atypischen Weidemyopathie gehört. Doch ein konkreter Fall in Haan und Umgebung ist auch ihm noch nicht bekannt. "Ich sehe die Gefahr hier noch nicht so groß", sagt Conrad.

Der Reitstall Conrad habe keine ganzjährigen Weidepferde. Im Winter können die Tiere so genannte Paddocks nutzen, die mit Stroh ausgestreut werden. Dort sind sie in Sichtweite und außerhalb der Reichweite von Samen und unerwünschten Pflanzenteilen. Werden Conrad Fälle von Tierquälerei, eine grassierende Krankheit oder andere Gefahren bekannt, informiert er alle anderen Pferdehalter per Aushang am Infobrett des Reitstalls. Dort hängt auch eine Giftpflanzentafel.

Denn nicht nur Ahornsamen stellen eine potenzielle Gefahr für die Tiere dar, sagt Thomas Ködler, Betreiber des Reitstalls Falkenhof in Haan. "Wir müssen zum Beispiel auch auf das Jacobskreuzkraut achten", sagt der Fachmann. Findet sich eine dieser Pflanzen auf der Weide, "muss man sie rausstechen", rät er. Pferde, die rund um die Uhr auf der Weide stehen, gebe es jedoch auch beim Reitstall Falkenhof nicht. "Wir haben Sportpferde, die kommen nur stundenweise raus." Daher sieht auch er für seine Tiere nur eine geringe Gefahr, an der Atypischen Weidemyopathie zu erkranken. Die infektiöse Anämie, von der 2012 mehrere Tiere auch im Kreis betroffen waren, ist inzwischen "komplett ausgestanden", sagt Kreisveterinär Joachim Müller.

(RP)