Monika Doerr in Ruhestand verabschiedet

Hilden : Hildener Kultur verliert ihren Kopf

Zum Abschied von Kulturamtsleiterin Monika Doerr waren viele Kunstschaffende gekommen. Sie sind besorgt.

Sonntag, wenn Monika Doerr an ihrer letzten Ausstellungseröffnung als Hildener Kulturamtsleiterin im Kunstraum an der Hofstraße teilnehmen wird, morgen also würde eine Ära zu Ende gehen – würden wir denn diese Worte wählen. Was wir nicht tun, denn sie sind längst zu einer hohlen Phrase geworden, die dem Wirken und Tun Monika Doerrs nicht gerecht werden könnte. Stattdessen muss sich Hilden von einer Macherin, ja, dem Kopf der öffentlichen, städtischen Kultur verabschieden, und die Stadt hat es gestern mit einem Empfang im Heinrich-Strangmeier-Saal getan. Nach 32 Jahren an der Spitze des Kulturamts geht Monika Doerr in den Ruhestand, und sie versicherte den vielen Gästen, dass es ihr durchaus gut gehe und sie sich auf das Kommende freut. „Gerührt bin ich trotzdem.“

Gerührt von einer Dankesrede, die Bürgermeisterin Birgit Alkenings hielt und in der sie das Wirken Doerrs für die Kunst und Kulturszene in Hilden würdigte. Worte wie „perfekt“, „pünktlich“, „durchdacht“ und „großartig“ fielen. Ihr Wirken in Zahlen: 320 Theatervorstellungen mit 180.000 Besuchern, mehr als 400 Ausstellungen mit ungezählten Besuchern hat sie auf die Beine gestellt, die Partnerschaften zu Maribor in Slowenien und Nové Mesto nad Metuji in Tschechien über die Kunstschaffenden der Städte gepflegt. Der Kunstraum im Gewerbepark ist ihr „Baby“ und besteht seit 20 Jahren, die Jugendkunstschule hob sie vor 15 Jahren aus der Taufe. Ende der 1980iger Jahre konnte sie das Wilhelm-Fabry-Museum eröffnen.

Und bei den Jazztagen fungierte sie vor mehr als 20 Jahren als Geburtshelferin. Peter Baumgärtner, der Initiator dieser Jazztage und selbst Musiker, dankte ihr mit einer Musikeinlage – zusammen mit Axel Fischbacher („Blue Monday“), die sich für ihre Miles-Davis-Stücke Unterstützung von Caris Hermes am Kontrabass holten. Aus Axel Fischbachers Dank klang die Sorge nach dem, was nun kommt, die vielen Kunstschaffenden und -interessierten im Saal versteckt oder offen teilten: Wer wird Doerrs Nachfolger? Wird es jemand sein, der weiterhin auf Bildende Kunst setzt oder vielleicht mehr auf Literatur? Wird derjenige die selben Freiräume für sich in Anspruch nehmen können, wie Monika Doerr sie für sich und ihre Jahrzehnte beschrieben hat? Wird die Kultur in Hilden ihren hohen Stellenwert behalten, auf den die Stadt eigentlich stolz ist? Oder stehen die Zeichen nicht längst schon auf Schrumpfen und Sparen? Sorgen um die Stadthalle wurden da formuliert, um die kulturschaffenden Vereine auch.

Neben ehemaligen und aktuellen Dezernenten und Bürgermeistern sowie Vertretern der Musikschule und der Volkshochschule, waren die Brüder Braun gekommen, um sich von Doerr zu verabschieden. Ebenso Künstlerin Razeea Lindner, Kunstagent Jörg Schwarz, Museumschef Wolfgang Antweiler und der scheidende Kämmerer Heinrich Klausgrete. Doerr bewertete die vielen Verabschiedungen in Hilden in letzter Zeit als „Veränderung und Umbruch“. Autor und Redner Frank Schablewski zitierte lieber Hermann Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Nur, dass es sich durchaus angefühlt hat wie Abschied, nicht wie Anfang.

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