Hilden: Mit der Gema läuft es nicht mehr rund

Hilden : Mit der Gema läuft es nicht mehr rund

Die veränderte Gebührenregelung der Musik-Verwertungsgesellschaft macht vor allem den Pfarreien zu schaffen.

Seit Jahresbeginn müssen die Kirchengemeinden genau hinschauen, wenn sie - außerhalb der Gottesdienste - Feste mit Musik ausrichten. Der seit den 1980er Jahren bestehende Vertrag zwischen der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) sowie dem Dachverband der Diözesen in Deutschland gilt nicht mehr. Die katholischen Pfarreien hatten bislang eine "Flatrate" für ein Pfarrfest und ein Kindergartenfest pro Jahr sowie eine Seniorenveranstaltung monatlich. Pro Kirchengemeinde soll nun die Jahrespauschale von 45 auf 75 Euro erhöht werden.

Nach Einschätzung der Gema war eine Erhöhung des Tarifs dringend nötig. "Wir haben 2017 eine Angemessenheitsprüfung gemacht und die tatsächlich durchgeführten Kirchenkonzerte und Gemeindeveranstaltungen mit der Pauschale verglichen", sagt Gema-Sprecher Jürgen Baier. Die Gesellschaft rechnet vor, "dass nach den neuen Tarifen allein ein kleines Pfarrfest etwa 24 Euro kostet". Eine aktive Gemeinde stehe mit der neuen Pauschale wirtschaftlich also deutlich besser da.

Nicht nur die Gebühren sind ein Problem. Hinzu kommt der Verwaltungsaufwand, wenn jede einzelne Jugenddisco, jedes Konzert - also alles, wo Musik ertönt - vorher angemeldet und anschließend abgerechnet werden muss. Die Zeit fehle für die übrige Arbeit, bemängeln Kirchenmusiker landauf, landab.

Immerhin: "Die Vereinbarung über Gottesdienste und kirchliche Feiern ist von der neuen Regelung zum Glück nicht betroffen", sagt Hans-Georg Hermann. Er ist Verwaltungsleiter und damit Dienstvorgesetzter aller Angestellten der katholischen Gemeinde Hilden. Pfarrfeste und andere Festveranstaltungen außerhalb des Gotteshauses fallen unter die neue Regelung. Das Kölner Erzbistum, sagt Hermann, habe den Pfarreien deshalb einen Leitfaden zur Verfügung gestellt, der Orientierungshilfe im Gebührendschungel bieten soll. So räumt die Gema bei fristgerechter Meldung der Veranstaltung 20 Prozent Nachlass ein, heißt es in dem Schreiben. Gleichzeitig weist das Bistum darauf hin, dass die Übergangsfrist für die neue Regel abgelaufen ist. Ab jetzt gilt: Wer Veranstaltungen nicht rechtzeitig anmeldet, muss mit Strafen rechnen.

Auch viele Karnevalisten haben beim Begriff Gema gemischte Gefühle. Nicht so Klaus Hammermann, Geschäftsführer des Carnevals Comitees Hilden (CCH), Für ihn bedeutet das Geschäft mit der Gema nach eigener Aussage "keine Anstrengung". Von Altweiber über Prinzenempfang bis zum Rosenmontagszug nutzt er Meldebögen, die online zur Verfügung stehen. "Dort muss angegeben werden, was für eine Veranstaltung wo stattfindet und ob es einen Eintrittspreis gibt", erklärt Hammermann. Auch die Quadratmeterzahl werde berechnet. "Der Zug am Rosenmontag ist am preiswertesten", verrät der Geschäftsführer. 79,90 Euro hat er das letzte Mal gekostet.

Sobald Eintritt genommen wird, schießen die Gebühren in die Höhe. Davon kann sogar die Musikschule Hilden ein Lied singen, obwohl sie wegen ihrer Gemeinnützigkeit in der Regel nicht viel mit der Gema zu tun hat. Das (eintrittspflichtige) Weihnachtskonzert im vergangenen Jahr zeigte jedoch, wie mittlerweile zugelangt wird. "Da", sagt Musikschulleiterin Eva Dämmer, "mussten wir 200 Euro zahlen."

(RP)
Mehr von RP ONLINE